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Mittelstandsanleihen : Anleger wehren sich gegen Verluste

  • -Aktualisiert am

Bei der Regionalbörse am zweitgrößten Handelsplatz in Deutschland findet noch Parketthandel im Handelssaal statt. Die Börse wurde 1860 gegründet und ist mitten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt gelegen. Bild: Setzer, Claus

Es gibt neue Probleme bei Mittelstandsanleihen. Banken und Börse Stuttgart sprechen von unternehmensspezifischen Problemen. Doch die ersten Insolvenzen von Emittenten erhöhen den Druck.

          Trotz der finanziellen Schwierigkeiten von Unternehmen, die Mittelstandsanleihen begeben haben, sind die Papiere 2012 gefragt gewesen. Es wurden 35 Anleihen mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro aufgelegt, geht aus einer Erhebung von Close Brothers Seydler hervor. Für das laufende Jahr erwarten die Experten des Instituts die Begebung weiterer Anleihen. Die ersten Insolvenzen von Emittenten erhöhen aber den Druck. „Ausfälle sind keinesfalls vorteilhaft für die allgemeine Stimmung im Segment der Mittelstandsanleihen“, erklärte die Frankfurter Emissionsbank auf Anfrage. „Jedoch ist anzumerken, dass diese definitiv auf die jeweiligen Emittenten zurückzuführen sind und nicht auf das Segment.“ Grundsätzlich sei eine Anleihe-Emission nicht für alle Unternehmen ratsam.

          Im jüngsten Fall sind die Investoren des Solarzulieferers Sic Processing GmbH betroffen, der im Februar 2011 im Mittelstandssegment der Börse Stuttgart Bond-M eine Anleihe im Volumen von 80 Millionen Euro mit einem Kupon von 7,125 Prozent plaziert hatte. Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Ort Hirschau war zahlungsunfähig geworden und versucht eine Sanierung in Eigenverwaltung durchzuführen.

          Minus 94 Prozent seit Anfang 2012
          Minus 94 Prozent seit Anfang 2012 : Bild: F.A.Z.

          Das Nachsehen haben wohl die Anleihegläubiger, „weil die Planquote, sofern vorhanden, für unbesicherte Gläubiger erheblich unterhalb des Wertes liegen wird, wie er vom gegenwärtigen Börsenpreis der Unternehmensanleihen widergespiegelt wird“, heißt es in einer Mitteilung von Sic Processing.

          Investoren bündeln Interessen

          Um die drohenden Verluste in Grenzen zu halten, bündeln die Investoren nun ihre Interessen. „Die Anleihegläubiger sind der Meinung, dass ein deutlich höherer Wert zu realisieren ist, als nach der bisherigen Kommunikation zu erwarten ist“, sagte Frank Günther vom in München ansässigen Corporate-Finance-Haus Günther & Partner, das institutionelle Investoren in der Sache vertritt. Günther forderte das Unternehmen auf, die Bestellung von ihm als „gemeinsamen Vertreter“ in die Wege zu leiten. Dieser kann dann die Interessen gegenüber dem Unternehmen besser vertreten. Er wird den Angaben zufolge in der Regel in den Gläubigerausschuss aufgenommen und kann dort auf die Erstellung des Insolvenzplanes Einfluss nehmen. Anleihebesitzer könnten beispielsweise gemeinsam versuchen, eine Fortführung der Papiere zu veränderten Bedingungen zu erreichen.

          Finanzielle Schwierigkeiten

          Sic Processing gehört zu den führenden Aufbereitern gebrauchter Sägesuspensionen und ist der vierte Emittent von Mittelstandsanleihen, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Zuvor hatte es den Hersteller von Türmen für Windkraftanlagen Siag Schaaf, den Biogasentwickler BKN Biostrom und den Dresdner Solarmodulhersteller Solarwatt betroffen. Das letztere Unternehmen hatte auch in Stuttgart seine Anleihe emittiert. Das Papier wurde nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten des Unternehmens aus dem Bond-M verbannt und zuletzt im Freiverkehr gehandelt. Die Anleihe wurde dann abgewickelt, und die Gläubiger sollten 16 Prozent auf ihre angemeldeten und festgestellten Forderungen erhalten, wie aus einer im September veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.

          In dem speziellen Segment Bond-M in Stuttgart sind derzeit 25 Anleihen von mittelständischen Unternehmen notiert. Für Sabine Traub, Leiterin des Anleihegeschäfts der Börse Stuttgart, hat der jüngste Fall keine Auswirkungen auf das Handelssegment. Allerdings befinde sich die Solarbranche in einer tiefen strukturellen Krise. „Insofern handelt es sich bei den Insolvenzen in erster Linie um ein branchenspezifisches Problem, das nichts mit Mittelstandsanleihen oder dem Segment an sich zu tun hat.“ Alle bisherigen Insolvenzen bei Mittelstandsanleihen seien unabhängig vom jeweiligen Börsensegment ausschließlich im Bereich der erneuerbaren Energien zu finden. „Bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Insolvenz eines Mittelstandsunternehmens keine großen Auswirkungen auf den Gesamtmarkt des entsprechenden Segments zur Folge haben muss“, sagt Traub.

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