15.01.2010 · Als einziges Land in Osteuropa konnte Polen einer Rezession entgehen. Weil das Land auch sonst relativ solide dasteht, steigen die Kurse polnischer Staatsanleihen und der Wert der Landeswährung Zloty. Auch eine neu aufgelegte Staatsanleihe stößt auf reges Interesse.
Im Zuge der Kreditkrise wurden auch Assets aus Polen gemieden, so dass polnische Staatsanleihen und die Landeswährung Zloty Verluste hinnehmen mussten. Doch nachdem sich die Marktteilnehmer wieder etwas beruhigt haben, wird wieder mehr auf die Fundamentaldaten geachtet. Und die sehen im Falle Polens insbesondere im relativen Vergleich innerhalb der Region vorteilhaft aus. Deshalb befinden sich die Kurse der heimischen Staatsanleihen und des Zlotys schon seit Monaten wieder im Aufwind.
Als Stütze erweist sich dabei auch die politische Lage, die sich für osteuropäische Verhältnisse zuletzt erstaunlich ruhig präsentierte. Ministerpräsident Tusk führt eine stabile Regierung, die sich allerdings bei einigen strittigen Themengebieten (wie zum Beispiel der Euro-Einführung) mit dem Präsidenten und Zwillingsbruder des Vorsitzenden der wichtigsten Oppositionspartei Lech Kaczynski auseinandersetzen muss. Vor dem Hintergrund der im Herbst 2010 anstehenden Präsidentschaftswahlen scheint nach Einschätzung der Analysten der WGZ Bank aber eine Neuordnung möglich. Ministerpräsident Tusk hat gute Chancen der neue Präsident zu werden und dadurch die institutionellen Beziehungen zu stabilisieren.
Rezession konnte vermieden werden
Wie solide Polide volkswirtschaftlich gesehen dasteht, lässt sich daran ablesen, dass es nicht zuletzt dank einer robusten inländischen Nachfrage als einziges Land in Osteuropa eine Rezession vermeiden konnte. Vielmehr konnte sich Polen ausgehend von einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich von 0,8 Prozent in den ersten drei Monaten kontinuierlich steigern, so dass auf Gesamtjahressicht mit einer Expansion beim Bruttoinlandsprodukt von 1,5 Prozent gerechnet wird. Und für das laufende und kommende Jahr rechnen die Volkswirte der Unicredit mit einem Anstieg im Bereich von 2,3 und 2,7 Prozent (siehe Grafiken).
Bei der chronisch defizitären Leistungsbilanz hat die schwächere Wirtschaftsleistung einen entlastenden Effekt bewirkt. Das in den vergangenen Jahren auf über fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt gestiegene Leistungsbilanzdefizit wird nach Einschätzung der WGZ Bank 2009 deutlich niedriger ausfallen und bei etwa 1 bis 2 Prozent erwartet. Zwar liegen laut WGZ Bank-Analyst Tobias Gruber auch die Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen unter den Vorjahreswerten, hier ist die Differenz aber deutlich geringer, so dass eine deutliche Deckung des Leistungsbilanzdefizits verzeichnet werden kann. „In 2010 dürfte das Defizit in der Leistungsbilanz zwar wieder zunehmen, vor dem Hintergrund ebenfalls nochmals leicht anziehender Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen sollte dennoch eine überwiegende Deckung erreicht werden“, so seine Einschätzung.
Positiv wertet er in diesem Zusammenhang auch die wieder deutlich gestiegenen internationalen Währungsreserven. Diese haben sich 2009 kontinuierlich verbessert und damit nahezu bereits wieder den Mitte 2008 erreichten Höchststand erreicht. Erleichtert werde die Erfüllung des externen Finanzierungsbedarfs zudem durch die vom Internationalen Währungsfonds zugesagte flexible Kreditlinie in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar.
Haushaltsdefizit und Inflation machen Sorgen
Sorgenfrei ist man in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten aber natürlich auch in Polen nicht. Ein kritischer Faktor ist unter anderem die Inflation. Im Dezember hat der Inflationsdruck wieder etwas zugenommen, allerdings blieb der Anstieg etwas hinter den Erwartungen zurück. Konkret lagen die Verbraucherpreise um 3,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat, nachdem die Jahresteuerung im November noch 3,3 Prozent betragen hatte. Volkswirte hatten eine Jahresteuerung von 3,6 Prozent erwartet. Damit liegt die Inflation knapp innerhalb der Zielspanne der polnischen Notenbank, die eine jährliche Rate zwischen 1,5 Prozent und 3,5 Prozent anpeilt.
Sorgen bereitet auch die Haushaltsbilanz Polens, die sich laut Gruber in 2009 nochmals deutlich verschlechtert hat. Nachdem das Budgetdefizit bereits in 2008 mit 3,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt höher als erwartet ausfiel, weitete sich das Defizit im vergangenen Jahr auf über 6 Prozent aus. Und auch für 2010 wird derzeit vom Finanzministerium ein Defizit von rund 6 Prozent vorhergesagt. Die Staatsverschuldung nähert sich damit gefährlich der Marke von 55 Prozent, deren Überschreitung die Regierung per Gesetz zur Defiziteinschränkung zwingt.
Zur Deckung des Defizits sind in großen Umfang Privatisierungen sowie die Emission neuer Staatsanleihen geplant. Insgesamt plant die Regierung im ersten Quartal Anleihenemission von bis zu 26 Milliarden Zloty. Nachrichten rund um die Finanzierung des Budgetdefizits werden weiterhin wichtig für die derzeitige Stabilität des Zlotys und des Anleihemarktes sein. In diesem Zusammenhang könnte nach Einschätzung von Analyst Marcin Kopaczynski von der österreichischen Raiffeisenbank die noch für Januar geplante Veröffentlichung eines Konsolidierungsplans für die öffentliche Verschuldung kurzfristig einen Schub verleihen. Allerdings nur dann, wenn es der Regierung glaubwürdig gelingt, Maßnahmen für die Schuldenreduktion zu setzen.
Neue Euro-Anleihe klar überzeichnet
Trotz der erwähnten Probleme ist es den Polen zu Beginn dieser Woche problemlos (insgesamt gingen Kaufaufträge von etwa 6 Milliarden Euro ein) gelungen, eine Euro-Anleihen im Volumen von 3 Milliarden Euro zu platzieren. Das Papier mit der Isin XS0479333311 weist eine Laufzeit von 15 Jahren, einen Kupon in Höhe von 5,25 Prozent und eine 1.000er-Stückelung auf. Der Renditeaufschlag liegt bei einem Kurs von 98,8 Prozent 148 Basispunkte über dem Swapsatz.
Laut Gruber ist das ein im Vergleich zu anderen Polen-Papieren attraktiverer Risikoaufschlag und weil er die genannten Konditionen insgesamt als vorteilhaft beurteilt, rät er Anlegern, die in polnische Anleihen investieren wollen, trotz der langen Laufzeit in die neue Anleihe zu investieren. Als ein interessantes Investment erachtet er außerdem weiterhin eine bis zum 03. Februar 2014 laufende Euro-Staatsanleihe (Isin XS0410961014, Kurs: 108,7 Prozent; Kupon: 5,875 Prozent).