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Mittelstandsanleihen Der vierte Ausfall kommt

Der Solar-Zulieferer Sic Processing hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Damit steuert der Markt für Mittelstandsanleihen auf den vierten Zahlungsausfall zu. Auch von Windreich gibt es weniger gute Nachrichten.

© Sic Processing Vergrößern

Es war ein Absturz in atemberaubender Geschwindigkeit: Noch vor neun Monaten hatte der Solarzulieferer Sic Processing mit einem Rating von „BBB+“ der gebrauchte Sägesuspension (Slurry) aufbereitet, mit das zweitbeste Rating am Markt für Mittelstandsanleihen. Am Mittwoch änderte Creditreform das Rating nun  auf „D“, die Zahlungsausfällen vorbehalten ist.

Martin Hock Folgen:    

Am Dienstagabend teilte das Unternehmen nun mit, dass es ein Schutzschirmverfahren beantragt habe und eine Sanierung in  Eigenverwaltung anstrebt. Das Schutzschirmverfahren erlaubt eine Sanierung schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit. Beraten wird Sic dabei von Freitag & Co und Ashurst.

Im März wohl keine Zinsen

Nach Stattgabe des Antrags steht die Gesellschaft seit Donnerstag unter Gläubigerschutz und muss die Anleihezinsen zum 1. März 2013 nicht bedienen. Just wegen dieser Zahlung von 5,8 Millionen Euro drohte die Zahlungsunfähigkeit. Viel Geld kann also nicht mehr in der Kasse sein. Am 30. Juni waren es noch 45 Millionen Euro gewesen.

Über seine norwegische Tochter war Sic im Sommer voll in die Branchenkrise geraten. Der norwegische Modulhersteller REC hatte seine Wafer-Tochter in die Insolvenz geschickt, die einziger Kunde der dortigen Werke von Sic war. Der Standort Norwegen wurde komplett stillgelegt worden, allen Mitarbeitern gekündigt, die norwegische Tochter Gesellschaft wurde insolvent. Dadurch fielen Forderungen aus und an andere Stelle lief es auch nicht mehr gut. Dagegen hatte man sich hohe Verpflichtungen aus dem Expansionsprogramm der beiden vergangenen Jahre aufgebürdet.

Geschäftsführer zurückgetreten

Das führte Ende November schon zum Rücktritt des Gründers Thomas Heckmann sowie Dirk Müllers als Geschäftsführer, auch wenn diese weiter als Gesamtprokuristen tätig sind. Neuer Allein- Geschäftsführer wurde der Restrukturierungsexperte Peter Thysell. Auch der Beiratsvorsitzende Sönke Bästlein war zurückgetreten.

Schon Anfang November hatte Sic mitgeteilt, den Anleihegläubigern ein Restrukturierungskonzept vorlegen zu wollen. Damals konnten weitergehende Schritte vermieden werden, weil wesentliche Einzelgläubiger einer Stundung ihrer Forderungen bis zum 28. Februar 2013 zustimmten. Im Schutzschirmverfahren hätte Sic nun drei Monate Zeit, einen Insolvenzplan vorzulegen.

Das Insolvenzverfahren verlassen hat schon im Oktober der frühere Solarmodulhersteller Solarwatt. 84 Prozent ihrer Investition kostete die Sanierung seinerzeit die Anleihegläubiger. Nach Aussagen aus Finanzkreisen wird die Quote bei Sic Processing nicht höher ausfallen. Die Quoten für SIAG Schaaf und BKN Biostrom stehen noch nicht fest, doch rechnen Beobachter eher mit höheren Ausfällen als bei Solarwatt. Bei BKN wird gar ein völliger Ausfall befürchtet.

Eick geht nicht zu Windreich

Keine guten Nachrichten gibt es auch vom Windparkentwickler Windreich. Nachdem Creditreform die Bonitätsnote um drei Stufen von „BBB+“ auf „BB+“ gesenkt hat, hat nun offenbar der langjährige Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick Abstand davon genommen, Finanzvorstand zu werden. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hatte Windreich-Chef Willi Balz Eick im August gebeten, einen Börsengang des Unternehmens vorzubereiten und Finanzvorstand zu werden. Seit September war Eick Berater von Windreich. Am Montag beendete er laut Handelsblatt jedoch sein Mandat. „Ich sehe für einen erfolgreichen Börsengang der Windreich AG auf absehbare Zukunft keinen Weg“, begründete er in einer E-Mail laut der Zeitung den Schritt. Windreich-Chef Willi Balz bestätigte, dass der Börsengang bis auf weiteres verschoben sei. Das Unternehmen kämpfe mit Finanzierungsproblemen bei seinen Offshore-Windparks.

Creditreform hatte die Abstufung der Bonitäsnote vor allem mit den etwas weniger guten Ergebnissen des Jahresabschlusses begründet. Im ersten Halbjahr war der Umsatz von Windreich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 19 Prozent auf 33,2 Millionen Euro gefallen. Vor allem fiel ein Verlust von knapp 27 Millionen Euro an, nachdem es im ersten Halbjahr 2011 noch einen Gewinn von 890.000 Euro gegeben hatte. Hauptgrund war die vollständige Abschreibung von 21 Millionen Euro auf die Beteiligung am Windrad-Bauer Fuhrländer, der Ende September in die Insolvenz ging und am dem Windreich knapp 10 Prozent hält.

Windreich-Chef optimistisch für 2013

Aber auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit hatte sich von einem Minus von 3,5 auf ein Minus von 6,7 Millionen Euro verschlechtertr. Grund war ein Finanzverlust von 13,4 Millionen Euro nach 7,4 Millionen im Vorjahreszeitraum. Ende Juni hatte Windreich knapp 480 Millionen Euro Schulden. Die Verbindlichkeiten seien aber auf nur noch 330 Millionen Euro abgebaut worden, hatte Balz im November verlauten lassen.

Schuld am schlechteren Rating ist laut Balz das negative Image der Erneuerbaren Energien, die von Rating-Agenturen insgesamt kritischer gesehen würden. Balz will  im zweiten Halbjahr einen Gewinn im zweistelligen Millionenbereich erzielen. erzielen. Dies hängt aber von den Verkaufserfolgen ab, die sich traditionell erst kurz vor Jahresende entschieden. Zudem rechnet der Windreich-Chef mit hohen Kapitalzuflüssen für den Offshore-Markt im Jahr 2013, wovon Windreich profitieren werde.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 19.12.2012, 11:26 Uhr

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