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Mittelstandsanleihen : Karlie und René Lezard in Nöten

Hund mit Booga-Ball von Karlie Bild: Karlie Group

Der Tierbedarfshändler Karlie und der Modekonzern René Lezard sind in ernste Schwierigkeiten geraten. Damit könnten sich die nächste Ausfälle von Mittelstandsanleihen anbahnen.

          Der Tierbedarfshändler Karlie Flamingo ist in Nöten. Mitte Oktober hatte einer der Geschäftsführer der belgischen Tochtergesellschaft Karlie Flamingo Belgium Holding einen Insolvenzantrag gestellt. Eigentlich wollte die Karlie Group dagegen vorgehen. Doch am Dienstag musste das Unternehmen aus Bad Wünnenberg bei Paderborn dieses Ansinnen aufgeben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grund ist, dass sich die Situation der Gruppe deutlich verschlechtert hat. Mittlerweile haben nämlich zwei kreditgebende Banken ihre Forderungen gegenüber den beiden operativen belgischen Gesellschaften der deutsch-belgischen Karlie-Flamingo-Gruppe fällig gestellt.

          KARLIE GROUP 13/21

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          Das zuständige belgische Gericht hat im Zuge dessen beantragt, für beide Gesellschaften das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Die Geschäftsführung habe mangels Alternativen beschlossen, dem zuzustimmen. Damit ist aber auch die Muttergesellschaft insolvent, nämlich für eben jene Karlie Flamingo Belgium Holding

          Für die Gläubiger der Anleihe des Tierbedarfhändlers im Volumen von knapp 7 Millionen Euro ist dies eine beunruhigende Nachricht. Zwar gibt es keine Aussagen, wie viel Umsatz auf die belgischen Teile der Gruppe entfällt. Allerdings war 2015 in den belgischen Gesellschaften mehr als die Hälfte der Mitarbeiter der Gruppe beschäftigt.

          Die Karlie Group teilte mit, dass der belgische Teil der Gruppe „einen wesentlichen Vermögenswert darstelle“. Somit seien „wesentliche negative Auswirkungen auf die Vermögenslage der Emittentin zu erwarten“. Das operative Geschäft in Deutschland könne allerdings aufrechterhalten werden, solange auch der operative Betrieb in Belgien weiter aufrechterhalten werden könne.

          Schon am Montag hatte Karlie mitgeteilt, dass durch den Verkauf der Beteiligung an der britischen Sharples & Grant im laufenden Geschäftsjahr Wertberichtigungen von rund 2 Millionen Euro erforderlich seien. führen wird. Die jetzt veräußerte Tochter erwirtschaftete seit 2013 Verluste und trug zum Gruppenumsatz mit rund 8 Millionen Euro knapp 10 Prozent bei.

          Der Tierbedarfshändler befindet sich nunmehr seit Jahren in der Krise. Im Frühjahr hatte er von den Anleihegläubigern eine Verlängerung der Laufzeit und eine Senkung der Zinsen erhalten.

          Gescheiterte Wachstumspläne

          Das deutsche Unternehmen Karlie war 2009 vom Private-Equity-Fonds Perusa übernommen worden und hatte die belgische Flamingo und die britische Sharples & Grant mehrheitlich übernommen. Kurze Zeit später folgte der chinesische Tierfutterhersteller Best Quality. Ziel war es, einen großen europäischen Konzern zu formen.

          Die Wachstumspläne scheiterten aber an mangelhaften Voraussetzungen, da die Firmen nach Ausscheiden der Inhaber schon jede für sich Anpassungsbedarf hatten. Dies ging zulasten von Umsatz und Gewinn, so dass Karlie Ende 2015 schon kurz vor der Insolvenz stand.

          2016 sollte der Umsatz eigentlich um zehn Prozent auf 94 Millionen Euro steigen und nach einem operativen Verlust von 2 Millionen Euro im Jahr 2015 wieder ein operativer Gewinn von 0,5 Millionen erzielt werden. Es erscheint höchst fraglich, ob diese Ziele erreicht werden können, selbst wenn man berücksichtigt, dass Abschreibungen im operativen Gewinn nicht enthalten sind.

          Zudem entfielen auf das belgische Geschäft im Jahr 2015 ein Gutteil des Eigenkapitals, das zu Jahresbeginn aber aufgrund des hohen Bilanzverlustes von rund 20 Millionen Euro minus 8 Prozent betrug.

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          Auch die Lage des Modekonzerns René Lezard hat sich jäh verschlechtert. Das Unternehmen hatte schon Ende September von den Gläubigern einen substantiellen Forderungsverzicht gefordert. Man habe eine verbindliche Einigung mit einem Verhandlungspartner über eine Folgefinanzierung. Diese sehe einen Forderungsverzicht von Banken, Gesellschaftern und Anleihegläubigern vor.

          Heinz Hackl, Sprecher der Geschäftsführung, nannte diesen Weg „alternativlos“. Indes kam der Verzicht der Anleihegläubiger bislang nicht zustande, weil eine Abstimmung ohne Versammlung nicht beschlussfähig war. Auf einer zweiten Versammlung am Mittwoch stimmten die erschienenen Gläubiger zu. Bei der vom unternehmen vorgegebenen Insolvenzquote von null blieb ihnen aber auch wohl wenig übrig.

          RENE LEZARD ANL.12/17

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          Nun scheint aber auch die verbindliche Vereinbarung mit dem Verhandlungspartner nicht so verbindlich gewesen zu sein wie gedacht. Denn am Dienstag teilte René Lézard mit, dass der Finanzinvestor die Verhandlungen überraschend abgebrochen habe. Man habe  Kontakt zu alternativen Finanzinvestoren aufgenommen, die erstes Interesse an der Finanzierung signalisiert hätten. Ob diese Verhandlungen zum Erfolg führen, bleibt abzuwarten.

          Insbesondere wird dem Unternehmen womöglich die Zeit knapp. Denn das ursprüngliche Ansinnen sei vor dem Hintergrund des Auslaufs der Bankenfinanzierungen im kommenden März und der Fälligkeit der Anleihe im November 2017 erfolgt. Bis März muss also wohl eine Vereinbarung unter Dach und Fach sein.

          Derweil hat das in der Insolvenz befindliche Modehaus Rudolf Wöhrl für Ende November zu einer zweiten Gläubigerversammlung eingeladen. Klaus Nieding, Vorstand der Rechtsanwaltskanzlei Nieding+Barth kritisiert unterdessen, dass weiter kein Konzept für die Restrukturierung vorliege. Die Anleihegläubiger hätten keine hinreichenden Informationen über die finanzielle Situation des Unternehmens und ob mögliche Zugeständnisse nachhaltig zu einer Stabilisierung führten. Anleihegläubiger sollten nicht davor zurückschrecken, Schadenersatzansprüche prüfen zu lassen. Das sei oftmals die einzige Möglichkeit, eine Kompensation zu erreichen.

          Quelle: FAZ.NET

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