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Mittelstandsanleihen : Eterna versucht es mit neuer Anleihe

Gut sortiert: Hemden von Eterna warten auf Kunden Bild: Eterna Holding GmbH

Der Hemdenhersteller Eterna muss im Oktober eine Anleihe zurückzahlen. Zur Refinanzierung soll auch eine neue Anleihe begeben werden. Ein mutiges Unterfangen in einem schlechten Markt.

          Der Markt für Mittelstandsanleihen gilt zwar vielen als tot, aber nicht alle Unternehmen ficht diese Auffassung an. Der Hemden- und Blusenhersteller Eterna bietet nun als Teil der Refinanzierung einer Alt-Anleihe eine neue Schuldverschreibung an, die mit einem Volumen von 25 Millionen Euro sogar verhältnismäßig groß ausfallen soll.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie deckt zwar weniger als das halbe Volumen der Anfang Oktober fälligen, mit 8 Prozent verzinsten Anleihe ab, der Rest von rund 28 Millionen Euro soll indes aus einem Schuldscheindarlehen im Umfang von 33 Millionen Euro kommen. Dieses laufe bei einem Zinssatz von 4,75 Prozent über dem Zinssatz 3-Monats Euribor (aktuell also 4,42 Prozent) bis zum Jahr 2021 und sei „mit einer deutschen Geschäftsbank mit Investment Grade Rating vereinbart“.

          Diese Formulierung sei in Abstimmung mit der Bank gewählt worden. „Nach unserem Verständnis ist es auch Marktusance, dass Banken bei der Vergabe von Krediten keine Offenlegung wünschen“, heißt es von Eterna. Es handele sich um ein sehr renommiertes Institut. 

          Strafzinsen für schlechte Zahlen

          Die geplante Anleihe soll wie der Vorgänger über fünf Jahre laufen und mit 7,75 Prozent etwas niedriger verzinst werden. Für Eterna wird die Emission aber insofern teurer, als die Alt-Anleihe mit einem Aufschlag von 7,08 Prozentpunkten auf den Referenzzins (Mid-Swap) begeben wurde. Diesmal beträgt der Aufschlag jedoch 7,59 Prozentpunkte. Die Zeichnung hat am Mittwoch begonnen und soll am 1. März enden.

          Zusätzlich zu den Sicherungsbedingungen (Covenants) der ersten Anleihe verpflichtet die neue Schuldverschreibung Eterna zur Einhaltung bestimmter Finanzkennziffern. Sollte etwa das Verhältnis von Nettoverschuldung und operativem Gewinn zum 30. September den Wert von 6,5 überschreiten, erhöht sich der Zinssatz für die folgende Zinsperiode um 0,5 Prozent. Für die folgenden Jahre gelten niedrigere Kennziffern. Gleichermaßen bestraft wird, wenn der operative Gewinn an einem 30. September eines jeden Jahres nicht wenigstens doppelt so hoch ist wie die liquiditätswirksamen Zinsen.

          Deutlich weniger Zinslasten

          Die Anleihe richtet sich nicht nur an neue Interessenten. Den Inhabern der Alt-Anleihe zahlt Eterna einen Zinsbonus von 2,5 Prozent, wenn sie ihre bald fälligen Schuldverschreibungen in neue Papiere tauschen.

          Eterna kann mit diesem Konzept – vorbehaltlich seiner Umsetzung wie geplant – die jährliche Zinsbelastung spürbar um schätzungsweise eine Million Euro jährlich senken. Das gilt zumindest solange, wie keine deutliche Zinsänderung eintritt. Da aber erst bei einem Euribor von rund 7,5 Prozent die Zinsbelastung die gleiche wäre wie jetzt, scheint das wenig wahrscheinlich. Die Rekordhöhe des Satzes lag bisher bei 5,393 Prozent. Sollte er auf 7,5 Prozent steigen, dürfte (nicht nur) Eterna noch ganz andere Sorgen haben.

          Hohe Zinsen, rote Zahlen

          Eternas wirtschaftliche Lage ist kompliziert. Seit 2011 ist es gelungen, den Umsatz leicht zu steigern. Im Jahr 2016 dürfte er erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke erreicht haben, doch ist dies dann unter dem Strich nur ein Anstieg von 5,3 Prozent oder etwa einem Prozent pro Jahr. Für einen deutschen Hemdhersteller ist das allerdings schon ein Erfolg.

          Der operative Gewinn hat sich nach einem Rückgang seit dem Jahr 2013 wieder erholt, doch erreichte er auch im Jahr 2015 das alte Niveau noch nicht ganz wieder. Vor allem aber schreibt Eterna unter dem Strich weiter Verluste, die in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 gegenüber der Vorjahresperiode auch wieder leicht angestiegen sind.

          Die Verschuldungssituation, gemessen am Verhältnis von Nettofinanzverschuldung und operativem Gewinn könnte beim Sieben- bis Achtfachen zwar besser sein, ist aber seit Jahren in etwa stabil. Dennoch fehlt es dem Unternehmen, das einen ungedeckten Fehlbetrag von zum 30. September 23 Prozent der Bilanzsumme mit sich herumschleppt, an Eigenkapital. Vor fünf Jahren, bei Begebung der Anleihe, verfügte Eterna noch über immerhin vier Prozent Eigenkapital.

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