Das bisweilen misstrauisch beäugte Segment der Mittelstandsanleihen wächst weiter. Am Stuttgarter Börsensegment Bond-M steht mit dem Werkzeugmaschinenbauer MAG IAS ein weiterer Emittent in den Startlöchern.
Das Unternehmen aus Göppingen will bis zum 04. Februar eine Anleihe mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Zinskupon von 7,5 Prozent an den Mann bringen.
Deutliche Spuren der Finanzkrise
MAG IAS sieht sich als weltweit führend in der Branche und betont aus verschiedenen deutschen Traditionsunternehmen hervorgegangen zu sein. Zwischen 2005 und 2006 hatte die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Maxcor durch eine Reihe von Firmenzukäufen die MAG Industrial Automation Systems formiert, zu der unter anderem die frühere Zerspanungstechniksparte von Thyssen-Krupp gehörte. Von der IWKA wurden die Werkzeugmaschinen-Aktivitäten von Ex-Cell-O erworben.
Aus dieser wurde letztlich dann die MAG IAS Gmbh als Teil der MAG-Gruppe, zu der nunmehr acht Unternehmen der Gruppe gehören. Hauptanteilseigner ist nach wie vor der frühere Vorstandsvorsitzende der mit BGC Partners verschmolzenen Maxcor, Mo Meidar. Beliebt hat er sich durch die Verschmelzungen und Übernahmen nicht gemacht. So wird ihm der Niedergang des Offenburger Maschinenbauers Witzig & Frank in der Finanzkrise angelastet.
Diese hatte sich bei MAG IAS deutlich bemerkbar gemacht, auch wenn das Unternehmen auf seinen Internet-Seiten darauf hinweist, dass aufgrund der diversen Verschmelzungen des Jahres 2010 die Auftrags- und Ertragspositionen nur bedingt mit den Vorjahren vergleichbar seien. Jedenfalls sanken die Umsatzerlöse 2009 von 208 auf 139 Millionen Euro, in beiden Jahren gab es Verluste im einstelligen Millionenbereich. Der Auftragseingang schrumpfte von 221 auf 125 Millionen Euro.
Gewinnrisiken
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres wurden dagegen ein Umsatz von 249 Millionen Euro und ein Betriebsergebnis von 5,3 Millionen Euro erzielt. Der Auftragseingang betrug 187 Millionen Euro und sei bis zum Jahresende auf 400 Millionen Euro gestiegen. Allerdings sind diese Zahlen wohl nur eingeschränkt vergleichbar, was die Transparenz verringert.
Insgesamt ist der MAG-Konzern mit seinen 23 Untergesellschaften nicht einfach zu durchschauen. Die Tatsache, dass die Emittentin zudem keinen Konzernabschluss vorlegt, weil sie dazu seit Jahresanfang nicht mehr verpflichtet sei, hilft auch nicht, obgleich im Prospekt betont wird, dass diese aufgrund der erfolgten Umstrukturierungen keine weiteren, wesentlichen Informationen für die Anleger enthielten. Immerhin besteht bis mindestens 2015 ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der mit der MAG Europe GmbH, zu der neben MAG IAS noch vier weitere Gesellschaften gehören.
Gewinne sollen zwar mit bestehenden Forderungen verrechnet werden, doch liegt obendrein ein Besserungsschein über Verbindlichkeiten von mehr als 70 Millionen Euro mit der nicht zum Konzern gehörenden MAG Industrial Automation Systems LLC vor, der ab einer gewissen Gewinnhöhe wieder auflebt. Danach hat MAG IAS die Hälfte des maßgeblichen Gewinns eines Wirtschaftsjahres abzuführen, sofern dieser 8 Millionen Euro übersteigt. Diese Verpflichtung ist zwar den Verpflichtungen aus der Anleihe nachgeordnet, doch könnten sich Zahlungen negativ auf Liquidität und die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Emittentin auswirken, heißt es im Prospekt.
Wenig Finanzschulden, hohe Pensionsrückstellungen
Dagegen weist MAG IAS in der ungeprüften Bilanz zum 30. September lediglich Wechselverbindlichkeiten von 4,7 Millionen Euro aus und keine weiteren Finanzschulden. Dagegen drücken aber 83,6 Millionen Euro an Pensionsrückstellungen.
Creditreform erkennt dem Unternehmen die Bonitätsnote „BB+“ zu, was für eine befriedigende Bonität bei mittlerem Insolvenzrisiko steht. Die Ausfallwahrscheinlichkeit bezogen auf 5 Jahre, also die Laufzeit der Anleihe beträgt nach Creditreform-Angaben damit doch immerhin 9 Prozent.
Die Analysten bemängeln unter anderem die bisher unzureichend ausgebildete Ertragskraft der verschmolzenen Unternehmenseinheiten. Aus der Bilanz ließen sich nicht unerhebliche
Risiken und Unwägbarkeiten erkennen, die nur durch eine nachhaltig verbesserte
Innenfinanzierungskraft überwunden werden könnten.
Die Unternehmensprognose bis 2013 die Gesamtleistung um 86 Prozent auf 554 Millionen Euro und die betriebliche Marge von 2 auf 10 Prozent zu steigern, nennt Creditreform angesichts der noch nicht abschließend vollzogenen Integration der verschmolzenen Unternehmen ambitioniert.
Anleihe soll Liquiditätssituation verbessern
Der Liquiditätsspielraum von 25 Millionen Euro sei angesichts der Anforderungen durch Besserungsschein, Gewinnabführungsvertrag und Pensionsverpflichtungen gering. Chancen für eine weiter stabile Entwicklung sehen die Analysten bei ausgewogenem Management von Liquidität und Betriebskapital sowie gezielten Verbesserungen der Innenfinanzierungskraft. Für eine nachhaltige finanzielle und unternehmerische Flexibilität wäre jedoch die Bereitstellung weiterer Finanzmittel von Vorteil.
Dies soll nun auch die Anleihe gewährleisten, mit deren Hilfe MAG IAS die Entwicklung neuer Technologien sowie den Ausbau des Service-Angebots finanzieren will. Zudem sollen neue Softwareprodukte zur Produktionsoptimierung entwickelt, die neuen Geschäftsbereiche Luftfahrt und erneuerbare Energien in Deutschland entscheidend vorangebracht und das Wachstum in Asien forciert werden.
Insgesamt erscheint die Entwicklung und die nachhaltige Zahlungsfähigkeit der MAG IAS stark konjunkturabhängig zu sein, wie nicht zuletzt der Einbruch in der Branche in der Krise gezeigt hat. Obendrein ist sie derzeit noch stark auf die Automobilindustrie fixiert.
Mit 7,5 Prozent liegt die Anleihenrendite über der der Bond-M-Emissionen von Rena und Solarwatt mit 7,0 Prozent. Letzteres Unternehmen erhielt von Creditreform ebenfalls die Bonitätsnote „BB+“, ersteres diese Note von Euler-Hermes. Mit 7,75 Prozent wird eine im Juni 2015 fällige Anleihe des spanischen Glücksspielkonzerns Codere gehandelt. Dieser wird von den internationalen Rating-Agenturen Moody's und S&P allerdings mit Bonitätsnoten von „B2“ bzw. B allerdings vier Noten schwächer eingeschätzt als auf der vergleichbaren Creditreform-Skala, wobei die Rating-Prozesse kaum zu vergleichen sind.