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Nach monatelanger Zurückhaltung : Europäische Banken bekommen wieder Dollar

Gemeinsam mit anderen Zentralbanken hatte die EZB Devisentauschgeschäfte vereinbart, damit sich europäische und japanische Banken unbegrenzt Dollar von ihren Notenbanken leihen können Bild: dpa

Amerikanische Geldmarktfonds kaufen wieder Zinspapiere aus dem Euroraum - vor allem französischer und spanischer Banken. Die Kosten für den Zugang zu Dollar fielen auf das niedrigste Niveau seit fünf Monaten.

          Amerikanische Geldmarktfonds werden wieder risikofreudiger und geben ihre monatelange Zurückhaltung gegenüber kurzfristigen Anleihen europäischer Banken auf. Nach einem Bericht der „Financial Times“, der sich auf Angaben aus Bankenkreisen stützt, haben die Fonds in der vergangenen Woche neu emittierte Papiere französischer und spanischer Banken gekauft. Genauere Angaben zum Volumen der Käufe wurden nicht gemacht.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Geldmarktfonds investieren in Staats- und Unternehmensanleihen mit geringer Restlaufzeit. Für europäische Banken sind die Fonds wichtig, weil sich die Kreditinstitute bei ihnen kurzfristig Dollar leihen. Die amerikanischen Fonds hatten ihre Geschäfte mit europäischen Banken in den vergangenen Monaten aber deutlich zurückgefahren, weil sie sich wegen der Euro-Krise um deren Kreditwürdigkeit sorgten. Fondsmanager befürchteten, dass die Kreditinstitute möglicherweise zu stark bei ausfallgefährdeten Staatsanleihen engagiert sein könnten.

          Unbegrenzt Dollar leihen

          Nach dem jüngsten Halbjahresbericht der Europäischen Zentralbank war das Volumen von Dollarkrediten amerikanischer Geldmarktfonds an europäische Banken von Mai bis November 2011 um knapp 40 Prozent auf rund 500 Milliarden Dollar gesunken. Die Schwierigkeiten der Banken bei der Aufnahme von Dollar hatten zu einer konzertierten Aktion internationaler Zentralbanken geführt. Im September hatte die amerikanische Fed mit der Europäischen Zentralbank, der Bank of England, der Schweizerischen Nationalbank und der Bank of Japan Devisentauschgeschäfte vereinbart, damit sich europäische und japanische Banken bis zum Frühjahr dieses Jahres unbegrenzt Dollar von ihren Notenbanken leihen können.

          Nach dem Zeitungsbericht haben amerikanische Geldmarktfonds, die insgesamt 2,7 Billionen Dollar verwalten, in der vergangenen Woche Anleihen französischer Banken mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Monat erworben. Dazu kamen kleinere Beträge spanischer Bankanleihen. Die Fonds sollen dazu auch festverzinsliche Papiere mit Laufzeiten von bis zu sechs Monaten erworben haben, die von britischen, niederländischen und skandinavischen Banken ausgegeben wurden. „Insbesondere Geldmarktfonds haben im neuen Jahr eine gestiegene Risikotoleranz gezeigt“, sagte Chris Conetta, der für die britischen Bank Barclays den Handel mit kurzfristigen Unternehmenspapieren leitet.

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          Das wachsende Vertrauen gegenüber europäischen Banken zeigt sich auch an den Bedingungen, zu denen in Geldmarkt für drei Monate Dollar-Kredite gegen Euro-Kredite getauscht werden. Die Kosten für den Zugang zu Dollar fielen in der vergangenen Woche auf das niedrigste Niveau seit fünf Monaten. Der Londoner Makler Icap begründete diese Entwicklung mit der guten Nachfrage bei den Auktionen von Anleihen hoch verschuldeter europäischer Länder.

          Europäische Fondsmanager hatten sich zuvor nicht so radikal von französischen und spanischen Zinstiteln abgewandt wie amerikanische. Dennoch stocken manche wieder vorsichtig auf. „Wir haben auch in den vergangenen Monaten weiterhin selektiv spanische und italienische Geldmarktpapiere gekauft, da diese zum Teil zu sehr günstigen Niveaus zu haben waren“, heißt es bei der Deka, der Fondsgesellschaft der deutschen Sparkassen. „Papiere von französischen Emittenten wurden ebenfalls erworben.“

          Nur einige Restbestände

          Auch in den Geldmarktfonds von Allianz Global Investors hatte zuvor kein Kehraus spanischer oder französischer Bankanleihen stattgefunden. Die Titel französischer Qualitätsbanken hätten die Fondsmanager immer als werthaltig angesehen, während sie kurzlaufende Anleihen der spanischen Banken seit längerem nicht gekauft hätten, weil Staatsanleihen aus Madrid attraktiver seien. „Wir haben unsere Positionen relativ konstant gehalten“, heißt es bei Allianz Global Investors weiter.

          Auch bei der DWS heißt es: „Wir haben unsere Mittel nie ganz aus französischen und spanischen Bankanleihen abgezogen.“ Geldmarktfonds im engen Sinn hätten sowieso keine Nachranganleihen von Banken im Bestand und die geldmarktnahen Kurzläufer-Fonds nur einige Restbestände. Europäische Bankaktien-Kurse legten am Montag deutlich zu. Titel von Unicredit und Société Générale gewannen um 10 und 8,5 Prozent an Wert.

          Quelle: F.A.Z.

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