29.06.2009 · Die Europäische Zentralbank wird am Donnerstag Details zum Ankauf von Pfandbriefen veröffentlichen. Kurz darauf dürften die nationalen Notenbanken im größeren Stil mit dem Erwerb beginnen. Die Bundesbank deckt sich schon jetzt ein.
Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist das im Juli beginnende Kaufprogramm für Pfandbriefe und andere gedeckte Bankenanleihen ein echtes Novum. Noch nie hat sie den Kauf von Bankenanleihen als Mittel der Geldpolitik eingesetzt. Und auch die emittierenden Banken und Investoren warten mit Spannung auf die nächste Pressekonferenz des EZB-Rates, der am Donnerstag in Luxemburg die Details zum 60 Milliarden Euro teuren Kaufprogramm veröffentlichen wird.
Dass Notenbanken überhaupt Pfandbriefe und ihre Verwandten Covered Bonds kaufen - beides sind mit Krediten besicherte Anleihen der Geschäftsbanken - ist nicht neu.
Bundesbank seit Wochen auffallend aktiv
Seit Jahren verkauften die deutschen Pfandbriefbanken ihre Emissionen im größeren Umfang an asiatische Notenbanken, die so einen Teil ihrer Devisenreserven anlegen. Bei manchen Emissionen seien mehr als 10 Prozent des Betrages an ausländische Notenbanken gegangen, sagte kürzlich Henning Rasche, Präsident des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken. Der Anteil am gesamten ausstehenden Volumen des Pfandbriefmarkts sei allerdings deutlich geringer.
Es sind nicht nur die ausländischen Zentralbanken, die sich regelmäßig mit Pfandbriefen eindecken. Auch die Bundesbank und andere Notenbanken des Euro-Raums tun das. Bisher allerdings nur in geringem Umfang, um die erwirtschafteten Gewinne so lange anzulegen, bis sie an den Staat ausgeschüttet werden. Naturgemäß sind die Summen also viel geringer als beim bevorstehenden Kaufprogramm der EZB, das darauf zielt, die langfristigen Zinsen direkt zu beeinflussen. Zuletzt soll die Bundesbank auffällig aktiv gewesen sein, berichten Händler. Seit zwei bis drei Wochen kaufe sie im größeren Stil und nehme auch als Käufer an Neuemissionen teil. Die Bundesbank habe dabei bis zu 100 Millionen Euro für einzelne Emissionen ausgegeben. Ein Sprecher der Bundesbank wollte das nicht kommentieren. Im Umfeld der Bundesbank werden die Käufe allerdings bestätigt, wenngleich die kolportierten Summen als zu hoch bezeichnet werden.
Mit großer Spannung warten nun die Investoren auf den Beginn des Kaufprogramms der EZB. Vorab haben sie schon profitiert, weil sich seit der Ankündigung des Programms vor zwei Monaten die Risikoprämien spürbar verringert haben, in der Größenordnung von mehr als 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten. Die ersten Käufe durch die Notenbanken werden frühestens für Freitag oder Montag erwartet.
Unklarheit über Laufzeiten
Unklar ist noch, welche Laufzeiten die Notenbanken kaufen werden. Eine Äußerung des Gouverneurs der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny sorgte in der vergangenen Woche für Verwirrung, als er sagte, das Kaufprogramm ziele auf Pfandbriefe und andere Covered Bonds mit Laufzeiten von bis zu 5 Jahren. Aus dem Umfeld der Bundesbank ist nun jedoch zu hören, das dies unwahrscheinlich sei. Denn dann gehe das Programm an großen Teilen des Pfandbriefmarkts vorbei. Viele deutsche Pfandbriefe wurden vor der Krise mit Laufzeiten von zehn Jahren begeben. Diese Anleihen haben heute noch Restlaufzeiten von sieben bis acht Jahren. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat für das Kaufprogramm Laufzeiten von drei bis zehn Jahren in Aussicht gestellt.
Für die Aufteilung des Kaufprogramms wird erwartet, dass die Summe von 60 Milliarden proportional zur Größe auf die nationalen Notenbanken verteilt wird. Die Bundesbank hätte dann ein Budget von knapp 20 Milliarden Euro. Dem Vernehmen nach soll die EZB ein eigenes Kontingent erhalten. Dafür seien 8 Milliarden Euro im Gespräch. Das Geld kann im Laufe des nächsten Jahres in Covered Bonds investiert werden.
Der Anleihekauf wird die Geldbasis erhöhen. EZB-Präsident Trichet hat zwar gesagt, das Pfandbrief-Programm werde „automatisch sterilisiert“. Doch damit verweist er offenbar nur darauf, dass die EZB bei ihren laufenden Ausleihungen den Banken ohnehin jede gewünschte Summe zum Leitzins zuteilt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.496,18 | +0,07% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3260 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 118,26 $ | +0,31% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,10 € | −0,38% |