28.07.2009 · Die Ratingagentur Standard & Poor's lässt sich mit der Überarbeitung ihrer Bewertungsmethoden mehr Zeit. Die vielen Reaktionen der Marktteilnehmer sollen angemessen berücksichtigt werden.
Von Markus FrühaufDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) nimmt sich nun mehr Zeit für die Überarbeitung ihres Bewertungsverfahrens fürt kreditbesicherte Bankanleihen. Nach einer Mitteilung von S&P ist mit der neuen Ratingmethode nicht vor Mitte September zu rechnen.
Damit reagieren die Bonitätsprüfer auf die zahlreichen Kommentare von Emittenten solcher Papiere, die Marktteilnehmer als Covered Bonds bezeichnen. Dazu zählt auch der deutsche Pfandbrief. Ursprünglich wollte S&P deutlich früher ihre strengere Ratingmethode vorstellen.
Doch nun will die Ratingagentur die zahlreichen Reaktionen eigenen Angaben zufolge angemessen berücksichtigen. Im Lager der Pfandbriefbanken wurde die Ankündigung von S&P begrüßt, da eine gründliche Überarbeitung des Bewertungsverfahrens in jedem Fall einem Schnellschuss vorzuziehen sei.
Druck aus der Branche
Allerdings gerät die Ratingagentur in den Verdacht, nun auch hier öffentlichem Druck nachgegeben zu haben. In der vergangenen Woche revidierte S&P in den Vereinigten Staaten ihre Bewertung für mit Gewerbeimmobilien besicherte Wertpapiere, sogenannte Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS). Diesen vergaben die Bonitätsprüfer wieder die Bestnote von „AAA“, nachdem zuvor Banken und andere Investoren heftige Kritik an der Herabstufung auf „BBB-“ geübt hatten (vgl. ). Je geringer die Ratings für Wertpapiere sind, desto höher die erforderliche Eigenkapitalunterlegung durch die Banken, um gegen den wahrscheinlicher gewordenen Ausfall gewappnet zu sein. Doch Kapital ist für die Banken derzeit sehr knapp.
Ihren Entwurf hatte die Ratingagentur bereits Anfang Februar vorgestellt. Bis Ende März konnten die Covered-Bond-Emittenten und -Investoren ihre Stellungnahmen abgeben. Wichtigste Neuerung ist die Berücksichtigung des Risikoprofils der emittierenden Bank bei der Bewertung von Covered Bonds. Bislang basierte das S&P-Rating ausschließlich auf dem Deckungsstock. In diesem werden die Kredite zur Unterlegung der Anleihen gebündelt. Doch anders als bei Kreditverbriefungen wie etwa den CMBS verbleiben bei Covered Bonds die Kredite und deren Risiken auf der Bilanz der Bank. Pfandbriefe können mit Hypotheken-, Schiffs-, Flugzeug- und Staatskrediten unterlegt werden.
Massen-Abstufungen drohten
Würde S&P das Covered-Bond-Rating stärker an die Emittentenbonität knüpfen, droht mehr als der Hälfte der Covered Bonds über insgesamt knapp 2,4 Billionen Euro eine Herabstufung. Auch Fitch und Moody's berücksichtigen bereits die Emittentenbonität bei der Bewertung von Covered Bonds.
Die Marktteilnehmer warteten sehr gespannt auf das Ergebnis der Überarbeitung von S&P, da sich im Extremfall - ausgelöst durch etliche Herabstufungen - deutlich negative Konsequenzen für das Segment der gedeckten Bankanleihen ergeben könnten, schreibt DZ-Bank-Analyst Sebastian Sachs. Zweifel an der Ausfallsicherheit von Covered Bonds haben auch die Schieflagen einiger Pfandbrief-Emittenten hervorgerufen.
Hier ist die vom Staat aufgefangene Hypo Real Estate an erster Stelle zu nennen. Das Münchener Institut zählt mit einem Pfandbrief-Umlauf von 45 Milliarden Euro zu den wichtigsten Emittenten. Größte Pfandbriefbank ist die Eurohypo mit einem Umlauf von 132 Milliarden Euro. Die Commerzbank muss ihre Tochtergesellschaft aufgrund von EU-Auflagen im Zuge der Staatshilfen innerhalb von fünf Jahren verkaufen. Dass sich das Pfandbriefvolumen der Eurohypo so stark aufgebläht hat, liegt auch an der Integration der Essen Hyp. Das Institut war durch Zinswetten in eine Schieflage geraten und musste deshalb von der Commerzbank vollständig übernommen werden.
Auch EZB kann nicht zufrieden sein
In seiner Ende März veröffentlichten Stellungnahme kritisierte der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP), dass S&P bei ihrem Methodenwechsel das Sicherheitsnetz des deutschen Pfandbriefs zu wenig berücksichtige. Der Vorschlag vernachlässige die starke systemische Unterstützung. Deshalb sollte diese stärker in die Methodologie einbezogen werden. Zudem forderte der VDP eine flexiblere Gestaltung der Verknüpfung des Pfandbrief- mit dem Emittentenrating.
Eine Herabstufungswelle aufgrund neuer S&P-Bewertungsmethoden wäre auch der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht willkommen. Die Notenbank hat im Juli ihr Ankaufprogramm für Covered Bonds über insgesamt 60 Milliarden Euro begonnen. Damit will sie den europäischen Finanzmarkt stabilisieren. Aktuell hat die Notenbank gedeckte Bankanleihen über 2,9 Milliarden Euro gekauft.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |