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Mittelstandsanleihen : Heftiges Ringen um die Zeche

Präsentation von Laurèl während der Mercedes-Benz Fashion Week im Juni 2016 Bild: dpa

Wer muss beim Ausfall von Mittelstandsanleihen auf wie viel verzichten? Anleihegläubiger sehen sich oft übervorteilt. Im Fall Laurèl eskaliert der Konflikt.

          Viele Privatanleger haben mit Mittelstandsanleihen schmerzliche Erfahrungen gemacht. In mindestens 46 Fällen verloren sie einen Großteil ihres Investments. Oft genug mussten sie dabei gezwungenermaßen freiwillig verzichten, um das Unternehmen, Arbeitsplätze und – so hieß es immer wieder – einen noch etwas größeren Teil ihres Investments zu retten als dies bei einer Liquidation der Fall gewesen wäre.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Immer wieder gibt es Unmut, weil Anleihegläubiger der Meinung sind, einen ungleich höheren Teil der Lasten schultern zu müssen als Banken, Investoren oder Eigentümer. Untermauern ließ sich das in den seltensten Fällen - denn Gläubigerversammlungen und auf diesen zur Verfügung gestellte Unterlagen werden vertraulich behandelt.

          Eskalation bei Laurèl

          Dabei gibt es auch immer wieder Streit darüber, wer wann und in welchem Umfang informiert werden muss. Vor kurzem berichtete das im F.A.Z.-Verlag erscheinende Magazin Finance von der Kritik der amerikanischen Investmentbank Houlihan Lokey an der Reederei Rickmers. Diese habe sich gegenüber den Anleihegläubigern zwar auf ein Sanierungsgutachten und eine Liquiditätsanalyse berufen, um sie zur Annahme des Restrukturierungsvorschlags zu drängen. Sie habe diesen allerdings keinen vollen Zugang zu den Unterlagen gewährt.

          Dies sei mittlerweile erfolgt, heißt es. Allerdings ist in der Zwischenzeit die erste Abstimmung ohne Versammlung schon mangels Beteiligung gescheitert.

          Selten treten die Meinungsverschiedenheiten so offen zutage wie im Fall des insolventen Modelabels Laurèl. Der Steubing German Mittelstand Fund hatte mit Unterstützung anderer Gläubiger einen Gegenantrag zum Insolvenzplan eingereicht. Durch diesen würden die Anleihegläubiger massiv benachteiligt. Der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, Frank Günther vom Restrukturierungsspezialisten One Square, müsse den Plan daher ablehnen.

          Wer zahlt weniger?

          Der Insolvenzplan sieht zunächst für einige Insolvenzgläubiger eine Barabfindung von 11,2 Prozent der Forderungen vor. Die Anleihegläubiger sollen für ihre Forderungen in Höhe von 21,762 Millionen Euro dagegen 170.000 Stückaktien einer neu zu gründenden Holding erhalten. Bei Gleichstellung mit den anderen Gläubigern würden die Aktien auf diese Weise mit 14,34 Euro bewertet, so der Steubing-Fonds.

          Dagegen erhalte aber der Planinvestor, ein Fonds der Gesellschaft Robus Capital, für ein Investment von 425.000 Euro etwa 255.000 Aktien zum Stückpreis von 1,67 Euro - er bekommt damit obendrein die Aktienmehrheit. Zwar habe Robus auch einen Massekredit von 2,22 Millionen Euro gewährt. Den dürfe man aber nicht berücksichtigen. Nicht nur seien bloß zwei Millionen ausgezahlt worden, er sei auch erstrangig besichert und Robus erhalte damit wirtschaftliche Werte von mehr als der Höhe seines Anspruchs.

          Mehr noch: Das Management erhalte 75.000 Aktien für sogar nur einen Euro das Stück. „Laurèl hat in den vergangenen Jahren auf operativer Ebene Millionenverluste aufgehäuft. Jetzt soll das Management dafür auch noch belohnt werden?“, wundert sich Ralf Meinerzag, der den Steubing-Fonds managt. Für ihn schneiden die Anleihegläubiger sogar bei einer Liquidation besser ab. Vor rund einem halben Jahr hätten zwei Gutachten die Insolvenzquote auf etwa 13 Prozent beziffert.

          Minderheitenmeinung?

          Günther hält dagegen: „Wir haben die Argumente gegen den Plan zur Kenntnis genommen und sorgfältig geprüft. In diese Prüfung ist auch ein aktuelles Fortführungsgutachten einer internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeflossen. Auch wenn einzelne Anleihegläubiger das Angebot als wenig attraktiv empfinden, ist und bleibt der Insolvenzplan die bessere Alternative. Soll ich ein als wenig attraktiv empfundenes Angebot ablehnen, wenn es besser ist als die Alternative und keine weitere Alternative auf dem Tisch liegt? Da mache ich mich ja haftbar.“

          Zudem habe man sich angesichts der Bedenken um ein Stimmungsbild bemüht. Die weit überwiegende Mehrheit der bekannten Anleihegläubiger habe sich für den Plan ausgesprochen und sogar entsprechende Weisungen erteilt. Was angesichts der geringen Beteiligung an der Versammlung offen bleibt, ist die Zustimmung in Zahlen.

          180 Interessenten, kein Käufer

          In den sechs Monaten seit Erstellung der von Meinerzag ins Feld geführten Gutachten habe sich viel geändert. Von 180 Interessenten habe keiner ein belastbares Angebot vorgelegt. Das gilt demnach auch für den chinesischen Investor Shenzhen Oriental Fashion, der die Markenrechte für China erworben hat und auf dem viele Hoffnungen ruhten.

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