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Nach gescheiterter Rettung : Modekonzern René Lezard stellt Insolvenzantrag

Gehen bei René Lezard jetzt die Lichter aus? Bild: René Lezard

Lange wackelte der Modekonzern René Lezard. Jetzt ist er gefallen: Nach mehreren fehlgeschlagenen Rettungsversuchen stellte das Unternehmen heute einen Insolvenzantrag.

          Mit dem Mode-Unternehmen René Lezard reiht sich abermals ein Emittent von Mittelstandsanleihen in die Reihe der Insolvenzen ein. Im Rahmen des laufenden Restrukturierungsprozesses habe ein Investor, mit dem man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über Teile der Finanzierung befunden habe, die Verhandlungen abgebrochen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Geschäftsführung habe sich daher entschlossen, unverzüglich einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu stellen. Die Geschäftsführung plant dabei, die laufende Sanierung im Wege eines sogenannten Schutzschirmverfahrens fortzusetzen.

          Überraschend kommt die Entwicklung letztlich nicht, denn schon seit September befand sich René Lezard in akuten Nöten. Damals wollte das Unternehmen auf dem Weg einer Abstimmung ohne Versammlung die Anleihegläubiger dazu bewegen, auf 40 Prozent ihrer Forderungen, zudem auf einen Großteil der Zinszahlungen zu verzichten. „Viele verschiedene negative Einflüsse“ in den vergangenen Geschäftsjahren 2014/2015 und 2015/2016 hätten zu einem Umsatzrückgang, Verlusten und negativem Eigenkapital geführt.

          Vor dem Hintergrund des Auslaufs der Bankenfinanzierungen in diesem März und der Fälligkeit der Anleihe im November habe man sich nun mit einem Verhandlungspartner verbindlich über eine Folgefinanzierung geeinigt, hieß es damals. Ein Forderungsverzicht der Anleihegläubiger sei „alternativlos“.

          Nur sechs Wochen später platzte die „verbindliche“ Vereinbarung überraschend. René Lezard teilte mit, man habe Kontakt zu alternativen Finanzinvestoren aufgenommen. Derweil hatten die Gläubiger die Einschnitte akzeptiert und verlängerten die Stundung der Zinsen noch einmal im Januar und abermals im Februar - letztlich vergebens.

          Als Alarmzeichen hatte man schon werten können, dass die Notierung der Anleihe aus dem Entry Standard aus Kostengründen im April 2016 in den Freiverkehr verschoben wurde.

          Umsatzschrumpfung, negatives Eigenkapital

          Der Umsatz von René Lezard betrug im Geschäftsjahr 2015/16, das nun vor fast einem Jahr zu Ende ging, nach vorläufigen Zahlen knapp 45 Millionen Euro. Das waren 15 Prozent weniger als zwei Jahre davor. Neuere Zahlen gibt es nicht.

          Operativ verdiente das Unternehmen in den drei vergangenen Geschäftsjahren kaum noch etwas, derweil das Eigenkapital in den negativen Bereich rutschte. Schon zum 30. September 2015 betrug die Eigenkapitalquote minus 5,8 Prozent.

          RENE LEZARD ANL.12/17

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          Ob unter diesen Umständen den Anleihegläubigern viel übrig bleibt, ist zwar derzeit nicht abzuschätzen. Angesichts der Unternehmensentwicklung und der drohenden Zahlungsunfähigkeit, sollten sie allerdings nicht zu viele Hoffnungen machen. Schon im vergangenen September hatte das Unternehmen eine Quote von null Prozent für den Fall in Aussicht gestellt, dass die Restrukturierung scheitere.

          Der Kurs der Anleihe mit einem Volumen von nominnell 15 Millionen Euro wurde beim Stand von 17 Prozent des Nominalwerts am Vormittag ausgesetzt. In den vergangenen Jahren war dieser schon beständig gefallen und hatte sich nur im Oktober 2015 noch einmal deutlich erholt.

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