Brand-Bonds sind das Stichwort am Markt für Mittelstandsanleihen. Wenn Underberg, Seidensticker oder Katjes draufsteht, dann kann der Inhalt ja nicht schlecht sein, scheint das Räsonnement so manchen Anlegers zu lauten. Das auf Schlecker genauso ein bekannter Name stand wie weiland auf Philipp Holzmann, wird dabei gern unterschlagen. Ein großer Name bürgt weder für gutes Management noch für Potential, sondern allenfalls für eine große Vergangenheit.
Das vorausgeschickt, sollte man es nicht überbewerten, wenn die geplante Plazierung von Anleihen im Volumen von 30 Millionen Euro mit einem Zinssatz von 7,375 Prozent durch die Karlsberg Brauerei, so erfolgreich verlaufen wird, wie zu erwarten ist. Viel eher sollte man den Einzelfall beurteilen, wie es eigentlich immer sein sollte, wenn man sich entscheidet einem Unternehmen via Anleihe einen Kredit zu gewähren.
Der große Unterschied in einem Buchstaben
Zunächst muss eines klar sein: Karlsberg ist nicht Carlsberg. Karlsberg ist eine mittelständische Brauerei aus dem saarländischen Homburg mit einem Getränkeabsatz im vergangenen Jahr von rund 2,8 Millionen Hektoliter und einem Umsatz von 161,8 Millionen Euro. Carlsberg dagegen ist eine dänische Brauerei mit einem Jahresbierabsatz von zuletzt 118,7 Millionen Hektoliter und der Umsatz 8,5 Milliarden Euro.
Dies verdeutlicht die Größe von Karlsberg und dass das Unternehmen auf dem internationalen Getränke Markt nur ein kleiner Mitspieler ist. Die Karlsberg Brauerei ist daher auch kein international agierender Konzern, sondern verkauft in Deutschland Bier und Biermixgetränke unter dem Markennamen Karlsberg, Gründel’s, Mixery sowie Zischke Kellerbier.
Holpriger Absatz
Der Umsatz des Unternehmens ging 2011 leicht zurück, nachdem er 2010 deutlich um 17 Prozent gefallen war. Seinerzeit ging vor allem der Absatz der sonst so erfolgreichen Bier-Mixgetränke deutlich zurück. Gründe sind aus öffentlichen Quellen dafür nicht zu erfahren, weil der entsprechende Jahresabschluss der Brauerei nicht veröffentlicht wurde. Der Konzernabschluss des Unternehmensverbundes Karlsberg verweist auf einen durch die Rezession rückläufigen Umsatz.
2012 soll der Umsatz weiter auf rund 150 Millionen Euro sinken, weil die Brauerei ihr margenschwaches Handelsmarkengeschäft reduzieren will, das bislang rund zwei Drittel des Absatzes ausmachte. Gemäß dem Halbjahresbericht ist der Umsatz hat sich der Umsatz im ersten Halbjahr 2012 allerdings nur leicht verringert. Denn während laut Rating-Gutachten der Creditreform bis Mai der Absatz der Handelsmarken um fast ein Viertel stieg, fiel der der Eigenmarken um 6 Prozent. Damit wurden die Unternehmensziele in dieser Hinsicht klar verfehlt.
Keine hohen Margen
Unter dem Strich bleiben 2011 1,6 Millionen Euro übrig. Das ist keine wirklich überzeugende Marge, auch wenn sich diese gegenüber 2010 deutlich um knapp 30 Prozent verbessert hat und diese 2009 mit 0,34 Prozent noch einmal deutlich schwächer war. Auch der geplante Gewinn von 1,7 Millionen Euro im Jahr 2012 zeigt die insgesamt eher schwache Verfassung des deutschen Biermarktes. Der gesamte Gewinn der Brauerei wird an die Alleingesellschafterin der Brauerei, die Karlsberg Holding, abgeführt. Diese befindet sich im Eigentum der Karlsbergbrauerei KG Weber, der Familienholding der Gründerfamilie Weber.
Die Holding, zu der bekannte Marken wie Königsbacher und über eine Beteiligung an der Mineralbrunnen Überkingen Mineralwasser auch Hirschquelle, Teinacher, Afri-Cola, Bluna sowie Vaihinger und Merziger gehören, ist zum Verlustausgleich verpflichtet. Gleichzeitig sind der französische Teil des Konzerns sowie der Getränkegroßhändler Vendis die größten Kunden der Brauerei.
Eigenkapital- und Verschuldungsverpflichtungen
Karlsberg verpflichtet sich gegenüber den Anleihegläubigern bestimmte Bedingungen einzuhalten. Besonders bemerkenswert ist, dass die Eigenkapitalquote der Brauerei im Jahres- und Halbjahresabschluss 20 Prozent nicht unterschreiten darf. Ende 2011 lag sie bei 27,6 Prozent, zum 30. Juni 2012 war sie auf 26 Prozent gefallen. Auch die Holding ist auf eine Mindesteigenkapitalquote von 25 Prozent und ab dem Jahresabschluss 2014 sogar auf 40 Prozent verpflichtet. Die der Holding wird nachrichtlich auf 38 Prozent beziffert. Sollten die Unternehmen dagegen verstoßen, steigt der Zinssatz bis zur Wiederherstellung um einen Prozentpunkt. Obendrein treten dann bestimmte Ausschüttungssperren in Kraft.
Obendrein darf die Bruttofinanzverschuldung der Brauerei im Jahresabschluss 55 Millionen Euro nicht überschreiten. Nicht ganz klar ist dabei, inwieweit die Verbindlichkeiten der Brauerei gegenüber verbundenen Unternehmen dabei mit eingerechnet werden. Da sich aber einschließlich des geplanten Anleihevolumens auch ohne diese eine Bruttofinanzverschuldung von rund 56 Millionen Euro ergibt, dürften diese nicht dazu gehören, zumal eine Verwendung des Emissionserlöses zur Entschuldung nicht explizit vorgesehen ist.
Schwaches erstes Halbjahr
Vielmehr soll weiter in die Hausmarken investiert werden, wobei Liquidität und Ertrag des Unternehmens verbessert werden sollen. Insgesamt will sich Karlsberg im Biergeschäft auf Rheinland-Pfalz und das Saarland konzentrieren, während das Geschäft mit Biermixgetränken in Deutschland ausgebaut werden soll.
Das erste Halbjahr lief auf der Ertragsseite schwach. Der Gewinn belief sich gerade einmal auf 79.986 Euro, der operative Gewinn lag mit rund 1,6 Millionen Euro um mehr als eine Million unter dem Vorjahresniveau. Ende 2011 lag die Nettofinanzverschuldung etwa auf dem Niveau des operativen Gewinns. Zur Jahresmitte ist die Nettofinanzverschuldung um rund 70 Prozent gestiegen, der operative Gewinn dagegen deutlich gefallen. Da die Ertragsziele erreicht werden sollen, könnte es am Ende des Jahres wieder besser aussehen. Immerhin erzielte Karlsberg den Löwenanteil des operativen Gewinns auch 2011 im zweiten Halbjahr.
Kein mitreißendes Marktumfeld
Letztlich aber befindet sich die Brauerei wie auch die Holding in keinem günstigen Marktumfeld. Die Beteiligung Mineralbrunnen Überkingen-Teinach hat sich nach 2008 gesund schrumpfen müssen und nur durch diese Sondererträge Gewinn erwirtschaftet. 2012 sollen sich die Umsätze stabilisieren und sich das Ergebnis dank Restrukturierung verbessern.
Angesichts dieser immer noch schwierigen Lage überrascht es nicht, dass die Analysten der Creditreform dem Unternehmen lediglich die Bonitätsnote „BB-„ verliehen haben, die der des Getränkeherstellers Valensina entspricht. Mit einer Rendite von 7,375 Prozent liegt die Rendite der Karlsberg-Anleihe um rund einen Prozentpunkt über der von Valensina. Wer insofern von Valensina überzeugt ist, könnte sich überlegen, die Anleihen zu tauschen. Zudem kann Karlsberg die Anleihe ab 2015 jährlich vorzeitig kündigen. In diesem Fall steigt die Rendite auf knapp 8 bzw. 7,6 Prozent.
Vieles ist möglich
In dem sich konsolidierenden Biermarkt ist vieles möglich. Ob sich der Mittelständler Karlsberg wird behaupten können, ist offen, zumal es mit den Brauereien Bitburger, Bellheimer oder Eichbaum im Südwesten starke Konkurrenz gibt. Sollte die Gründerfamilie Weber, die zwar erst seit 2009 nach einem missglückten Einstieg der Brau Holding International wieder alle Konzernteile vollständig kontrolliert, sich zu einem Verkauf entschließen, gäbe dies den Anleihegläubigern immerhin einen vorzeitigen Kündigungsgrund.
Mit Zurückhaltung sind die Verschuldungsklauseln zu bewerten. Wirklich wirksam sind sie nur dann, wenn es auch einigermaßen gut läuft. So hatte der erste Pleitier am Mittelstandsmarkt, die SIAG Schaaf, in ihren Anleihebedingungen einst eine Begrenzung der Bruttofinanzverschuldung auf 100 Millionen Euro und eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent festgeschrieben. Die Insolvenz hat dies nicht verhindert. Plaziert wird die Anleihe übrigens von der IKB, die auch die Anleihe von SIAG Schaaf begleitet hatte.
Liquidität ist m.E. das eigentliche Problem
Thomas Berger (tberger)
- 04.09.2012, 08:07 Uhr