19.01.2010 · Der Deutsche liebt sein Bargeld, sehr zum Unbill der Kreditkarten-Unternehmen. Obwohl mehr Visa-Karten im Umlauf sind, ist der Umsatz gesunken. Das bankeneigene Unternehmen Visa Europe investiert daher stark in die Sicherheit der Karten.
Von Stefan RuhkampDie Deutschen halten hartnäckig an der Gewohnheit fest, möglichst viel mit Bargeld zu zahlen. Das bekommt auch das Zahlungssystem Visa Europe zu spüren: Während das von den Banken getragene Unternehmen den Kartenumsatz in Europa trotz der Rezession in den zwölf Monaten bis Juni 2009 um 3,7 auf 856 Milliarden Euro gesteigert hat, ist in Deutschland der Umsatz mit Visa-Karten um rund 10 Prozent auf 19 Milliarden Euro gefallen, meldete das Unternehmen am Dienstag.
Die Deutschen bezahlen zwar einen steigenden Anteil bargeldlos, im Vergleich zu anderen Ländern ist dieser Trend allerdings schwächer. Nach Daten der Bundesbank zahlen die Deutschen noch etwa in 60 Prozent aller Fälle bar. Nur bei großen Summen bevorzugen sie bargeldlose Transaktionen, dann aber meist die Überweisung. Die Nutzung der Kreditkarte stagniert dagegen bei etwa 5 Prozent.
Investitionen in die Sicherheit
Das könnte auch mit den Sicherheitsvorbehalten von Händlern, Banken und Verbrauchern zu tun haben. Das Kreditkartenunternehmen Visa investiert deshalb große Summen. Allein für ein neues Verarbeitungssystem wurden in den vergangenen vier Jahren rund 400 Millionen Euro ausgegeben. In den letzten fünf Jahren hat sich durch das Bemühen um mehr Sicherheit das Verhältnis von Betrugsschäden zum Umsatz deutlich verbessert.
Auf 100 Euro Umsatz kommen in Europa heute nur noch 6 Cent an Betrugsschäden. In Deutschland dürfte der Anteil höher liegen, denn nach Angaben von Visa zählt es zu den fünf Ländern mit dem höchsten Betrugsanteil. Daran tragen die deutschen Banken eine Mitverantwortung. Hierzulande dominieren immer noch Karten, die ohne einen Computerchip und eine Geheimnummer auskommen. Betrug ist ohne diese Technik sehr viel häufiger. In Ländern, in denen mit Chips ausgestattete Kreditkarten dominieren, sei der Betrugsanteil in den vergangenen Jahren stärker gefallen und liege nun bei 2 Cent je 100 Euro Umsatz, sagt Steve Perry, der bei Visa Europe den Kontakt zu den Mitgliedsbanken verantwortet.
SMS-Service in Planung
Auch in Deutschland müssen Banken und Händler wegen einer europäischen Vorgabe nun auf die Chip-Technik umstellen. Visa schätzt den Anteil der Einzelhandelsgeschäfte, die Kreditkartenzahlungen mit Chip und Sicherheitszahl abwickeln, derzeit auf weniger als 20 Prozent. Mit der Umsetzung der europäischen Richtlinie wird dieser Anteil auf 100 Prozent steigen. Auch der Anteil der Banken, die diese Technik nutzen, werde noch in diesem Jahr auf 80 Prozent steigen, erwartet Visa. Zumal die Chip-Technik eine Voraussetzung für Kreditkartenzahlungen „ohne Berührung“ ist, die viele Banken ihren Kunden künftig ermöglichen wollen.
Visa will in diesem Jahr in Deutschland einen neuen Informationsdienst einrichten, der die Sicherheit erhöhen soll. Vom zweiten Quartal an können sich die Verbraucher dann - sofern ihre Bank mitspielt - per elektronischer Nachricht auf das Mobiltelefon (SMS) über jede Zahlung unterrichten lassen, die mit ihrer Kreditkarte getätigt wird. Das solle das Vertrauen in das Kartensystem erhöhen, sagte Ottmar Bloching, der für Visa in Deutschland verantwortlich ist. Außerdem solle so die durchschnittliche Schadensumme je Betrugsfall, die heute bei etwa 1200 Euro liegt, reduziert werden.