24.07.2009 · Die amerikanische Ratingagentur Standard and Poor's hat nach Protesten an der Wall Street die Herabstufung von Anleihen zurückgenommen. Indes will das amerikanische Finanzministerium Ratingagenturen schärfer kontrollieren.
Von Norbert Kuls, New YorkDie große Kreditbewertungsagentur Standard & Poor's (S&P) ist an der Wall Street wegen ihres Wackelkurses bei der Bewertung von verbrieften Gewerbeimmobilienkrediten unter Druck geraten. S&P hatte einigen Papieren am Dienstag wieder die Bestnote „AAA“ verliehen, nachdem sie diese erst in der Woche davor auf „BBB-“ herabgestuft hatte. Letzteres liegt nur etwas über dem Niveau von Ramschanleihen.
S&P begründete die Änderung mit einer Anpassung von Verlustschätzungen. Zuvor hatten Marktteilnehmer heftige Kritik an der Abstufung geübt. „Wir haben eine Reihe von Nachfragen von Marktteilnehmern wegen unserer Methoden erhalten, was uns bewegt hat, unseren Ansatz klarzustellen“, hieß es bei S&P.
SEC bemängelte schon 2008 Interessenskonflikte
Die ungewöhnliche Änderung erfolgte vor dem Hintergrund einer allgemeinen Kritik an den Methoden der Ratingagenturen. Ihnen wird eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben, weil sie Kreditverbriefungen mit zu hohen Bonitätsnoten versehen und zu spät auf deren Wertverfall reagiert hatten. Erst in der vergangenen Woche hatte der größte amerikanische Pensionsfonds Calpers Ratingagenturen in einer Klage vorgeworfen, „falsche und unangemessen hohe“ Bewertungen für strukturierte Investmentprodukte vergeben zu haben. Strukturierte Produkte sind komplexe Anleihepakete, wie die jetzt von S&P herab- und heraufgestuften Kreditverbriefungen für Gewerbeimmobilien (CMBS).
In dieser Woche hat das Finanzministerium Vorschläge für eine verschärfte Regulierung von Ratingagenturen unterbreitet. Die neuen Richtlinien sollen Interessenkonflikte regeln, die Aufsicht durch die Börsenaufsicht SEC verstärken und die Abhängigkeit des Finanzsystems von den Bewertungen reduzieren. Nicht angetastet wird das grundsätzliche Geschäftsmodell: Die Emittenten der Papiere werden die Agenturen weiterhin für die Bewertung bezahlen. Die SEC hatte im vergangenen Jahr Interessenkonflikte der Agenturen bemängelt, da bei der Bewertung von Wertpapieren auch die daraus resultierenden Einkünfte eine Rolle gespielt hatten. Zuvor hatten sich die Agenturen immer den Anschein der Unabhängigkeit gegeben.
S&P „vermasselt“ Aufschwung im CMBS-Markt
Die Änderung der Bewertung der CMBS-Papiere durch S&P in so kurzer Zeit sorgte für Unruhe in dem durch die Finanzkrise schwer angeschlagenen CMBS-Markt. Amerikanische Gewerbeimmobilien, zu denen Bürohochhäuser oder Einkaufszentren gehören, gelten in der Rezession weiter als gefährdet. „Es sieht so aus, als ob dies eine Anlageklasse ist, die sich noch verschlechtern wird, bevor es wieder zu einer Erholung kommt“, sagte ein hochrangiger amerikanischer Bankmanager.
Die Herabstufung der Anleihen könnte zu Verkäufen von Investoren geführt haben, die nur Papiere erstklassiger Bonität halten dürfen. „Es sieht so aus, als ob Leute, die von S&P bewertete Anleihen gekauft haben, auf unfaire Art bestraft werden“, sagte Darrell Wheeler von der Citigroup. Der CMBS-Markt hatte sich jüngst etwas erholt, weil Papiere mit hoher Bonität von Investoren im Rahmen eines staatlichen Kreditprogramms gekauft werden können. Das Finanzministerium will mit diesem Programm die eingefrorenen Märkte wieder auftauen und die Kreditvergabe ankurbeln. Die Ankündigung einer möglichen Herabstufung durch S&P im Mai hatte den Markt allerdings wieder belastet.
„Es sieht so aus, als vermassele S&P die Chancen für einen breitangelegten Kursaufschwung im CMBS-Markt, was der Konjunktur geholfen hätte“, sagte Wheeler, der keinen Grund für eine Herabstufung der Bonität sah, gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |