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Mittelstandsanleihen Steilmann-Boecker mit interessanter Textil-Anleihe

 ·  Der Modehändler Steilmann-Boecker bietet eine neue Anleihe zu 6,75 Prozent an. Das Unternehmen steht derzeit solide da, will allerdings deutlich wachsen.

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Der Markt für Mittelstandsanleihen scheint immer wieder Emittenten aus bestimmten Branchen besonders anzuziehen. Waren dies im vergangenen Jahr vor allem unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, aber auch häufig Autozulieferer, so könnten es in diesem Jahr vielleicht die Textilunternehmen werden. Nach dem Sportbekleidungshersteller Golfino und dem Hemdenhersteller folgt nun das Modeunternehmen Steilmann-Boecker.

Das mit insgesamt 15 Läden vor allem in Nordrhein-Westfalen vertretene Unternehmen will in der kommenden Woche eine fünfjährige Mittelstandsanleihe (Isin: DE000A1PGWZ2) mit einem Volumen von bis zu 30 Millionen Euro begeben, die mit 6,75 Prozent verzinst werden soll.

Aus der Asche

Bekannt ist vor allem der Name Steilmann. Die Gruppe war einst Europas größter Konfektionär. Doch weil der charismatische Klaus Steilmann, der einst Wattenscheid 09 zu einer kurzen Episode in der Fußball-Bundesliga verholfen hatte, zu spät mit der Suche nach dem Nachfolger begann, stieg der Konzern ab.

1989 hatte Steilmann noch 1,5 Milliarden Mark umgesetzt. Doch schon in den Neunzigern hatte die zunehmende Globalisierung, die fallende Weltmarktpreise für Textilien zur Folge hatte, das Unternehmen immer mehr in Bedrängnis gebracht. Steilmann hielt zu lange an den deutschen Produktionsstätten fest, 1999 zog sich Klaus Steilmann aus dem aktiven Geschäft zurück. Im Wechsel folgten sowohl familienfremde Manager als auch seine drei Töchter an die Unternehmensspitze.

Es kam zu andauernden konzeptionellen Neuausrichtungen und  Querelen innerhalb der Familie und des Managements. 2004 war der Umsatz unter 200 Millionen Euro gefallen. Von der Insolvenz bedroht, wurde das, was von Steilmanns Werk geblieben war, im Jahr 2006 weitgehend an die italienische Mode-Gruppe Miro Radici aus Bergamo verkauft.

Italiener mit starker Deutschlandbindung

Diese hatte 2005 schon die Reste des in die Insolvenz gegangenen Filiallisten Joh. C. Boecker übernommen und daraus das heutige Unternehmen geformt, das nun als Steilman-Boecker Fashion Point das Handelssegment der Gruppe bildet, die sich als Bekenntnis zum deutschen Markt von Miro Radici in Steilmann Holding umbenannt hat.
Emittent der Anleihe ist indes Steilmann-Boecker, das im vergangenen Jahr knapp 56 Millionen Euro umsetzte und dabei einen Überschuss von fast 2 Millionen Euro erzielte. Das war rund ein Sechstel mehr Umsatz als im Vorjahr, aber eine Steigerung des Überschusses auf mehr als das Doppelte.

Allerdings war im Jahr davor trotz eines Umsatzanstiegs von 14 Prozent der Überschuss um rund ein Drittel auf 923.500 Euro gefallen. Hier schlug die Übernahme und Verschmelzung der der Fashion Factory-Store GmbH (FFS) von der Konzernmutter zu Buche. In den FFS-Läden wird nicht abverkaufte Ware der Filialen sowie Ware aus anderen Textilunternehmen der Steilmann-Gruppe aus der Vorsaison zu besonders günstigen Preisen vermarktet. Die übrigen zehn Geschäfte laufen unter dem Namen Boecker.

Finanzlage zur Emission deutlich verbessert

Seine Finanzlage hat Steilman-Boecker rechtzeitig zur Emission deutlich verbessert. Hatte das Unternehmen 2010 noch Nettoschulden von 6,6 Millionen Euro, was dem 1,7fachen des operativen Gewinns entsprach, so sind es derzeit nur noch 2,3 Millionen Euro. Das wurde durch Umwandlung von Darlehen der Steilmann Holding und Zuführung in die Kapitalrücklage erreicht, was gleichzeitig die Eigenkapitalquote von schwächlichen 8,8 Prozent auf solide 35 Prozent erhöhte.

Michele Puller, Vorstandsvorsitzender der Steilmann Holding und Geschäftsführer von Steilmann-Boecker sieht darin ein klares Bekenntnis der Eigentümer zum Unternehmen. Man habe ein strategisches Signal senden wollen, dass die Eigentümerfamilien Puller und Radici sich zur Zukunft des Unternehmens bekennen.

Bankschulden hat das Unternehmen keine. Solche hat die Holding , die bislang die Finanzierung übernahm. Steilmann-Boecker wird sich indes künftig selbständig finanzieren. Mittelzuflüsse sollen im Unternehmen verbleiben und zur Bedienung der Zinsen verwendet werden.

Nur Erfüllungsübernahme

Ungewöhnlich ist indes die Besicherung der Anleihe. Der Prospekt enthält weder eine Kontrollwechselklausel noch Verschuldungsgrenzen, Verkaufsgrenzen für Vermögenswerte oder ähnliche den Anlegern vertraute Bedingungen. Stattdessen hat die Steilmann Holding eine Erfüllungsübernahme für das Wertpapier abgegeben. Danach ist diese im Zweifelsfall dazu verpflichtet, die Zahlungen für die Anleihe zu leisten. Indes übernimmt sie damit nicht die Schuld, so dass den Gläubigern keine unmittelbaren Ansprüche gegenüber der Holding entstehen. Puller sieht darin eine ausreichende Absicherung der Ansprüche der Gläubiger.

Eine Kontrollwechselklausel sei für Familienunternehmen im Grunde überflüssig. Die 1929 gegründete italienische Miro Radici befindet sich seitdem im Familienbesitz. Puller hatte Anfang der achtziger Jahre die Aktivitäten der Familie in Deutschland übernommen und 1995 den Vorläufer der Steilmann Holding, die Radici Trading GmbH gegründet, ist mit dem deutschen Markt also sehr stark verwachsen und spricht nicht zuletzt fließend Deutsch. Co-Geschäftsführer Massimo Giazzi ist seit 1994 dabei.

Von der Matratze bis zum Sommer-Top

Über die finanzielle Situation der Holding sind die Informationen etwas spärlicher. Der Umsatz für das Jahr 2011 wird mit 699 Millionen Euro angegeben, der operative Gewinn mit 45 Millionen. Die Eigenkapitalquote habe 23,3 Prozent betragen, die Nettofinanzschulden 130 Millionen Euro. Auch diese Kennziffern lesen sich durchaus akzeptabel.

Zur Holding gehören neben Steilmann-Boecker diverse Mode-Labels sowie ein Heimtextilbereich. Hier sieht man sich als „Non-Food-Spezialist für den globalen Handel“ und bietet Teppiche, Matratzen, Bettwäsche und Bekleidung an.

Steilmann-Boecker sieht seine Zielgruppe in den Über-35jährigen und hat seine Kunden stark an sich gebunden. 65 Prozent des Umsatzes werden mit den Besitzern von Kundenkarten getätigt. Mit den Erlösen aus der Anleihe will Steilmann-Boecker vor allem das weitere Wachstum finanzieren. Ab 2013 sollen rund 6 Millionen Euro in drei bis vier neue Filialen investiert sowie bestehende Filialen modernisiert werden.

Weiter soll das Warenangebot erweitert und das so gestiegene Umlaufvermögen finanziert werden. Darüber hinaus sollen laufende Lieferantenverbindlichkeiten zurückgeführt und vermehrt Einkaufsvorteile durch branchenübliche Skonti ausgeschöpft werden, wofür eine frei verfügbare Liquidität in Höhe von 8,5 Millionen Euro für Vorauszahlungen erforderlich sei.

Hohes Anleihevolumen

In ihrem noch nicht veröffentlichten Rating-Bericht bescheinigen die Analysten der Creditreform Steilmann-Boecker mit der Note „BBB“ eine stark befriedigende Bonität. Die Planungen seien ambitioniert, aber erreichbar.

Insgesamt macht das Unternehmen hinter der Anleihe einen recht soliden Eindruck. Das Volumen ist im Verhältnis zur Größe allerdings recht hoch, was einen deutlichen Verschuldungsanstieg bewirken wird. Die Analysten von Independent Research schätzen die Eigenkapitalquote für 2012 daher nur noch auf 18 Prozent und rechnen mit einem Anstieg des Verhältnisses von Nettoschulden und operativem Gewinn auf 2,3.

Puller will den Umsatz in den kommenden fünf Jahren mehr als verdoppeln, so dass Steilmann-Boecker in die Verschuldung hineinwachsen könnte. Bange ist ihm nicht. In der Unternehmensgröße sieht er eine Wachstumschance. Seine Devise sei, vier Füße am Boden zu haben und wachse lieber etwas langsamer, dafür nachhaltig. Auch Eurokrise und Konjunktursorgen schrecken ihn nicht. Er höre immer, die Textilbranche sei konjunkturabhängig. Wenn es denn eine Abhängigkeit gebe, dann von gutem Personal. Dieses sei der Schlüssel. Auch Gerry Weber sei ein erfolgreiches Unternehmen, während andere in derselben Zeit glückloser agiert hätten.

Kupon im Branchenvergleich mit leichtem Bonus

Behält Steilmann-Boecker den bisherigen Kurs bei und kann seine Versprechen erfüllen, so ist die Anleihe sicher eine vergleichsweise solide Anlage. Indes ist der Kupon mit 6,75 Prozent nicht übermäßig hoch ausgefallen und bietet gegenüber dem Referenzzinssatz nur einen Aufschlag von rund 5,6 Prozentpunkten. Der mit BBB+ etwas besser eingeschätzte Immobilienentwickler Eyemaxx bot zuletzt einen Aufschlag von 6,2 Prozentpunkten. Indes musste das Unternehmen damit den Anlegern auch die zweite Emission etwas schmackhafter gestalten.

Vergleicht man den Kupon indes mit Golfino und Seidensticker, so bieten sich auch hier Chancen. Golfino bot seinerzeit einen nur leicht höheren Aufschlag bei einem um eine Stufe schwächeren Rating von „BBB-„. Seidensticker bot bei zwei Stufen weniger sogar einen etwas niedrigeren Aufschlag. Hier kam der Markenname zu Hilfe. Scope bewertet die finanzielle Stärke der Unternehmen nur mit den Noten „BB“ bzw. „B“ zwei bzw. vier Stufen schlechter. Es bleibt abzuwarten, wie die Bewertung von Steilmann-Boecker ausfallen wird.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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