In Europa kollidiert der Refinanzierungsbedarf operativ tätiger Unternehmen am Rentenmarkt mit dem zunehmenden Emissionsvolumen von Staaten und Banken. Solide Firmen hätten künftig wohl keine Schwierigkeiten, an genügend Mittel zu kommen.
Der zunehmende Wettbewerb werde jedoch zusammen mit einer veränderten Risikowahrnehmung die Finanzierungskosten vieler Emittenten aus dem Unternehmensbereich erhöhen, erklärt die Ratingagentur Moody's in ihrem aktuellsten Marktkommentar.
Finanzierungskosten vieler Unternehmen werden steigen
In diesem Rahmen werde sich voraussichtlich die „natürliche Rang- und Wertordnung“ wieder normalisieren, die in den vergangenen Monaten der Kreditkrise wiederholt und in unterschiedlicher Form durcheinander gewirbelt worden war. Gestiegene CDS-Spreads verschiedener Staatsanleihen würden dazu führen, dass auch die Risikoaufschläge für die Absicherung von Kreditrisiken der in diesen Ländern ansässigen Banken und Unternehmen zunähmen, heißt es.
Diese Bewegung könne durch die längerfristig zu erwartende „Normalisierung“ der Hackordnung noch verstärkt werden. Normal wäre, wenn die Absicherung von Staatsanleihen die geringsten Risikoaufschläge benötigte, gefolgt von Papieren von Versorgern, Banken und schließlich den operativen Industrieunternehmen. Im Moment sei das anders, denn Schuldner mit hoher Qualität fänden gegenwärtig sehr vorteilhafte Refinanzierungsbedingungen vor und nutzten diese auch aus.
Europäische Unternehmen konnten im Jahr 2009 Anleihen im Gegenwert von 557 Milliarden Dollar emittieren und auf diese Weise sowohl ihre Finanzierungskosten senken als auch in länger laufende Kontrakte wechseln und damit mögliche Liquiditätsengpässe vermeiden. Sie wurden dazu auch durch die geringere Verfügbarkeit und die höheren Kosten von Bankkrediten ermuntert.
Die Finanzierungsstruktur der Firmen hat sich zwar allmählich verbessert. Trotzdem werde es im Jahr 2010 voraussichtlich aus verschiedenen Gründen zu weiteren Liquiditätsbedenken kommen, heißt es in der Studie weiter. Die Refinanzierung von auslaufenden Anleihen, Bankkrediten und Commercial Papers im Gegenwert von 283 Milliarden Dollar könne schwieriger und teurer als bisher werden können, weil weiterhin Kredite durch Anleihen ersetzt würden, weil Fusionen und Übernahmen zu zusätzlichen Emissionen führten und weil auch Banken und Staaten den Kapitalmarkt anzapfen müssten.
Staaten und Banken brauchen riesige Summen - konkurrieren mit Unternehmen
Riesige Budgetdefizite und teure Bankenrettungen führten in Großbritannien voraussichtlich zu einem Anleiheemissionsvolumen von 220 Milliarden Pfund, Deutschland und Frankreich müssten jeweils Papiere in einem Gegenwert von rund 300 Milliarden Euro ausgeben. In der gesamten Europäischen Union würden Staaten im Jahr 2010 voraussichtlich Anleihen im Wert von zwei Billionen Euro emittieren, während das Ausgabevolumen der Vereinigten Staaten wohl das Fünffache davon sein werde.
Auch die Banken des Kontinents haben einen großen Bedarf, da ihr Refinanzierungsprofil sich durch viele Papiere mit kurzen Restlaufzeiten auszeichnen. Banken der Eurozone und Großbritanniens haben im Jahr 2010 einen Finanzierungsbedarf im Gegenwert von 900 Milliarden Dollar und im Jahr 2011 sogar von einer Billion Dollar. Die Banken tendierten zwar dazu, ihr Risikoprofil zu reduzieren und die Bilanzen zu verkürzen. Allerdings werde dieser Effekt möglicherweise kompensiert durch das Bemühen, später fällig werdende Papiere frühzeitig zu refinanzieren, um steigenden Zinsen zuvor zu kommen.