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Öl Volkswirte sehen Druck auf Aktien durch Ölpreis

 ·  Der Ölpreis steigt und steigt. Bleibt er noch lange so hoch, wird er zu einem echten Problem für die Wirtschaft. Für die Börse wäre das kein gutes Signal. Analysten sind langfristig aber eher noch gelassen.

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Rohöl ist derzeit so teuer wie in der Zeit des Golfkriegs 1990/91. Und der Preis für das 159 Liter messende Fass (Barrell) tendiert unabhängig von der Sorte weiter nach oben. Öl der marktführenden Sorte Brent kostete mit 33,70 US-Dollar am Donnerstag zeitweise so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr; der Preis für leichtes US-Öl kletterte sogar auf den höchsten Stand seit dem Golfkrieg 1991.

Dies spürt nicht nur die Industrie, bei der Öl das Schmiermittel darstellt und entsprechend die Kosten wie die Ertragslage beeinflusst. Auch die Verbraucher merken den Preisauftrieb - vor allem an der Tankstelle.

So manch einer lässt die Euro und Cent an der Zapfsäule, die ihm beim Besuch von Gaststätten und Kinos oder beim Einkaufen fehlen. Die Folge: Den ohnehin gebeutelten Einzelhändlern und Gastronomen gehen möglichen Umsätze verloren. Gleichzeitig sorgen die höheren Kosten für Öl und Gas für einen Preisauftrieb. Dabei gehen Volkswirte von einem weiterhin festen Ölpreis in den kommenden Wochen aus; Entspannung erwarten sie erst, wenn es um den Irak ruhiger geht. Dramatische Folgen für die Konjunktur sowie die Aktien- und Rentenmärkte sehen sie indes (noch) nicht, wie eine Umfrage von FAZ.NET ergeben hat.

Außer Irak-Krieg auch Streiks und harter Winter preistreibend

Die Ursache für den weiter steigenden Ölpreis sehen Volkswirte nicht allein in der Irak-Krise. Der Streik in Venezuela und jetzt in Nigeria, der harte Winter an der Ostküste der Vereinigten Staaten und in Deutschland sowie der Ausfall von Kernkraftwerken in Japan hätten sich ebenfalls spürbar ausgewirkt, meinen Manfred Horn, Rohstoffexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, und Hans-Dieter Karl vom Ifo-Institut übereinstimmend.

Der Generalstreik in Venezuela und der damit verbundene Produktionsausfall in der dortigen Ölindustrie sei der wesentliche Grund für den relativen Mangel an Lageröl in den Vereinigten Staaten, wo die Vorräte lediglich zwei Milliarden Barrell über der als Minimum eingeschätzten Menge liegen, die Raffinerien für ihren Betrieb benötigen. Infolgedessen hätten sich die Amerikaner verstärkt auf dem europäischen Markt eingedeckt und für weiteren Preisdruck gesorgt. Diese Reaktion habe im übrigen zeitversetzt eingesetzt.

Höhere Kosten - weniger Investitionen

Für die Unternehmen und Verbraucher sei diese Entwicklung grundsätzlich ungünstig. „Ein hoher Ölpreis ist Gift für die Konjunktur, das hat sich in der Vergangenheit oft gezeigt“, hebt Karl hervor. Denn nicht nur, aber vor allem die Unternehmen der chemischen Industrie, in der Öl als Rohstoff diene, müssten mit höheren Kosten zurechtkommen.

Dadurch drohe sich die Ertragslage zu verschlechtern, weil gestiegene Kosten nicht unbedingt über höhere Preise auf Kunden abgewälzt werden könnten. Auch fehle Unternehmen das Geld für Investitionen, was wiederum andere Firmen zu spüren bekämen.

Im Sommer könnte Öl wieder billiger sein

„Die jüngsten Daten zu den Vorräten sind Furcht erregend", sagt Paul Horsnell, Ölanalyst bei JP Morgan. Es fehle nicht mehr viel, bis der Preis 40 Dollar erreiche. Die Volkswirte von DIW und Ifo gehen auch von einem festen Ölpreis zumindest im zweiten Vierteljahr 2003 aus. Mittelfristig dürfte er aber wieder sinken. Karl rechnet mit einem Preis zwischen 25 und 20 US-Dollar, der im dritten Quartal erreicht werden könnte; die Opec habe eine Marge von 22 bis 28 Dollar. Aus seiner Sicht könne die Opec kein Interesse an einem Öl-Schock mit einer entsprechend niedrigeren Nachfrage haben, weil die ihr angehörenden Staaten die Einnahmen aus dem Petrolgeschäft bräuchten.

Überdies sei eine nachhaltige erhebliche Verknappung auf dem Ölmarkt aus weiteren Gründen unwahrscheinlich: Außer in Amerika seien die Lager gut gefüllt. Die von Irak geförderte und vertriebene Menge von 2,4 Millionen Barrell am Tag entspreche dem Wert, um den der Verbrauch infolge des aufziehenden Frühjahrs in Europa und Amerika abnehmen dürfte: „Im zweiten Quartal ist der Verbrauch immer schwächer als im ersten.“ Zudem könne sie kompensiert werden - so fahre Venezuela als wichtiger Lieferant der Vereinigten Staaten die Produktion wieder hoch.

Ölpreis von 100 US-Dollar je Fass eine „Horrorvision“

Das derzeitige Preisniveau sei vor allem der Nervosität an den Finanz- und Rohstoffmärkten geschuldet - da sind sich Karl und Horn mit den Analysten von CB Economic Research einig. Die Unsicherheit führe zur Aufstockung der Lagerbestände und damit zu einem anhaltenden Preisdruck.

Szenarien mit einem Ölpreis von bis zu 100 US-Dollar infolge eines Irakkriegs hält Horn im übrigen für eine „Horrorvision“ - und für abwegig. Ein solcher, die Wirtschaft extrem treffender Preis wäre aus seiner Sicht höchstens dann möglich, falls Saudi-Arabien als Lieferant ausfiele. Davon abgesehen kommt den Menschen in der Europäischen Union die Stärke des Euro zugute, die den Anstieg des in US-Dollar veranschlagten Ölpreises dämpft, wie Karl zu bedenken gibt.

Ohne Entspannung weiter Druck auf viele Aktien

Die Erwartung eines mittelfristig wieder sinkenden Ölpreises sei auch der Grund, warum Aktien von Ölunternehmen in der Regel nicht so stark im Wert gestiegen seien, wie sich der Rohstoff verteuert habe, meinen die Volkswirte. Anleger gingen offenbar davon aus, dass die Gewinne der Ölunternehmen nicht lange vom Preisauftrieb profitieren könnten. Und wenn der Ölpreis falle, nehme zudem der Inflationsdruck ab. Bis es soweit sei, dürften jedoch Aktien von Unternehmen, die von der Verteuerung besonders betroffen seien, unter Druck bleiben, so Karl.

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