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Nachranganleihen Zinsausfall bei Depfa-Anleihe lässt Gläubiger zittern

03.03.2009 ·  Erstmals zahlt die Hypo Real Estate Zinsen auf eine Nachranganleihe ihrer Tochter Depfa nicht. Damit folgt sie der Dresdner Bank, die ihre Genussscheininhaber am Verlust teilhaben lassen wird. Weitere Ausfälle bei nachrangigen Instrumenten könnten folgen.

Von Martin Hock
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Lange war es befürchtet worden, nun scheint es Schlag auf Schlag zu gehen: Die zur Hypo Real Estate (HRE) gehörende Depfa Bank wird den nächsten Kupon einer nachrangigen Anleihe ihrer Finanzierungszweckgesellschaft Depfa Funding IV (Isin XS0291655727) mit einem Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro zum nächsten Ausschüttungstermin am 21. März nicht bedienen.

Ende der vergangenen Woche hatte schon die Dresdner Bank angekündigt, die Inhaber von Genussscheinen und Hybridkapital am Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro im Jahr 2008 zu beteiligen, da selbst nach der vollständigen Auflösung von Rücklagen die noch einen Bilanzverlust in dreistelliger Millionenhöhe bleibt.

Dem Eigenkapital ähnlich - auch in der Krise

Damit müssen die Genussscheininhaber auf Zinsen und im Zweifel sogar auf einen Teil ihres eingezahlten Geldes verzichten, haben aber bis zum Laufzeitende die Chance auf eine Wiederauffüllung, falls sich die Ertragslage der Bank verbessert.

Betroffen sind hybride Anleihen im Nominalvolumen von 1,75 Milliarden Euro, die größtenteils bei institutionellen Investoren liegen, ebenso wie die sogenannten „Preferred Securities“ der Depfa, die jetzt nicht bedient werden. Bei dieser handelt es sich um eine spezielle Form der sogenannten Tier-1-Instrumente, eigenkapitalähnliche, nachrangige Unternehmensanleihen mit unbefristeter Laufzeit.

Diese werden zur Berechnung der für Banken wichtigen Kernkapitalquote herangezogen. Dies ist aber nur möglich, wenn sie im Krisenfall in irgendeiner Form für die Verluste der Bank haften, da sie ansonsten keinen eigenkapitalähnlichen Charakter hätten. Die Bedingungen für Zinszahlungen solcher Papiere werden bei der Emission festgelegt.

Weitere Zahlungsausfälle nicht ausgeschlossen

Die Zahlung der Zinsen für die genannte Anleihe liege in diesem Fall im Ermessen der Bank, hieß es von der HRE. Davon habe das Unternehmen aufgrund der aktuellen Situation Gebrauch gemacht. Immerhin werden die HRE und ihre Tochter Depfa nur noch mittels des staatlichen Rettungspakets in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro am Leben gehalten.

Über die Bedienung sonstiger nachrangiger Anleihen der Depfa werde noch entschieden, teilte die HRE am Dienstag mit. Einen Zeitpunkt konnte ein Unternehmenssprecher der HRE auf Anfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires nicht nennen. Ziel sei, den Markt „zeitgerecht“ zu informieren.

Generell resultiert der Zinsaufschlag für nachrangige Anleihen aus der Tatsache, dass sie im Insolvenzfall erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld bekommen haben.

Erschütterungen im Marktsegment

Mit dieser Aussetzung der Zahlung würden nun auch die Gläubiger an den Rettungskosten der HRE beteiligt, sagte ein Analyst. Angesichts der milliardenschweren Staatshilfen sei das eine negative Botschaft. „Das ganze Ausmaß dieser Nachricht lässt sich noch nicht erfassen“, betonte ein Börsianer. „Es könnte das Vertrauen in das gesamte Marktsegment erschüttern.“

Das scheint angesichts der noch unklaren Höhe der Verluste für Dresdner-Bank-Gläubiger und der desolaten Situation der Hypo Real Estate wie auch der Tochter Depfa scheint diese Analyse durchaus treffend. Indes dürften die Anleger Unterschiede machen, so wie sie es auch im Aktienhandel tun.

Das tun sie auch schon längst. Der Kurs der betreffenden Depfa-Anleihe war bereits im Oktober auf 12,5 Prozent abgestürzt. Genussscheine der Hypo Real Estate werden in der Regel zu weniger als 20 Prozent des Nominalwerts gehandelt, wenn sie denn überhaupt noch gehandelt werden.

Ausschlaggebend sind die Details im Prospekt

Differenzierter sieht die Situation bei den Nachranganleihen aus: Während die 2023 fällige, mit 8,06 Prozent verzinste Inhaberschuldverschreibung zuletzt zu knapp 88 Prozent gehandelt wurde, ist der Kurs der 2021 fälligen Anleihe mit einem Kupon von 4,56 Prozent auf unter 20 Prozent eingebrochen.

Wichtig für Anleger ist stets der Prospekt. Denn nur dieser gibt Aufschluss darüber, unter welchen konkreten Bedingungen der Emittent Zinszahlungen auf eine Nachranganleihe leisten wird oder gar darf. Oft ist die Zahlung einer Dividende im Vorjahr oder zumindest das Erreichen eines Jahresgewinns Voraussetzung für eine Ausschüttung.

Mit zu berücksichtigen ist dabei auch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines solchen Falls, der beispielsweise für Depfa oder Dresdner ungleich höher war oder ist, als dies etwa für die Deutsche Bank der Fall sein mag.

Die meisten Banken wollen zahlen

Commerzbank und Postbank erklärten jüngst, die hybriden Instrumente voll zu bedienen, eine Verlustteilnahme gebe es nicht. Dies ist aber zunächst eine Absichtserklärung. Die Commerzbank wies 2008 einen operativen Fehlbetrag von 378 Millionen Euro aus. Bei der Postbank stand ein Vorsteuerverlust von fast einer Milliarde Euro zu Buche.

Sollten sich die Marktverhältnisse so entwickeln, dass weitere Verluste anfallen, kein Bilanzgewinn mehr zu Buche steht und die Rücklagen alle aufgelöst werden müssen, könnte den Banken nichts anderes übrig bleiben als das Hybrid- und Genusskapital, wenn nicht staatliche Hilfen zur Leistung von Ausschüttungen genutzt werden. Wie sich die Situation entwickelt, weiß aber derzeit einfach niemand zu sagen und somit bleibt das Restrisiko allen Absichtserklärungen zum Trotz.

Politische Unsicherheiten

Auch die Haltung der EU-Kommission ist ein maßgeblicher Faktor. Diese hat im Dezember die Hilfen an die Bayern LB nur unter der Voraussetzung genehmigt, dass Hybridkapitalgeber leer ausgehen, sofern die Bayern LB vertraglich nicht zur Bedienung des Kapitals verpflichtet ist.

Und im Fall der HSH Nordbank sehen die Landespolitiker eher mit Missfallen auf die Pläne der Bank, trotz 3 Milliarden Euro Eigenkapitalhilfe und 10 Milliarden Euro Bürgschaften an Genussscheininhaber rund 200 Millionen Euro und an stille Teilhaber 64 Millionen Euro auszuschütten.

Commerzbank mit schweren Lasten

Besonders die Commerzbank steht vor Unwägbarkeiten für ihre zukünftige Entwicklung, vor allem weil sie den Klotz Dresdner Bank am Bein hat. Jahrelang hatte diese der Allianz das Leben schwer gemacht, die an der Sanierungsaufgabe scheiterte. Bis die Commerzbank die Früchte der Übernahme ernten könne, müsse sie noch langen Atem beweisen, meint der Kölner Ökonom Thomas Hartmann-Wendels. Zudem habe sie mit der Eurohypo ein zweites schwaches Standbein.

Eine akute Gefährdung ist derzeit nicht absehbar, auch wenn nach der Rating-Agentur Standard & Poor's am Montag auch Moody's das Finanzstärke-Rating der zweitgrößten deutschen Bank am Montag um eine Stufe auf „C-“ von „C“ senkte. Weitere Herabstufung sind wahrscheinlich. Das Rating der Dresdner Bank stufte Moody's drastisch auf „E+“ von „C-“ herab. Die Eurohypo bewerten die Experten künftig nur noch mit „D“ statt bisher mit „C“.

Kapitalmarktfähigkeit erhalten

Das Bemühen der Banken, ihr Nachrangkapital zu bedienen, resultiert daraus, dass dies nötig ist, um weiterhin einen Zugang zu diesem Kapitalmarkt zu haben, sagte Siegfried Jaschinski, Vorstandsvorsitzender der LBBW. Dieses Spannungsfeld macht Hybridkapital derzeit noch riskanter als es per se ist. Aufgrund der geringen Liquidität der Märkte bleibt den Gläubigern derzeit zumeist nur die Wahl sich mit hohen Verlusten von ihren Papieren zu trennen oder aber zu hoffen, dass die Verluste nicht allzu drastisch ausfallen.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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