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Veröffentlicht: 25.08.2009, 12:38 Uhr

Pongs & Zahn Umschuldung als Hoffnungsschimmer

Am Donnerstag entscheiden die Gläubiger der Berliner Chemieholding Pongs & Zahn über die Annahme einer Zinspause und Verschiebung der Tilgung. So könnten sie noch mit einem blauen Auge aus ihrem Investment herauskommen.

von
© Unylon Zu oft standen die Anlagen still

Derweil sich die Börse an der Tatsache berauscht, dass die Frühindikatoren sich nicht weiter verschlechtern und mit steigenden Aktienkursen die neue heile Welt einläutet, die vorwiegend auf Staatsausgaben beruht, stellt sich die Welt für so manchen Anleihengläubiger gar nicht so positiv dar.

Martin Hock Folgen:

Zwar sind die schlichten Zahlungsausfälle aufgrund von Insolvenz in der Minderheit, doch immer noch treten Unternehmen an die Gläubiger mit der Bitte um Forderungsverzicht in teilweise drastischer Höhe heran.

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Nicht zahlungsfähig

Am Donnerstag sind nun auch die Gläubiger von Pongs & Zahn an der Reihe. Die auf Beteiligungen an Kunststoff-Rohstoff erzeugenden Unternehmen spezialisierte Berliner Holding hatte im Februar einen Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals angekündigt und im Mai gewarnt, dass sich die Situation auf die Bedienbarkeit der begebenen Anleihe auswirken könne.

Infografik / Tabelle Pongs 250809 © F.A.Z. Vergrößern

Laut Tagesordnung für die bevorstehende Versammlung sieht sich Pongs & Zahn aufgrund der mit ausbleibenden Erträge aus den Beteiligungen derzeit nicht in der Lage, die im November 2011 fällige Anleihe zurückzuzahlen oder Zinszahlungen zu leisten.

Atempause erbeten

Eine Veränderung der Situation hänge vom Fortgang der Verhandlungen zur Veräußerung von Beteiligungen ab, von denen sich zwei mittelbare Beteiligungen in Planinsolvenzverfahren befinden. Die Veräußerungsprozesse würden sich aller Voraussicht nach aber bis zum Jahre 2014 hinziehen. Daher will Pongs & Zahn nun, dass zum einen die Laufzeit der Anleihe um drei Jahre verlängert wird. Zinsen sollen die Gläubiger erst 2012 wieder bekommen.

Vorausgesetzt, dass das Unternehmen ab 2012 wieder in der Lage ist, Zinsen zu zahlen und die Anleihe 2014 zu tilgen, müssen die Gläubiger Pongs & Zahn damit nur eine Zins- und Tilgungsaussetzung von drei Jahren gewähren. Damit kämen sie angesichts der Lage recht gut weg. Für Gläubiger die Anleihe bei Emission 2003 zu 100 Prozent gekauft haben, sinkt die Rendite von 8,5 auf 6,4 Prozent. Wer die Anleihe zum aktuellen Börsenkurs von 7,9 Prozent erwirbt, hätte damit die Chance auf eine Rendite von immer noch mehr als 70 Prozent.

Zustimmung bei Unylon erfolgt

Damit der Plan in die Tat umgesetzt werden kann, ist zunächst eine Zustimmung von drei Viertel der abgegebenen Stimmen sowie zwei Drittel des Nennwerts der Schuldverschreibungen erforderlich. Wird zwar ersteres erreicht, nicht aber letztere Bedingung erfüllt, so kann die Maßnahme auf einer zweiten Versammlung mit drei Vierteln der abgegebenen Stimmen beschlossen werden.

Pongs & Zahn folgt damit dem Vorgehen bei seiner Beteiligung Unylon, deren operative Tochter Unylon Polymers derzeit ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung betreibt. Die Gläubiger der beiden Optionsanleihen des Unternehmens stimmten einer Aussetzung von Zins und Tilgung für die bis 2016 laufende Anleihe bis Januar 2011 in der zweiten Versammlung zu ebenso wie der Verlängerung der Laufzeit des ursprünglich in diesem Jahr fälligen Wandlers um 18 Monate zu.

Schwer abschätzbare Zusammenhänge

Die Umschuldung bietet den Gläubigern eine Chance, mit vergleichsweise heiler Haut aus ihrem Investment herauszukommen. Allerdings ist der Verlauf des Beteiligungsverkaufs und des Insolvenzplanverfahrens von Unylon Polymers offen.

Nach Mitteilung des Insolvenzverwalters PKL Keller Spies, dessen Partner Jörg Spies nunmehr auch der Geschäftsführung angehört, ist der Erhalt des Unternehmesn unter anderem bei deutlicher Entschuldung beabsichtigt. Wie sich dies auf die Zahlungsfähigkeit der Unylon AG auswirkt, ist nicht zuletzt aufgrund fehlender aussagekräftiger Geschäftszahlen schwer abzuschätzen.

Unylon hatte zum letzten Mal Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2008 veröffentlicht und einen Umsatzeinbruch von rund 25 Prozent auf 30,2 Millionen Euro und einen Verlust nach Steuern von 1,38 Millionen Euro berichtet. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens war von 35 auf 26,5 Prozent gefallen.

Alternativen?

Die Zahlungsfähigkeit von Pongs & Zahn hängt wiederum nicht zuletzt davon ab, wie werthaltig Unylon Polymers am Ende des Insolvenzverfahrens sein wird. Pongs & Zahn berichteten zuletzt zum dritten Quartal 2008. Mit 28,65 Millionen Euro lagen die Erlöse auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 2 Jahren. Den letzten Jahresgewinn hatte man 2003 ausgewiesen, seitdem waren die Verluste deutlich angestiegen. Schon 2006 waren die kumulierten Gewinne der Jahre seit 1995 mehr als aufgezehrt gewesen.

Sollten die Gläubiger die Zustimmung zur Umschuldung verweigern, könnte auch Pongs & Zahn die Insolvenz drohen. Und ob dann ein größerer Anteil der Forderungen einzubringen ist als gegebenenfalls 2014, ist zumindest fraglich.

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