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Notenbanken Ende der ultralockeren Geldpolitik?

Die Opposition gegen die lockere Geldpolitik in den Reihen der amerikanischen Notenbank wird immer lauter. Der Ausstieg aus der Krisenpolitik beginnt. Es ist die kritischste Phase überhaupt.

© REUTERS Vergrößern Zoff hinter Notenbankmauern?

Ein gewaltiger Schrecken fuhr den Akteuren an den Finanzmärkten am Mittwochabend in die Glieder, offenbarte das an diesem Tag veröffentlichte Sitzungsprotokoll der amerikanischen Notenbank Gegensätze innerhalb des für die Geldpolitik verantwortlichen Komitees über die Wirksamkeit und Fortsetzung der derzeitigen Strategie.

Mehrere Mitglieder des sogenannten „Open Market Committee„ vertraten die Ansicht, dass das Programm zum Kauf von Anleihen aus Kosten- oder Effizienzgründen zurückgefahren oder gar eingestellt werden sollte, noch bevor die bisher postulierten Ziele erreicht seien. Ursprünglich hatte sich die Fed festgelegt, die geldpolitische Strategie der absoluten Lockerung fortzusetzen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

Wirtschaft noch nicht bereit

Davon ist das Land aber noch weit entfernt. Im Januar hatte die Quote noch 7,9 Prozent betragen, was deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 60 Jahre von 6 Prozent liegt. Die Wirtschaft war im vierten Quartal aufs Jahr hochgerechnet überraschend um 0,1 Prozent geschrumpft, was Sorgen über die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft genährt hatte.

Unter diesen Umständen ist der Schrecken verständlich, befürchten die Finanzmärkte doch, die Notenbank könne zu früh vom Gas gehen und damit die mühsam rollende Wirtschaft Amerikas wieder zum Stehen bringen. Indes waren die Reaktionen nicht einheitlich. Manche Beobachter sahen sogar keine Neuigkeit. Denn Opposition gibt es schon länger in den Reihen der Notenbank.

Hoffnung auf Theaterdonner

Die Sorgen der Notenbank gelten einem möglichen Ansteigen der Inflationsrate, vor allem aber der Ausbildung von Blasen auf dem Finanzmarkt. Dessen Reaktion scheint die Befürchtungen zu bestätigen, offenbart sie doch eine Abhängigkeit der Marktstimmung von der Geldpolitik. Der amerikanische Aktien-Leitindex Dow Jones fiel am Mittwoch um 0,8 Prozent, die asiatischen Märkte folgten auf dem Fuß und auch der FAZ-Index zeigt einen Kursrückgang an.

Allerdings fallen die Kurse nur langsam. Das reflektiert die Hoffnung, dass alles doch nicht so kommen und die Fed ihre Politik noch längere Zeit fortsetzen wird. Die Uneinigkeit der Notenbanker ist tatsächlich nicht neu, nimmt aber anscheinend zu. In der Bank of England etwa gebe es derzeit einen tiefen Riss, schreibt Geoffrey Yu, Devisenstratege der UBS.

Die letzte Phase der Krise rückt näher

Was sich letztlich zeigt, ist dass die letzte Phase der Finanzkrise näher rückt: der Ausstieg aus der Krisenpolitik. Das ist die kritischste Phase überhaupt.

Ein Ausstieg muss kommen. Zwar hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass die Geldpolitik weniger wirksam ist als gewünscht, weil die private Kreditvergabe weniger stark steigt als erhofft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Schuldenpolitik der vergangenen Jahrzehnte sich nun rächt und Amerikas Politik sich überfordert zeigt, eine strategische Lösung zu finden.

Derzeit fließt ein Großteil des Notenbankgeldes in die Finanzierung des Budgetdefizits. Auf Umwegen kommt dies zwar auch der Wirtschaft zugute, doch wirkt sie kaum expansiv, da ein Großteil des Geldes der Begleichung von Altschulden dient, die im übrigen zunehmend wieder von der Notenbank gehalten werden. Damit dienen die Notenbankkredite zum Teil ausschließlich der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit.

Gleichzeitig fließen viele private Mittel in Staatsanleihen. Diese sind sicher, da die Notenbank ja das Defizit finanziert. Dagegen sind Kredite für Unternehmen und Verbraucher angesichts der schwachen Erholung und der Arbeitslosigkeit riskanter. Das dämpft die Kreditvergabe ebenso wie die Anforderung an die Banken, diese durch mehr Eigenkapital zu unterlegen. Während also die Wirtschaft weiter schwächelt, wird der Anleihenmarkt spekulativ überhitzt. Insgesamt droht die Schwäche damit notorisch zu werden und Amerika in das Japan ähnliche Szenario hineinzulaufen, das Notenbankpräsident Bernanke so unbedingt vermeiden möchte.

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