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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Privatanlagen So entkommen Sparer der Enteignung

 ·  Privatanleger müssen keine europäischen Staatsanleihen kaufen. Sie können auf Aktien, fremde Währungen und Schwellenländer setzen. Worauf man achten sollte.

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© dpa Die Flut: billiges Geld drückt die Zinsen

So verlockend es für den Staat ist, sich durch Inflation zu entschulden, so katastrophal ist das für den Sparer. Wer sein Geld zu einem großen Teil in Renten- und Lebensversicherungen investiert hat, ist nun gefangen. Die Versicherer haben wenig Möglichkeiten, Papiere mit hohen Renditen zu kaufen, sie müssen in Staatsanleihen investiert bleiben. Die werfen aber in einer „Financial Repression“ negative Realzinsen ab. Das heißt, der Sparer spart nicht, sondern er verliert jedes Jahr Geld.

Und das kann ganz schön viel sein. Wer heute Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit kauft, bekommt dafür 1,37 Prozent Rendite. Die Inflation liegt aber derzeit bei 2,1 Prozent. Der Sparer verliert also schon jetzt Geld. Geht man von zwei Prozent Inflation in den nächsten Jahren aus, hat er bei Fälligkeit der Bundesanleihe schon sechs Prozent an realem Wert verloren, bei vier Prozent Inflation sogar 23 Prozent.

Betroffen sind davon nicht nur private Renten- und Lebensversicherungen. Auch Teile der staatlich geförderten Altersvorsorge trifft dies. Wer über sein Unternehmen betrieblich vorsorgt oder eine Riester-Rente abgeschlossen hat, leidet, wenn die Vorsorge über Versicherungen verwirklicht wird. Dann kann er nur hoffen, dass die staatliche Förderung ihn wenigstens auf eine positive reale Rendite bringt. Einen großen Ertrag sollte er sich nicht versprechen. Wer hingegen in einem der Riester-Fonds spart, der vor allem in Aktien anlegen, hat Glück gehabt.

Keine Bundesanleihen

Versicherer finden den Weg der Entschuldung über Inflation trotzdem besser als einen Schuldenschnitt. Der zwänge sie nämlich zu hohen Abschreibungen, während die reale Entwertung besser im Ergebnis zu verstecken ist. Wichtig ist ihnen nur, dass der Konkurrent genauso belastet ist.

Privatanleger können aber anders als Versicherungen und Banken reagieren. Sie sind derzeit nicht gezwungen, europäische Staatsanleihen zu kaufen. Daher sollten sie dies auch nicht tun. Die Bundesanleihen sind zwar noch sicher, werfen aber zu wenig Zins ab, um negative Realrenditen zu vermeiden. Spanische und italienische Anleihen bringen zwar mehr ein, sind aber keineswegs sicher. Und für das vorhandene Risiko sind die gebotenen Renditen zu niedrig. Denn sie werden durch die Eingriffe der Notenbanken künstlich niedriger gehalten. Auch staatsnahe Papiere wie etwa Anleihen der deutschen Staatsbank KfW werfen zu wenig Rendite ab.

Vorsicht auch bei Tagesgeld

Unrentabel in einer „Financial Repression“ sind auch Sparbriefe oder Tages- und Festgeld. Denn sie orientieren sich entweder an den niedrig gehaltenen Zinsen für Staatsanleihen oder am Leitzins, der derzeit bei 1,0 Prozent liegt und für einige Zeit nicht deutlich erhöht werden dürfte.

Schließlich sollte der Anleger die Währungen der Länder meiden, die auf Financial Repression setzen dürften, also den Dollar, das Pfund, den Yen und den Euro. Denn solche Währungen leiden unter der Schuldenentwertung, denn die Nichteuropäer werden ihr Engagement in einem derart unattraktiv gewordenen Währungsraum reduzieren.

Für einen europäischen Anleger wird es freilich schwer sein, ganz auf den Euro zu verzichten. Aber außereuropäische Anlagen, etwa in den Schwellenländern oder in Ländern mit starker Währung, etwa Australien oder Neuseeland, sollten verstärkt ins Depot. Sie profitieren tendenziell von Währungsgewinnen. In solchen Staaten können die Anleger auch Anleihen kaufen, um wenigstens ein paar Zinsanlagen zu besitzen. Auch Unternehmensanleihen, durchaus auch in Europa, kommen als Alternative zu Staatspapieren in Frage. Ihre Renditen sind nicht manipuliert, und solide Firmen bieten eine hohe Sicherheit.

Lieber dividendenstarke Aktien

Aber vor allem Aktien sind in einem inflationären Umfeld attraktiv. Wenn die Unternehmen es schaffen, ihre Preise anzuheben, können sie steigende Kosten durch die Inflation auffangen, und ihre Gewinne steigen. Um das zu schaffen, sollten sie eine starke Marktstellung haben. Und der Markt, in dem sie aktiv sind, nicht zu umkämpft sein. Das spricht etwa gegen manchen Elektronikproduzenten. Sinnvoll sind Aktien, die eine hohe Dividende ausschütten. Sie generieren jährliche Ausschüttungen, die die Zinszahlungen aus Anleihen ersetzen können.

Einen Haken gibt es allerdings. Die EU hat die Kompetenz, für den ganzen Euroraum Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Den Europäern könnte zum Beispiel verboten werden, außerhalb Europas Staatsanleihen oder Aktien zu kaufen. Dann wären auch die Privatanleger in der Falle.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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