Die spanische Finanzkrise bedroht nun eine Anlageklasse, die bislang als sicher gegolten hat. Es handelt sich um Anleihen spanischer Banken, die mit Hypotheken- oder Staatskrediten besichert sind. Die sogenannten Cédulas sind vergleichbar mit deutschen Pfandbriefen, da sie ebenfalls auf einem Deckungsstock aus Krediten basieren, der im Insolvenzfall des Emittenten die Bedienung des damit besicherten Wertpapiers gewährleistet.
Kurse fallen
Doch die Risikoaufschläge der Cédulas haben sich in den vergangenen Wochen im Zuge der spanischen Bankenkrise deutlich erhöht. Ein wichtiger Grund sind die zunehmenden Ausfälle von Immobilienkrediten, die zugleich Ursache der Krise sind. So notiert ein auf Hypothekenkrediten basierender Schuldtitel der noch immer als stabil geltenden Großbank Santander mit einem Risikoaufschlag von gut 4 Prozentpunkten zur Swap-Mitte, die am Finanzmarkt als risikoloser Referenzzins dient.
Anfang Februar war die Anleihe mit einem Aufschlag von 2 Prozentpunkten begeben worden. Der Renditeanstieg ergibt sich aus den Kursverlusten. Dagegen hatte die Deutsche Bank Mitte Februar einen siebenjährigen Hypothekenpfandbrief mit einem Aufschlag von 0,22 Prozentpunkten oder 22 Basispunkten plaziert. Inzwischen ist die Differenz zur Swap-Mitte auf 10 Basispunkte gesunken.
DZ Bank mahnt zur Vorsicht
Die Analysten der DZ Bank mahnten am Dienstag bei Cédulas zur Vorsicht und empfahlen eine Untergewichtung. Ein Grund dafür ist die drohende Herabstufung durch die drei Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch. Die Überprüfung der besicherten Bankanleihen ist Folge der Ratingsenkung Spaniens.
Bislang weisen einige Cédulas noch erstklassige Bonitätsnoten von „AA“ auf. Denn spanische Banken haben diese Schuldtitel deutlich überdeckt. Mit knapp 55 Milliarden Euro fällt der Deckungsstock bei Spaniens größter Bank Santander fast doppelt so hoch aus wie das Volumen damit besicherter Anleihen. Die Nummer zwei, die BBVA, hat ihre Cédulas von knapp 45 Milliarden mit einem Deckungsstock von rund 75 Milliarden Euro besichert. Die verstaatlichte Sparkassengruppe Bankia deckt mit Krediten von 112 Milliarden Euro Anleihen von 54 Milliarden Euro ab.
Derzeit noch besser als Staatsanleihen
Dass die Kurse spanischer Staatsanleihen zuletzt deutlicher gefallen seien als die der Cédulas, darauf verweist DWS-Fondsmanager Oliver Eichmann. Die geplante Rekapitalisierung spanischer Banken durch Hilfskredite der Eurogruppe dürfte seiner Ansicht nach die Kreditwürdigkeit der betroffenen Institute verbessern. Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank bevorzugt weiterhin Cédulas gegenüber spanischen Staatsanleihen.
Doch nach Ansicht von Moody’s schwindet die Überdeckung der Cédulas immer stärker, was ihre Bonitätsbewertung drücken dürfte. Die Analysten verweisen darauf, dass spanische Banken in den zehn Tagen bis zum 13. Juni besicherte Anleihen im Volumen von 16 Milliarden Euro begeben haben. Davon entfallen allein 11 Milliarden Euro auf die Caixa, die aus der Sparkasse von Barcelona hervorgegangen ist. Diese Emissionen dienen nur einem Zweck: Sie werden laut Moody’s als Sicherheit zur günstigen Refinanzierung bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingereicht.
Viele spanische Banken haben keinen Zugang mehr zum Kapitalmarkt und sind auf Mittel der Notenbank angewiesen. Doch dass sie immer mehr Hypothekenkredite dafür verwenden, um notenbankfähige Wertpapiere zu produzieren, verringert den Deckungsstock der schon begebenen Cédulas. Durch die neuen Emissionen sinke der Schutz für die Gläubiger der schon umlaufenden Papiere, warnt Moody’s. Insgesamt schätzen die Bonitätsprüfer das Volumen der Cédulas auf 400 Milliarden Euro. Davon dürften die Banken 25 bis 30 Prozent im eigenen Buch und damit als Reserve für die EZB halten.