Die Krise der hoch verschuldeten Industriestaaten Europas zieht auch am Mittwoch immer weitere Kreise. Während weiterhin darüber gestritten wird, wie sich die griechischen Staatsschulden restrukturieren ohne offiziell den Status der Insolvenz auszulösen, müssen die portugiesischen Staatsanleihen massive Kursverluste hinnehmen.
Die Märkte reagieren damit auf die Tatsache, dass die Ratingagentur Moody's Investors Service die Bonitätsnote von Portugal am späten Dienstag um gleich vier Stufen auf „Ramsch“ herabgestuft hatte.
Ratings werden willkürlich und zu spät angepasst
Der Ausblick für das Rating sei sogar negativ, was weitere Herabstufungen in nächster Zeit möglich mache, ließ sie zudem verlauten.. Zur Begründung erklärten die Analysten, dass Portugal womöglich Griechenlands folgen und eine zweite Rettungsaktion benötigen könnte.
Dieses Vorgehen wird stark kritisiert und zeigt im Kern, wie falsch die Agentur mit ihren früheren Einschätzungen gelegen hat. Das ändert jedoch nichts daran, dass Anleger darauf reagieren und Staatsanleihen des Landes panisch verkaufen, während sie sich gleichzeitig gegen weitere Risiken absichern. Die Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und mit einem Kupon von 3,85 Prozent verlieren im Tagesverlauf bis zu 9,7 Prozent ihres Wertes und die Rendite erreicht mit 12,23 Prozent den höchsten Stand seit der Etablierung der europäischen Union.
Staatspapiere mit einer Laufzeit von zwei Jahren geben im Preis um bis zu 5,45 Prozent nach, während die Rendite auf etwas mehr als 15 Prozent gestiegen ist. Auch das ist der höchste Stand seit mehr als zehn Jahren. Dagegen sind die Versicherungsprämien, die für den Abschluss einer Art von Versicherung gegen Kreditereignisse in Portugal gezahlt werden müssen, auf mehr als 900 Basis- oder neun Prozentpunkte gestiegen. Portugal wird von diesem Markt als fast ebenso riskant bewertet wie Venezuela. Die verlangte Prämie liegt sogar deutlich über jener, die für eine Versicherung argentinischer Staatsschulden bezahlt werden muss.
Risiken in den Vereinigten Staaten werden weiterhin ignoriert
Die Herabstufung sei zum Teil auf „das wachsende Risiko zurückzuführen, dass Portugal eine zweite Finanzierungs-Runde benötigen wird, bevor das Land wieder an den privaten Markt zurückkehren“ könne, hieß es in der Stellungnahme von Moody's. Zudem werde es immer wahrscheinlicher, dass die Beteiligung privater Investoren als Vorbedingung verlangt werden könnte. Die Analysten verwiesen dabei auf den neuen Rettungsplan für Griechenland, der ähnliches vorsieht. Ein weiterer Grund für die Herabstufung bestand Moody's zufolge darin, dass es Portugal unter Umständen nicht gelingen könnte, seine Defizitziele zu erreichen.
Solche Aktionen und Meldungen verleiten Anleger weltweit zur weiteren Fokussierung auf die polit-, finanz- und wirtschaftsstrukturellen Probleme Europas, während vergleichbare Schuldenrisiken chinesischer Provinzen oder der Vereinigten Staaten weitgehend ausgeblendet werden. Die Vereinigten Staaten drohen in den kommenden Tagen sogar in die formale Insolvenz zu geraten, wenn Verhandlungen zur Erhöhung der offiziellen Verschuldungsgrenze scheitern sollten.
Faktisch ist sie längst überschritten worden, indem die amerikanische Zentralbank unter der Hand und einmal mehr unter dem Radarschirm der „amerikablinden“ Ratingagenturen Verschuldungsmöglichkeiten eingerichtet hat, die die Möglichkeit eröffnet, die ohnehin nie wirklich wirksame gesetzliche Verschuldungsgrenze zu umgehen. Während verschiedene Bundesstaaten aus Geldmangel ihre Aktivitäten herunter gefahren haben, ist die amerikanische Zentralbank zu einer der risikoreichsten Hedgefonds der Welt verkommen. Bei einem Leverage von 51 zu eins und einer Duration von etwa sechs genügt ein geringer Renditeanstieg, um das Eigenkapital auszulöschen.