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Hohes Risiko : Finger weg von Mittelstandsanleihen

Emission für große Banken nicht lohnenswert

Zertifikate wiederum hatten nach dem Lehman-Ausfall einen schweren Stand, Banken, die sie vertrieben hatten, wurde geprügelt. Verglichen dazu kommen die Mittelständler mit ihren Anleihen glimpflich davon: Kein Aufschrei von Verbraucherschützern, nirgends. Die Großbanken sind jedenfalls froh, dass sie an der Misere keine Schuld haben. Sie haben sich beim Geschäft mit solchen Papieren zurückgehalten – nicht aus Sorge um den Privatanleger, sondern aus schlichtem Eigennutz: Die Emission lohnt sich wegen der kleinen Volumina nicht für die großen Banken. Das besorgen stattdessen kleine Häuser wie Close Brother Seydler, Equinet oder die Quirin Bank.

Schon der Name „Mittelstandsanleihe“ ist irreführend. Denn die Anleihen stammen selten vom international vielgerühmten deutschen Mittelstand, der mit hohem Ingenieurwissen die Weltmärkte erobert. Sie finanzieren eher Start-up-Firmen, Öko-Unternehmen oder bekannte deutsche Modefirmen wie Eterna, Wöhrl oder Seidensticker. Getränkehersteller wie Berentzen, Valensina oder die Karlsberg Brauerei. Und sogar Schalke 04.

Angesichts eines solchen Portfolios müssten die Papiere passender als „kleine und mittelgroße Hochrisikoanleihen“ bezeichnet werden. Schließlich liegt das Durchschnittsvolumen der Anleihen bei nur etwa 40 Millionen Euro, und Renditen von neun und mehr Prozent sind keine Seltenheit. Papiere von großen Industriefirmen haben hingegen Volumina von mehreren hundert Millionen Euro und bringen selten mehr als drei Prozent Rendite. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Anleihe mal nicht bedient wird, deutlich geringer. Für die Firmen lohnen sich Mittelstandsanleihen trotzdem, denn von Banken würden sie oft gar keinen Kredit oder nur zu höheren Zinsen bekommen. Die Anleihen machen die Firmen unabhängiger von den Finanzhäusern.

Unternehmen erhalten zu gute Ratings

Wie sicher die Papiere sind, sollen eigentlich ihre Ratingnoten zeigen. Doch die Firmen bekamen gemessen an den Risiken zu gute Bewertungen. Das zeigt eine Untersuchung der DZ Bank. „Uns fällt auf, dass zum Zeitpunkt der Emission selbst die mittlerweile ausgefallenen Anleihen über relativ gute Ratings verfügten und dass der Zeitraum zwischen Emission und Insolvenz vergleichsweise kurz war“, sagt Markus Rohleder, zuständiger Analyst der Bank, und folgert: „Die Bonitätsnoten können bislang nur bedingt eine Orientierung für den Investor darstellen.“

Vor allem Creditreform, aber auch Scope und Euler Hermes erstellen Ratings für Mittelstandsanleihen, die großen Agenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch halten sich hier zurück. Warum die Ratings so unbefriedigend ausfallen, darüber wird nur gemutmaßt. Manche Kritik reicht bis zum Vorwurf von „Gefälligkeitsnoten“, schließlich werden die Agenturen von den bewerteten Firmen bezahlt. Ohne aussagefähige Ratings aber hat es der Privatanleger schwer, solide Mittelstandsanleihen herauszufiltern.

Die Deutsche Börse hat Anforderungen entwickelt, die Firmen mindestens erfüllen sollten: 100 Millionen Euro Jahresumsatz, drei Jahre Gewinn, der das 2,5-Fache der jährlichen Zinsen für die Anleihe übersteigt. Eigenkapitalquote von 15 Prozent, Emissionsvolumen 25 Millionen Euro. Wer das ernst nimmt, muss sich von den meisten Mittelstandsanleihen fernhalten.

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