27.04.2011 · Zweijährige griechische Anleihen bringen 25 Prozent. Einen neuen Rekordstand erreichte auch der Preis für Kreditausfallderivate auf hellenische Staatsanleihen. Die meisten Aktienmärkte und der Devisenmarkt zeigen sich jedoch wenig beeindruckt.
Von Gerald BraunbergerDie Renditen der Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie sind auch zur Wochenmitte weiter gestiegen. Die Rendite zweijähriger griechischer Papiere legte um 160 Basispunkte auf 25,59 Prozent in der Spitze zu, während die zehnjährige Anleihe eine um 98 Basispunkte höhere Rendite von 16,31 Prozent auswies. Auch der Preis für Kreditausfallderivate (CDS) auf hellenische Staatsanleihen erreichte einen neuen Rekordstand.
Die nicht abreißenden Spekulationen über eine Umschuldung Griechenlands animieren Anleger nach wie vor zu Verkäufen von Staatspapieren trotz ablehnender Reaktionen aus der Politik. Athanasios Orphanides, Präsident der Bank von Zypern und Mitglied des Zentralbankrats der Europäischen Zentralbank (EZB), bezeichnete eine Umschuldung Griechenlands in Nikosia als „sehr schlechte Idee“ und als „unnötig“. Die aktuellen Reaktionen der Marktteilnehmer seien von keiner großen Bedeutung, solange die griechische Regierung ihre Reformpolitik fortsetze. EU-Währungskommissar Olli Rehn bekräftigte, eine Umschuldung Griechenlands stehe nicht auf der Tagesordnung.
Der Sog steigender Renditen ergriff auch andere Peripheriestaaten. Die Rendite zweijähriger portugiesischer Papiere stieg um 19 Basispunkte auf 11,87 Prozent, den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Die Rendite der portugiesischen Zehnjährigen legte um 10 Basispunkte auf 9,71 Prozent zu, während für die irische Zehnjährige eine um 20 Basispunkte höhere Rendite von 10,66 Prozent registriert wurde.
Lebhafte Nachfrage
Portugal hat nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg zuletzt einen ungewöhnlich hohen Teil seiner Staatsverschuldung durch die Ausgabe kurzfristiger Geldmarktpapiere aufgebaut. In den Jahren 2011 und 2012 werden Geldmarktpapiere über rund 15 Milliarden Euro fällig. Insgesamt beläuft sich der Betrag der ausstehenden Geldmarktpapiere auf mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist ein im Vergleich zu anderen Ländern aus dem Euroraum sehr hoher Anteil.
Die Rendite spanischer zehnjähriger Papiere blieb mit 5,48 Prozent dagegen unverändert. Das Königreich hatte am Dienstag kurzfristige Geldmarktpapiere über 2 Milliarden Euro versteigert. Die Nachfrage war lebhaft, allerdings musste Spanien eine um 50 Basispunkte höhere Rendite bieten als bei der vorangegangenen Versteigerung.
Langsamer Rückgang des Außenhandelsdefizits
Trotzdem gelangt der Chef-Währungsstratege von Goldman Sachs, Thomas Stolper, in einer Mitteilung an Kunden der Bank zu dem Schluss, nicht zuletzt die Fortschritte Spaniens in der Finanzpolitik und in der Bankenkonsolidierung seien ein Grund, am Devisenmarkt Euro gegen Dollar zu kaufen. Die Schwierigkeiten von Ländern wie Griechenland und Portugal würden mehr als aufgewogen durch den Eindruck, dass Spanien, Italien und Belgien keine Krisenfälle würden, sagte Stolper, während der Dollar unter anderem wegen eines langsameren Rückgangs des Außenhandelsdefizits als erwartet weiterhin zur Schwäche neige.
Der Devisenmarkt reagierte am Mittwoch nicht auf die steigenden Anleiherenditen in der europäischen Peripherie. Der Euro gewann leicht auf 1,4665 Dollar an Wert. Auch die meisten Aktienmärkte zeigten sich wenig beeindruckt. Der Dax stieg zeitweise um ein Prozent auf knapp 7430 Punkte und lag damit nahe seinem Jahreshoch aus dem Februar von 7442 Punkten. An der Börse in Athen sank der ASE-Index hingegen um rund 2,5 Prozent auf knapp 1400 Punkte und damit wieder auf seinen Stand vom Jahresanfang. In der Zwischenzeit hatte der Index vorübergehend um mehr als 20 Prozent zugelegt. In Lissabon verbesserte sich der PSI-Aktienindex nach einem vorangegangenen Rückschlag zur Wochenmitte um rund 5 Prozent. Damit liegt der Index ebenfalls wieder in etwa auf seinem Stand von Anfang Januar, nachdem er in der Zwischenzeit um nahezu 10 Prozent gestiegen war.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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