Home
http://www.faz.net/-gvt-6x2jl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Baufinanzierung

Nach monatelanger Zurückhaltung Europäische Banken bekommen wieder Dollar

Amerikanische Geldmarktfonds kaufen wieder Zinspapiere aus dem Euroraum - vor allem französischer und spanischer Banken. Die Kosten für den Zugang zu Dollar fielen auf das niedrigste Niveau seit fünf Monaten.

© dpa Vergrößern Gemeinsam mit anderen Zentralbanken hatte die EZB Devisentauschgeschäfte vereinbart, damit sich europäische und japanische Banken unbegrenzt Dollar von ihren Notenbanken leihen können

Amerikanische Geldmarktfonds werden wieder risikofreudiger und geben ihre monatelange Zurückhaltung gegenüber kurzfristigen Anleihen europäischer Banken auf. Nach einem Bericht der „Financial Times“, der sich auf Angaben aus Bankenkreisen stützt, haben die Fonds in der vergangenen Woche neu emittierte Papiere französischer und spanischer Banken gekauft. Genauere Angaben zum Volumen der Käufe wurden nicht gemacht.

Norbert Kuls Folgen:  

Geldmarktfonds investieren in Staats- und Unternehmensanleihen mit geringer Restlaufzeit. Für europäische Banken sind die Fonds wichtig, weil sich die Kreditinstitute bei ihnen kurzfristig Dollar leihen. Die amerikanischen Fonds hatten ihre Geschäfte mit europäischen Banken in den vergangenen Monaten aber deutlich zurückgefahren, weil sie sich wegen der Euro-Krise um deren Kreditwürdigkeit sorgten. Fondsmanager befürchteten, dass die Kreditinstitute möglicherweise zu stark bei ausfallgefährdeten Staatsanleihen engagiert sein könnten.

Unbegrenzt Dollar leihen

Nach dem jüngsten Halbjahresbericht der Europäischen Zentralbank war das Volumen von Dollarkrediten amerikanischer Geldmarktfonds an europäische Banken von Mai bis November 2011 um knapp 40 Prozent auf rund 500 Milliarden Dollar gesunken. Die Schwierigkeiten der Banken bei der Aufnahme von Dollar hatten zu einer konzertierten Aktion internationaler Zentralbanken geführt. Im September hatte die amerikanische Fed mit der Europäischen Zentralbank, der Bank of England, der Schweizerischen Nationalbank und der Bank of Japan Devisentauschgeschäfte vereinbart, damit sich europäische und japanische Banken bis zum Frühjahr dieses Jahres unbegrenzt Dollar von ihren Notenbanken leihen können.

Nach dem Zeitungsbericht haben amerikanische Geldmarktfonds, die insgesamt 2,7 Billionen Dollar verwalten, in der vergangenen Woche Anleihen französischer Banken mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Monat erworben. Dazu kamen kleinere Beträge spanischer Bankanleihen. Die Fonds sollen dazu auch festverzinsliche Papiere mit Laufzeiten von bis zu sechs Monaten erworben haben, die von britischen, niederländischen und skandinavischen Banken ausgegeben wurden. „Insbesondere Geldmarktfonds haben im neuen Jahr eine gestiegene Risikotoleranz gezeigt“, sagte Chris Conetta, der für die britischen Bank Barclays den Handel mit kurzfristigen Unternehmenspapieren leitet.

Infografik / Aktienkurs / Société Générale Gegenläufige Bewegungen: die Entwicklung von Société Générale und italienischen Staatsanleihen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Das wachsende Vertrauen gegenüber europäischen Banken zeigt sich auch an den Bedingungen, zu denen in Geldmarkt für drei Monate Dollar-Kredite gegen Euro-Kredite getauscht werden. Die Kosten für den Zugang zu Dollar fielen in der vergangenen Woche auf das niedrigste Niveau seit fünf Monaten. Der Londoner Makler Icap begründete diese Entwicklung mit der guten Nachfrage bei den Auktionen von Anleihen hoch verschuldeter europäischer Länder.

Europäische Fondsmanager hatten sich zuvor nicht so radikal von französischen und spanischen Zinstiteln abgewandt wie amerikanische. Dennoch stocken manche wieder vorsichtig auf. „Wir haben auch in den vergangenen Monaten weiterhin selektiv spanische und italienische Geldmarktpapiere gekauft, da diese zum Teil zu sehr günstigen Niveaus zu haben waren“, heißt es bei der Deka, der Fondsgesellschaft der deutschen Sparkassen. „Papiere von französischen Emittenten wurden ebenfalls erworben.“

Nur einige Restbestände

Auch in den Geldmarktfonds von Allianz Global Investors hatte zuvor kein Kehraus spanischer oder französischer Bankanleihen stattgefunden. Die Titel französischer Qualitätsbanken hätten die Fondsmanager immer als werthaltig angesehen, während sie kurzlaufende Anleihen der spanischen Banken seit längerem nicht gekauft hätten, weil Staatsanleihen aus Madrid attraktiver seien. „Wir haben unsere Positionen relativ konstant gehalten“, heißt es bei Allianz Global Investors weiter.

Auch bei der DWS heißt es: „Wir haben unsere Mittel nie ganz aus französischen und spanischen Bankanleihen abgezogen.“ Geldmarktfonds im engen Sinn hätten sowieso keine Nachranganleihen von Banken im Bestand und die geldmarktnahen Kurzläufer-Fonds nur einige Restbestände. Europäische Bankaktien-Kurse legten am Montag deutlich zu. Titel von Unicredit und Société Générale gewannen um 10 und 8,5 Prozent an Wert.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
EZB überprüft Geldhäuser Bankenstresstest weckt Übernahmephantasien

Transparenz herstellen und Vertrauen schaffen – das ist das Ziel der Bankenaufsicht. Doch die Gewinnaussichten der Geschäftsbanken sind schwach. Die EZB dürfte Fusionen kritisch sehen. Mehr Von Hanno Mußler, Markus Frühauf

22.10.2014, 07:43 Uhr | Finanzen
Frankfurt 25 Banken fallen bei Stresstest durch

Zwölf Banken haben die Kapitallücke bereits gefüllt. Die anderen müssen der EZB nun einen Plan vorlegen, wie sie das Kapitalloch schließen wollen. Mehr

26.10.2014, 14:31 Uhr | Wirtschaft
Aktienmarkt Konjunktursorgen wiegen schwerer als Stresstests

Die EZB stellt Europas Banken ein gutes Zeugnis aus. Zwar halten Analysten die Stresstests für glaubwürdig, doch die Anleger zweifeln - und sind beunruhigt von der Konjunktur. Bankaktien verlieren doppelt. Mehr Von Markus Frühauf

28.10.2014, 07:53 Uhr | Finanzen
Wut auf die Regierung

In Brasilien haben Demonstranten erneut die Verteilungspolitik der Regierung angeprangert. Es wurden Polizeiautos zerstört und Banken angegriffen. Mehr

13.06.2014, 09:46 Uhr | Sport
Fondsbericht Ein Deka-Fonds hat besser gemischt als andere

Zuletzt haben viele Fondsmanager in der Kategorie der ausgewogenen Mischfonds offenbar nicht gut genug gemischt. Die Ausnahme bildet ein Produkt von Deka Investment. Mehr Von Kerstin Papon

31.10.2014, 10:41 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.01.2012, 17:38 Uhr

Wertpapiersuche
Zinsen