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Mittelstandsanleihen : MBB Clean Energy ist insolvent

MBB Clean Energy: Viel Verwirrung und nur Luft Bild: dpa

Beobacher hatten schon lange damit gerechnet: Die Beteiligungsgesellschaft MBB Clean Energy ist insolvent. Wie die ganze Geschichte ist der Ablauf denkwürdig.

          Wie erst in dieser Woche bekannt wurde, hat die als Beteiligungsgesellschaft für Erneuerbare Energien auftretende MBB Clean Energy schon am 23. Juni einen Insolvenzantrag gestellt. Vom Unternehmen selbst wurde dies nicht publiziert. Bekannt wurde der Vorgang offenbar eher durch Zufall: Die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Greger & Collegen erfuhr davon aus laufenden Gerichtsverfahren. Damit findet die wohl bizarrste Geschichte, die sich im kurzlebigen Hype um Mittelstandsanleihen ereignet hat, ihr vorläufiges Ende.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          300 Millionen Euro hatte MBB unter Vorstand Eckhart Misera für Investitionen in Solar- und Windenergie einsammeln wollen. Nach Ende der Zeichnungsfrist gab man bekannt, lediglich 72 Millionen Euro eingeworben zu haben. Doch schon da war aus Investmentbankerkreisen zu hören, dass es sich vielleicht nur um 8, höchstens 22 Millionen Euro gehandelt habe. Der Rest soll zum Schein über Strohmänner erworben worden sein.

          Kein nennenswertes Geschäft

          Schon der Geschäftsbetrieb schien dem Start-Up Mühe, der sich mit seinen historischen Verbindungen zum ehemaligen Hubschrauber-Bauer Messerschmitt-Bölkow-Blohm schmückte, Schwierigkeiten zu machen. Zwar kündigte MBB im Herbst 2013 den Kauf von Wind- und Solarenergieparks in Italien an, doch dazu kam es nicht. Ob MBB jemals irgendwelche Erträge erwirtschaftete, ist unbekannt: Das Unternehmen hat nach Ausgabe der Anleihe niemals Geschäftszahlen vorgelegt. Dafür aber prahlte man, weitere 500 Millionen Euro bei institutionellen Investoren eingeworben zu haben.

          Als 2014 die ersten Zinsen fällig wurden, zahlte MBB nicht und führte dafür zunächst „technische Gründe“ an. Nach und nach ließ das Unternehmen durchsickern, der Grund sei, dass es „unberechtigte Investoren“ gebe, also solche, die keine seien. Angeblich hätten Investoren auf Zinsen verzichtet, diese seien aber trotzdem zur Auszahlung angewiesen worden. Als ob das nicht schon bizarr genug gewesen wäre, erklärte MBB schließlich die Anleihe aufgrund einer fehlenden Unterschrift unter der Globalurkunde für ungültig.

          Hoffnungen gefüttert

          Im Oktober 2014 erklärte MBB dann, die Anleihe werde „repariert“ und die Zinsen an „berechtigte Investoren“ ausgezahlt. Doch dazu kam es nicht. Ende April wurde Eckhart Misera als Vorstand abgelöst und die „Reparaturmaßnahme“ kurz darauf „unterbrochen“. Die seinerzeit fälligen Zinsen wurden wieder nicht bezahlt.

          Stattdessen kam der Insolvenzantrag - zwei Tage bevor das Landgericht München I ein Versäumnisurteil gegen MBB Clean Energy erließ und das Unternehmen zur Zahlung von knapp 600.000 Euro an einen klagenden Gläubiger verurteilte.

          Aus Investmentbankerkreisen sind andere Interpretationen der Vorgänge zu hören: Man habe den Misserfolg der Anleiheemission durch Scheinkäufe zu vertuschen gesucht. Doch die Strohmänner, die zunächst behauptet hatten, auf ihre Zinsen verzichten zu wollen, hätten dann auf Zahlung bestanden.

          Damit sei die Gesellschaft faktisch pleite gewesen. Man rechne nur: 72 Millionen Euro an Anleihen wurden behauptet. Die erste Zinszahlung hätte dann 4,5 Millionen Euro betragen. Geht man vom schlimmsten Fall aus, dass nur 8 Millionen Euro (ohne Emissionskosten!) eingeworben wurden, wäre niemals ein Geschäftsbetrieb möglich gewesen.

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