16.11.2009 · Die Risiken der Anleihen rund um die mittelständische Beteiligungsgesellschaft Ponaxis waren von Anfang an nicht ohne. Mittlerweile ist das Firmengeflecht ins Rutschen gekommen.
Von Martin HockRund um die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Ponaxis ist in den vergangenen Jahren ein mittelständisches Beteiligungsnetzwerk entstanden, dessen Finanzierung nicht nur über Eigenkapitalemissionen, sondern zum Gutteil auch auf der Ausgabe von Anleihen beruhte.
Schon 2005 hatte FAZ.NET auf das Risiko aufgrund der teilweise geringen Eigenkapitalbasis einiger Emittenten hingewiesen. Jetzt scheint das Netzwerk ins Rutschen gekommen zu sein. Ausgangspunkt war der Insolvenzantrag des Ponaxis-Großaktionärs HPE Hanseatic Private Equity im März. Das Unternehmen hatte die Beteiligungskäufe im wesentlichen über zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 12 Millionen Euro finanziert.
Verluste, Verluste, Verluste
Im August dann gab Ponaxis bekannt, dass der Wert der Tochter HPA Hanseatic Participation niedriger angesetzt werden müsse, nachdem diese die Beteiligungen Hanse Chemie und Nanoresins für einen einstelligen Millionenbereich und damit unter dem ursprünglichen Anschaffungspreis veräußert habe.
Dem folgte vor wenigen Tagen die Mitteilung, dass infolge dieser Neubewertung sowie einer gleichzeitigen Wertberichtigung auf die zweite von drei Töchtern, der Tec-Equity AG, ein Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals eingetreten sei.
Der Grund für letzter Neubewertung wurde vergangene Woche aktenkundig: Die einzige Beteiligung der Tec-Equity, der börsennotierte Kühlanlagenbauer Cargofresh beantragte Insolvenz aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit. Ein Grund dafür war der Umstand, dass Ponaxis nicht bereit gewesen sein, einen Überbrückungskredit zu gewähren.
Die der HPA gehörende Logistikholding Intelis, zu der derzeit noch das Unternehmen Arrivo gehört, legte dieser Tage ihren Jahresbericht für 2008 und für das erste Halbjahr 2009 vor. Demnach betrug das Eigenkapitaldefizit schon zu Jahresbeginn 19 Prozent . Im ersten Halbjahr schrumpfte der Umsatz um 35 Prozent auf 2,9 Millionen Euro. Das Defizit wuchs auf knapp 25 Prozent. Über Wasser hielt die AG der Verkauf der Tochter HDM an Ponaxis, wodurch es nach eigenem Bekunden größtenteils von zinstragenden Belastungen befreit wurde.
Ärger um Driver & Bengsch
Mittlerweile hat Ponaxis auch schon angekündigt, eine Gläubigerversammlung einberufen zu wollen. Cargofresh hat erste solche Versammlungen schon hinter sich. So wurde der Kupon der 2005 begebenen Anleihe auf 5 Prozent reduziert und die Fälligkeit um zwei Jahre bis zum 30.6.2012 verlängert.
Die Überlebens- und Schuldentilgungsfähigkeit der Gesellschaften scheint unterschiedlich einzuschätzen zu sein. Im Falle der Hanseatic Private Equity, über die es kaum Informationen gibt, raten Anlegerschutzanwälte dazu, Schadensersatzansprüche gegen das Wertpapierhandelshaus Driver & Bengsch, das jetzt Accessio heißt, geltend machen, sofern sie im Beratungsgespräch nicht auf die Risiken hingewiesen worden seien.
Driver & Bengsch hatten unter anderem die Anleihen der Ponaxis, Cargofresh und HPE vermittelt. Gleichzeitig war die HPE an Accessio über die Tochter EIB mit rund 6,7 Prozent beteiligt.
Schon früher war das Firmengeflecht rund um Ponaxis und damit auch Driver & Bengsch unter Druck geraten, als bei Intelis und Ponaxis Bilanzierungsfehler korrigiert werden mussten, wodurch etwa aus dem Jahresüberschuss von Ponaxis für das Jahr 2006 von 1,6 Millionen Euro ein Verlust von 8,1 Millionen wurde und die „Wirtschaftswoche“ Anfang 2009 über Accessio und das Ponaxis-Geflecht unter dem Titel „Netz der Geldabsauger“ negativ berichtete.
Optimismus und Ungewissheit
Optimismus herrscht hinsichtlich der Cargofresh. Vorstand Peter Wich rechnet fest mit der Fortführung. Die Technik des Unternehmens mache wesentlich längere Transportzeiten für Lebensmittel zu See möglich und sei vor allem von der Krise der Reedereien betroffen. Insolvenzverwalter Steffen Koch sagte dem Hambuger Abendblatt, er sei sehr optimistisch, dass es mit einer Konjunkturerholung zur Mitte des kommenden Jahres auch mit Cargofresh wieder bergauf gehen werde.
Indes wies Cargofresh zum 30. Juni nur noch eine Eigenkapitalquote von 13 Prozent auf, 12 Monate zuvor waren es noch 30 Prozent gewesen. der Umsatz war im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel gegenüber der Vorjahresperiode auf 5,1 Millionen Euro gefallen, der Fehlbetrag hatte sich auf 6,35 Millionen Euro mehr als verdreifacht.
Verluste oder im besten Fall niedrigere Renditen werden nicht ausbleiben. Wer beispielsweise die 2005 begebene Anleihe von Cargofresh von Anfang besaß, wird sich nun mit 6,94 Prozent Rendite, statt der projektierten 9 Prozent zufrieden geben müssen. Was aus den Ponaxis-Anleihen wird sich auf den Haupt- und Gläubigerversammlungen erst noch zeigen müssen. Und nur die Zeit wird zeigen, ob die mittelbar zu 50 Prozent zu Ponaxis gehördende Beteiligung CCG Cool Chain dem Strudel auf Dauer wird entziehen können.