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Niedrigzinsen und Inflation : Sparer in großer Not

Wer sein Geld ins Sparschwein wirft, verliert dadurch an Kaufkraft. Bild: Rüchel, Dieter

Zinsen bekommen wir schon lange nicht mehr. Jetzt wird auch noch alles teurer. Das ist Gift für die Sparer. Wie lässt sich der Lebensstandard trotzdem halten?

          Nur mühsam gewöhnt sich der deutsche Sparer an das Leben ohne Zins. Und nur langsam verabschiedet er sich von alten Gewissheiten und alten Gewohnheiten bei der Geldanlage. Dass sich Geduld auszahlt, weil es ordentlich Zinsen aufs Ersparte gibt, gilt in Zeiten von lockerer Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und damit einhergehend niedriger Zinsen längst nicht mehr.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hinzu kommt, dass die Banken ihren Kunden immer mehr Gebühren und vereinzelt sogar schon Negativzinsen auf Spareinlagen abverlangen, weil sie selbst unter der Niedrigzinsphase leiden und weniger Geld verdienen. Während der deutsche Sparer nun also wohl oder übel gerade dabei ist, sich den neuen Gegebenheiten in der zinslosen Welt anzupassen, sieht er sich schon der nächsten Herausforderung ausgesetzt: Jetzt steigen auch noch die Preise. Oder, um es so bedrohlich auszudrücken wie die Frankfurter Privatbank Metzler: „Das Inflationsgespenst greift um sich.“

          Die Inflation zieht wieder an

          Was soll an der Geldentwertung gespenstisch sein, solange sie sich im Rahmen hält, mag man sich bei der EZB fragen. Schließlich ist es erklärtes Ziel der Zentralbank, die Teuerungsrate im Euroraum „unter, aber nahe zwei Prozent“ zu hieven. Von diesem Zielwert ist die Währungsunion zwar noch ein ganzes Stück entfernt, die Inflationsrate lag im Oktober nach bisherigen Berechnungen bei 0,5 Prozent. Doch mit einiger Genugtuung haben EZB-Chef Mario Draghi und Konsorten jüngst verkündet, dass sich die Wirtschaft moderat erhole und die Teuerungsrate „allmählich anzieht“.

          Bild: F.A.Z.

          Dabei war die Inflation schon von vielen totgesagt. Manche Ökonomen wie der Amerikaner Larry Summers verweisen auf eine „säkulare Stagnation“, wonach das Wachstum und damit auch die Inflation langfristig auf niedrigem Niveau verharren. Andere, darunter die EZB, beschworen lieber die Gefahr einer Deflation, also eines zurückgehenden Preisniveaus, und einer folgenden Depression.

          Deutschland ist ein spezieller Fall, sozusagen der Musterknabe in der Euro-Familie: Die Konjunktur läuft gut, die Zahl der Erwerbstätigen ist hoch, die Inflation lag im Oktober nach bisherigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 0,8 Prozent und damit spürbar über dem Durchschnitt der Eurozone. Dass die Wirtschaft hierzulande wohl noch eine ganze Weile überdurchschnittlich wächst, hört sich gut an, hat aber auch Schattenseiten.

          Niedrigzinsen gut für Staaten, aber schlecht für Sparer

          Denn es ist davon auszugehen, dass die Zinsen in der Eurozone noch eine Zeitlang auf historisch niedrigem Niveau verharren werden. Das mag zunächst vorteilhaft sein für die hochverschuldeten Länder der Währungsunion, die dadurch weniger Druck haben, um dringend nötige Reformen endlich anzugehen. Das ist aber angesichts ansteigender Inflation schlecht für deutsche Sparer: Sie müssen sich mit verschwindend kleinen Zinsen begnügen, aber zugleich immer mehr Geld für Güter und Dienstleistungen bezahlen. „Die Eurozone ist immer noch weit entfernt von einer Rückkehr zu irgendeiner Art von wirtschaftlichem Gleichgewicht“, sagt James Ashley, Kapitalmarktexperte bei Goldman Sachs Asset Management. Man kann es auch so ausdrücken: Die Deutschen trifft es am stärksten.

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