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Sonntag, 12. Februar 2012
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Prognose 2003 Die schwache Konjunktur hält dem Rentenmarkt zunächst den Rücken frei

15.12.2002 ·  Anders als Aktien hatten Anleihen ein gutes Jahr. Zieht die Konjunktur nicht überraschend an, bleibt auch die Ausgangslage für 2003 konstruktiv.

Von Jürgen Büttner
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Die Ausgangslage für ein weiteres passables Jahr an den Rentenmärkten ist eigentlich nicht schlecht. Relativ niedrige Inflationsraten und ein nur zögerliches Wirtschaftswachstum sorgen für ein günstiges Umfeld. Doch nachdem die Renditen auf bereits sehr tiefe Niveaus gefallen sind, kommen natürlich Zweifel auf, ob die Anleger ihre Gelder auch weiterhin sorglos in Anleihen parken können. Zumal in den wichtigsten Volkswirtschaften die Verschuldung wieder zunimmt und gleichzeitig die Geldmenge deutlich steigt.

Der berühmteste Vertreter aus dem Chor der Mahner ist kein geringerer als Bill Gross. Der Pimco-Fondsmanager verwaltet den mit 67 Milliarden Dollar größten Rentenfonds der Welt, so dass sein Wort Gewicht hat. Und die neueste Botschaft das Zins-Gurus lautet, dass der Rentenmarkt seine beste Zeit womöglich hinter sich hat (vergleichen Sie die beiden Gross-Links zu diesem Thema).

US-Rentenmarkt am ehesten gefährdet

In der Tat scheint in den USA eine gewisse Wachsamkeit angesagt. Die Renditen für zehnjährige Anleihen bewegen sich dort mit gut vier Prozent noch immer auf Tuchfühlung mit dem im Oktober erreichten rekordniedrigen Niveau von 3,58 Prozent. Gleichzeitig wächst aber die US-Wirtschaft in diesem Jahr vermutlich um 24 Prozent und im kommenden Jahr könnten es 2,8 Prozent werden. Das Wachstumstempo ist damit deutlich höher als in Europa oder in Japan.

Eine Gefahr könnte auch vom Dollar ausgehen, für den Fall, dass er weiter zur Schwäche neigt. Bei einer starken Abwertung könnte die Notenbank über importierte Inflation zu Zinserhöhungen gezwungen werden. Trotz dieser Warnsignale sollten Anleger aber selbst in den USA nicht voreilig die Flinte ins Korn werfen. Denn es gibt auch weiterhin gute Gründe für anhaltende niedrige Zinsen. Zumindest wird die Notenbank mit aller Macht versuchen, die Renditen so lange wie möglich niedrig zu halten. Denn wenn die Kreditkosten zu schnell deutlich steigen, könnte dies die Konsum- und Immobilienblase in den USA zum Platzen bringen.

Im vierten Quartal gehen die Konsumausgaben vermutlich ohnehin schon mit plus 0,9 Prozent auf das tiefsten Stand seit neun Jahren zurück. Auch in den USA gibt es somit markante Risiken für die Konjunktur, die sich bei ihrer Manifestierung zumindest als positiv für die Rentenmärkte erweisen würden.

Erst bei vertriebenen Deflationsgespenst wird es brenzlig

Erst recht gilt der Hinweis auf konjunkturelle Risiken natürlich für Europa. Die alte Welt kommt beim Wachstum einfach nicht in Fahrt und als Bremse erweist sich dabei ausgerechnet Deutschland. In der größten und damit wichtigsten Volkswirtschaft in Europa gibt es kaum Anzeichen für eine baldige konjunkturelle Belebung. Vielmehr präsentiert sich das Land reformunfähig und träge. Zusammen mit den für die deutschen Verhältnisse zu hohen Realzinsen und dem fiskalpolitischen Korsett des EU-Stabilitätspakts spricht aus aktueller Bestandsaufnahme heraus wenig für deutlich steigen Renditen. Solange das Schreckgespenst Deflation nicht vom Tisch ist, dürften die hiesigen Rentenmärkte deshalb nicht wirklich gefährdet sein.

Dafür spricht auch, dass die Europäische Zentralbank nach der jüngsten Zinssenkung vermutlich eher noch einen weiteren Schritt nach unten nachschieben wird, als dass sie bereits in Kürze schon wieder die Zinswende nach oben einleitet. Wie schon im Text „Zinssenkungsfantasie dürfte Anleihen weiter stützen“ (siehe Link) geschrieben, droht bei den zehnjährigen Bundesanleihen echte Gefahr erst bei Renditen von über 4,70 Prozent. Ein Überwinden dieser bedeutsamen charttechnischen Hürde könnte ein Signal dafür sein, dass die Märkte eine konjunkturelle Wende zum Besseren wittern. Sollte sich diese wider Erwarten einstellen, ist längerfristig sogar ein Anstieg bis in den Bereich von 5,50 bis 5,70 Prozent nicht ausgeschlossen.

Dagegen könnte ein Rückfall der Renditen auf unter 4,25 Prozent als ein Signal dafür interpretiert werden, dass die Märkte tatsächlich das Thema Deflation spielen. In diesem Fall wäre dann sogar das Tief bei 3,78 Prozent vom 12. April 1999 nicht mehr außer Reichweite. Mit Blick auf den US-Aktienmarkt würde es im übrigen bei Zehnjahres-Renditen von über 4,30 Prozent brenzliger, da dann zumindest theoretisch das Tor für die nächste Zielzone 5,00 bis 5,50 Prozent aufgestoßen wäre.

Läuft alles wie geplant, winken im Osten weiter Chancen

Bis uns bessere Konjunkturdaten tatsächlich vom Gegenteil überzeugen, wähnen wir uns mit einer neutral bis vorsichtig optimistischen Haltung zu den weiteren Aussichten am Rentenmarkt auf der relativ sicheren Seite. Geht alles seinen normalen Gang, winkt speziell den europäischen Rentenmärkten zumindest ein passables erstes Halbjahr. Besser als der US-Markt sollten sie sich dabei vor allem bei einem anhaltend festen Euro auf jeden Fall entwickeln.

Wer die Chancen bei dieser Ausgangslage optimieren will, der ist vermutlich gut beraten, auch weiterhin auf den Konvergenzprozess im Zuge der EU-Osterweiterung zu setzen. Allerdings gilt dieser Ratschlag inzwischen nicht mehr pauschal, sondern es Bedarf der genauen Einzelauswahl. Die meisten Chancen scheinen dabei noch Anleihen von Beitrittskandidaten der zweiten Runde wie Rumänien und Bulgarien zu bieten.

Als „wild cards“ ließen sich auch noch die Türkei und Russland erwähnen. Wobei hier natürlich ein Krieg gegen den Irak oder ein markant fallender Ölpreis die Suppe auch schnell versalzen kann. Unwohl fühlen wir uns außerdem weiterhin beim Blick auf den mit einer Nullzinspolitik ausgestatteten japanischen Rentenmarkt. Doch wann diese Blase platzen wird, lässt sich unmöglich genau vorherbestimmen.

In den beiden Charts sehen Sie in dieser Reihenfolge die Entwicklung der Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Deutschland und den USA.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wider.

Quelle: @JüB
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