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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Politik der Notenbanken Die Welle der Anleihenkäufe

 ·  Die Entscheidung der amerikanischen Fed, noch mehr Staatsanleihen zu kaufen, verstärkt einen weltweiten Trend. Die Wirkung ist umstritten, da die Unternehmen die günstigen Konditionen nicht für Investitionen nutzen.

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© REUTERS Als Nächstes könnte die Bank von Japan ihr Programm aufstocken. Der hohe Außenwert des Yen belastet die exportorientierte Wirtschaft

In Japan hat die Ausweitung des Kaufprogramms der amerikanischen Fed den Druck auf die Bank von Japan erhöht, in der kommenden Woche ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Da der Dollar am Freitag gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gefallen ist, hat der japanische Finanzminister Jun Azumi mit Interventionen auf den Devisenmärkten gedroht.

Er bezeichnete die Aufwertung des Yen als einseitig und nicht durch die Wirtschaftslage begründet. „Ich schließe keine Schritte aus und werde entschlossene Maßnahmen ergreifen, wenn es erforderlich ist“, sagte der Minister. Der hohe Außenwert des Yen belastet die exportorientierte Wirtschaft Japans. Zugleich erhöhte Azumi den Druck auf die japanische Notenbank und forderte sie auf, „angemessene Schritt zur richtigen Zeit“. Die Bank von Japan wird am Dienstag und Mittwoch beraten. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Bank dem amerikanischen Vorbild folgen und ihre Geldpolitik weiter lockern wird.

Die Notenbank sieht Spielraum

Dabei wächst in der Bank die Sorge, dass der verstärkte Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbank von den Finanzmärkten zunehmend als Staatsfinanzierung gewertet wird. Vor allem Notenbankchef Masaaki Shirakawa befürchtet, dass die Bank an Glaubwürdigkeit verliert. „Vor dem Hintergrund, dass die Käufe von Staatsanleihen ein signifikant großes Volumen annehmen, sollte eine gebührende Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, dass die mächtige geldpolitische Lockerung nicht als Staatsfinanzierung verstanden wird“, warnte ein Ratsmitglied vor kurzem.

Vor gut einem Monat, am 10. August, hatte die Bank bei ihren Anleihekäufen die Grenze überschritten, die sie sich mit ihrer „Banknotenregel“ selbst gesetzt hat. Nach dieser Regel darf das Volumen der von der Bank gehaltenen Staatsanleihen das der umlaufenden Banknoten nicht übersteigen. Am 10. August waren in Japan Banknoten im Wert von 80,79 Billionen Yen (840 Milliarden Euro) im Umlauf. Am selben Tag hielt die Bank Staatsanleihen im Wert von 81 Billionen Yen. Jährlich kauft die Bank von Japan Staatsanleihen im Wert von 22 Billionen Yen. Im Rahmen ihres Kaufprogramms zur Überwindung der Deflation und zur Förderung des Wirtschaftswachstums will sie bis Ende des Jahres zusätzliche Titel im Wert von 24 Billionen Yen kaufen.

Die im Rahmen dieses Programms erworbenen Anleihen fallen nach dem Verständnis der Bank von Japan allerdings nicht unter die Banknotenregel. Die Notenbank sieht daher Spielraum. Im April hatte die Bank unter Druck der Politik beschlossen, ihr Programm um 5 auf 70 Billionen Yen aufzustocken. Weil das Volumen privater Anleihen schon lange nicht ausgeschöpft wird, beschlossen die Notenbanker, den Kauf von Staatsanleihen um 10 Billionen Yen auszuweiten. Da die Zinsen schon nahe Null liegen, dringen Japans Politiker für die kommende Woche auf eine abermalige Ausweitung.

Nicht die Lösung aller Schwierigkeiten

Keine Notenbank hat bisher ihre Bilanz so überproportional durch Anleihekäufe ausgeweitet wie die Bank von England. Seit März 2009 übt sich die Notenbank in systematischen Anleihekäufen. Sie hat das Volumen ihrer Käufe mittlerweile auf 375 Milliarden Pfund ausgeweitete und hält 36 Prozent des Nominalwertes aller britischen Staatsanleihen.

Die Bank von England rechtfertigt ihr Programm damit, dass die Inflation in zwei Jahren unter das Ziel von 2 Prozent fallen würde, sollte sie das Wirtschaftswachstum nicht stimulieren und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stärken. Erst im Sommer diesen Jahres hat die Bank von England betont, dass ihre Anleihenkäufe über das ganze Spektrum der Zinsstrukturkurve dazu führten, dass Investoren ihre Portfolios umschichteten und sich der Impuls vom Anleihemarkt auf die Kreditmärkte übertrage. Unternehmen und Haushalte würden von günstigeren Finanzierungskonditionen profitieren.

„Ohne die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, hätten wir hier eine andere Große Depression und nicht nur eine Bankenkrise“, behauptete am Freitag das Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England, Ben Broadbent. Er warnt allerdings, dass die Anleihenkäufe nicht die Lösung aller Schwierigkeiten seien und sie ohnehin mit Blick auf die hartnäckig hohe Inflation begrenzt seien. Die Inflation hat sich in Großbritannien angesichts der Doppelrezession in den letzten Jahren zwar zurückgebildet, lag im Juli mit 2,6 Prozent jedoch immer noch deutlich über dem Inflationsziel.

EZB im Vergleich zu anderen Notenbanken relativ vorsichtig

Die Wirkung der Anleihenkäufe ist umstritten, zumal die Unternehmen in diesen Zeiten der Unsicherheit die günstigen Finanzierungskonditionen nicht für Investitionen nutzen. Während die Bank von England behauptet, ohne ihre Politik der Quantitativen Lockerung wäre die Rezession viel schärfer ausgefallen, ist unstrittig, dass sich der Effekt an den Anleihemärkten mit zunehmendem Volumen der Käufe abnutzt. Und während die Eigentümer von Aktien, Anleihen und Immobilien von den steigenden Preisen profitieren, entgehen dem Kleinbürger Zinsen auf seinem Sparkonto und der erwartete Wert künftiger privater Renten schmilzt.

Von den Programmen in Japan, Amerika und Großbritannien unterscheiden sich die angekündigten Interventionen der EZB dadurch, dass sie nicht auf den gesamten Währungsraum zielen, sondern auf Länder, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Die EZB will der Furcht der Investoren, dass der Währungsraum auseinanderbrechen könnte entgegentreten. Andernfalls würde, so die Argumentation, zum einzelnen Kreditrisiko ein Wechselkursrisiko hinzukommen. Bislang hat die EZB im Vergleich zu anderen Notenbanken relativ vorsichtig auf dem Anleihemarkt interveniert. Sie hat für gut 210 Milliarden Euro Staatsanleihen gekauft und zwei Programme über insgesamt 100 Milliarden Euro für den Kauf von Pfandbriefen aufgelegt. Das entspricht etwa 3 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euroraums.

Für das neue - potentiell unbegrenzte - Kaufprogramm ist noch kein Geld ausgegeben worden. Gleichwohl hat es den Anleihemarkt stark beeinflusst. Die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen sind seit Ende Juli um rund 2 Prozentpunkte gesunken. Ob dies die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft in den südeuropäischen Krisenländern nachhaltig verbessert, wird man erst in einigen Wochen abschätzen können.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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Jahrgang 1959, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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