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Nach EU-Gipfelbeschlüssen Vermögensverwalter bleiben skeptisch

 ·  „Merkel ist eingeknickt“: Vermögensverwalter und Bankenvertreter reagieren auf die Beschlüsse des EU-Gipfels skeptisch bis enttäuscht. Sie rechnen damit, dass die Flucht aus Staatsanleihen in Unternehmensanleihen anhalten wird.

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© F.A.Z. Die Euro-Halbfinalisten im Renditenvergleich

Vermögensverwalter und Vertreter von Banken zeigen sich überwiegend skeptisch bis enttäuscht von den Beschlüssen des EU-Gipfels, der am Freitag in Brüssel endete. „Die europäische Währungsunion funktioniert in ihrer aktuellen Form nicht“, urteilt Guy Wagner, Chefvolkswirt von Banque de Luxembourg Investments. „Schlimmer noch: Wir nähern uns mit großen Schritten einem Stadium, in dem sie die positiven Errungenschaften des europäischen Einigungsprozesses gefährdet.“

Auf dem EU-Gipfel haben die angeschlagenen Euro-Länder Italien und Spanien gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr Zugeständnisse durchgesetzt, als erwartet worden war. Künftig sollen nicht nur direkte Bankenhilfen möglich sein, sondern auch der Aufkauf von Staatsanleihen reformwilliger Mitgliedsländer, wie die Euro-Länder in Brüssel beschlossen. Daraufhin stimmten die Regierungen in Rom und Madrid einem EU-Wachstumspakt zu.

Direkte Finanzspritzen für Banken

„Unter Einbeziehung“ der Europäischen Zentralbank (EZB) soll laut den Beschlüssen ein „wirksamer einheitlicher Aufsichtsmechanismus“ für die Banken in der Eurozone eingerichtet werden. Auch soll der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) angeschlagene Banken direkt mit Finanzspritzen versorgen. Schließlich ist geplant, dass der ESM und der bisherige Rettungsfonds EFSF ohne allzu strenge Auflagen Staatsanleihen von Euroländern kaufen können, die trotz Erfüllung der EU-Haushaltsvorgaben hohe Zinsen zahlen müssen.

„Zumindest in der jetzigen Form sollte der Euro nicht beibehalten werden“, führte Wagner aus. „Allerdings sind die meisten politischen Entscheidungsträger derzeit in einer Logik gefangen, die eine Verteidigung der Gemeinschaftswährung um jeden Preis fordert.“ Diese Einschätzung teilen viele andere Marktteilnehmer. „Merkel ist eingeknickt“, urteilt Dietmar Zantke, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung Zantke & Cie. Asset Management in Stuttgart.

Vorbereitung auf den „Haircut“

Vor dem Gipfel habe die Kanzlerin eine „harte und klare Linie“ vertreten. Doch die nun erreichten Beschlüsse des EU-Gipfels bezeichnet Zantke als „Katastrophe“. Der Reformdruck auf die Peripherieländer nehme ab, undiszipliniert haushaltende Länder könnten sich leichter bedienen, und marode Banken könnten sich direkt Geld besorgen. „Das sind in einer Nacht gleich zwei Niederlagen gegen Italien“, sagt Zantke. Doch dies treffe nicht allein Deutschland. „Diese Entwicklung zieht alle nach unten.“

Der Anleihenexperte bewertet die Kursgewinne auf den Aktienmärkten und den Renditerückgang für Staatsanleihen in Südeuropa als „vorübergehendes Strohfeuer“. Die Märkte seien zunächst beruhigt, weil wieder Geld in das System gepumpt werde. Doch die Beschlüsse seien nichts anderes als eine weitere Vorbereitung auf den „Haircut“, einen Schuldenschnitt in Südeuropa. Davon profitierten Unternehmensanleihen. „Die Flucht aus Staatsanleihen in Unternehmensanleihen wird anhalten“, sagt Zantke.

„Italien hat uns gleich zwei Mal vorgeführt“

Auch Ulrich Kaffarnik, Anlageexperte der Vermögensverwaltung DJE Kapital AG in Pullach bei München, zieht eine Verbindung vom EU-Gipfel zum verlorenen Fußball-Länderspiel: „Italien hat uns gleich zwei Mal vorgeführt“, sagte Kaffarnik. „Einmal im Osten, einmal im Westen.“ Unter dem Strich trafen die EU-Gipfelbeschlüsse auf eine im Vorfeld geringe Erwartungshaltung der Finanzmärkte, deshalb auch die positive Marktreaktion vom Freitag. „Die Märkte finden es umso besser, je mehr Deutschland ins Obligo geht.“ Dies sei besonders bei amerikanischen und asiatischen Investoren der Fall.

Doch auch Kaffarnick bleibt skeptisch. Die Gipfelbeschlüsse hätten allenfalls eine vorübergehende Erleichterungsrally ausgelöst. Langfristig und aus deutscher Sicht seien die Ergebnisse aus Brüssel kein Ruhmesblatt. Dies zeige sich daran, dass zwar die Rendite für Staatsanleihen aus Südeuropa gesunken, die für deutsche Bundesanleihen jedoch gestiegen sei. „Die Märkte sehen in Deutschland jetzt ein etwas größeres Ausfallrisiko“, sagt Kaffarnick. Kurzfristig wolle er am Kursaufschwung auf den Aktienmärkten teilhaben. Doch auf mittlere und längere Sicht bleibt er vorsichtig. Besonders der Konsolidierungsprozess in Südeuropa wirke konjunkturhemmend für ganz Europa.

“Die beschlossenen Maßnahmen stellen vor dem Hintergrund der zuletzt gedämpften Erwartungen der Finanzmärkte eine moderat positive Überraschung dar“, urteilt Martin Hochstein, Analyst der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Mit der Möglichkeit einer direkten Rekapitalisierung von Banken durch den ESM werde der Teufelskreis zwischen der Lösung von Problemen im Finanzsektor und einer korrespondierend steigenden Staatsverschuldung adressiert, da in diesem Fall keine Erhöhung der öffentlichen Verschuldungsquote des jeweiligen Landes erfolgt.

„Brüssel ist wohl auf dem richtigen Weg“, sagt Joachim Paul Schäfer, Partner der PSM Vermögensverwaltung in München. „Es ist kein Durchbruch, aber die Richtung stimmt.“ Denn wenn sich die Südländer totsparten, werde dies Europa auch nicht helfen. Schäfer ist in Aktien zurzeit nicht positioniert und hält aus Sicherheitsgründen vor allem kurzlaufende Staatsanleihen aus Ländern wie Deutschland, Finnland und den Niederlanden.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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