Home
http://www.faz.net/-gvt-t162
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mittelstandsanleihe Hoher Zinskupon macht Anleihe von SIAG Schaaf verlockend

 ·  Mit der SIAG Schaaf Industrie AG begibt abermals ein Unternehmen aus dem Umfeld der Erneuerbaren Energien eine Anleihe, wenngleich sich das Unternehmen als Zulieferer versteht. Ein schwaches S&P-Rating sorgt für einen lukrativen Zinskupon.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Der Reigen der Mittelstandsanleihen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien hält an. Der 1999 aus einem Silobauer entstandene Zulieferer für die Windenergiebranche, SIAG Schaff Industrie AG, bietet eine fünfjährige Anleihe mit einem Zinskupon von 9 Prozent zur Zeichnung an.

SIAGs angestammtes Geschäft ist die Herstellung von Türmen sowie Maschinen- und Generatorträger für Windkraftanlagen, die derzeit noch vor allem in Tschechien erfolgt. Bis 2010 war das Unternehmen nur an Land tätig, nunmehr hat der Markt für im Meer befindliche Windparks (Off-Shore) stark an Bedeutung gewonnen. Hier produziert SIAG zusätzlich Gründungsstrukturen wie Dreifüße (Tripoden) und Gittertürme (sogenannte „Jackets“), auf denen die Windkraftanlagen errichtet werden.

Katastrophenjahr 2010

Zudem hat SIAG eine eigene Umspannplattform entwickelt, ein auf See befindliches Umspannwerk also. Dieses sei im Unterschied zu herkömmlichen Plattformen sowohl selbstschwimmend als auch selbst errichtend und durch seine geschlossene Bauweise wetterdicht und biete somit einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Plattformen, hebt Firmengründer und Haupteigner Rüdiger Schaaf hervor.

SIAG ist über Jahre hinweg gut gewachsen. Nachdem das Unternehmen in den neunziger Jahren noch 4 Millionen D-Mark Umsatz gemacht hatte, wuchs die Gesamtleistung bis 2009 auf 140 Millionen Euro an, wobei SIAG mit 14,8 Millionen Euro einen recht anständigen operativen Gewinn erzielte.

Dann folgte das Jahr 2010, das Finanzvorstand Roland Schüttpelz als „Katastrophenjahr“ bezeichnet. Die Gesamtleistung ging auf 133 Millionen Euro zurück und SIAG rutschte mit einem operativen Verlust von 3,7 Millionen Euro in die roten Zahlen. Im Zuge der Finanzkrise sank der Auftragseingang 2009 von 206 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 46 Millionen Euro. Hatte SIAG 2009 noch vom hohen Auftragsbestand profitiert, war dieser 2009 deutlich zusammengeschmolzen. Bestehende Aufträge wurden nicht mehr abgerufen und so wirkte sich die Finanzkrise mit Verzögerung auf das Unternehmen aus.

Werft übernommen

Dennoch investierte SIAG. In den Vereinigten Staaten wurde der Turmbauer Aerisyn Energy übernommen, in Ägypten in Form eines Gemeinschaftsunternehmens mit El Sewedy Cables ein Rohrturmwerk, vor allem für die Belieferung südeuropäischer Standorte gegründet. Zudem übernahmen das Unternehmen aus dem pfälzischen Dernbach von Thyssen-Krupp die Nordseewerke und transformierte die zu diesem Zeitpunkt auftragslose Werft zum Produktionsbetrieb für Off-Shore-Windanlagen.

Ein notwendiger Schritt, erklärt Schaaf, der dem Unternehmen teure Hafen- und Verladegebühren erspart, zudem bietet das Gelände genügend Raum zur Lagerung der schweren und riesigen Gründungsstrukturen. Jackets sind immerhin bis zu 65 mal 30 Meter groß und wiegen bis zu 700 Tonnen, was einen Transport über Land aufwändig, teuer, bisweilen kaum möglich macht.

S&P-Rating schwächer als erwartet

Die hohen Investitionskosten in Verbindung mit dem schwachen Jahr 2010 aber fordern nun ihren Preis. Man habe sich einem harten Rating stellen wollen, sagt ein etwas enttäuscht wirkender Rüdiger Schaaf auf der Analystenkonferenz, deswegen habe man sich für Standard & Poor's (S&P) entschieden. Nun müsse man mit dem Ergebnis leben, dass die Rating-Analysten das Unternehmen vorläufig nur mit der Note „B-“ im mittleren spekulativen Bereich bewerteten und der Anleihe sogar nur das Rating „CCC+“ verliehen.

Negativ bewertet Analystin Anna Steigert vor allem einen hohen Fremdkapitaleinsatz und ein anfälliges Geschäftsmodell. Die Nachfrage sei zyklisch, die Rentabilität schwach, das Verhältnis von bereinigter Verschuldung und operativem Gewinn werde Ende des Jahres voraussichtlich zwischen 5 und 6 betragen und erst 2012 unter 5 sinken können. Zudem habe SIAG in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt fast die Hälfte seines Umsatzes mit dem Generatorenbauer Repower getätigt und weise daher eine ziemlich konzentrierte Kundenbasis auf.

Gute Wachstumsperspektiven

Indes geht Steigert auch davon aus, dass SIAG von der deutschen Energiewende und dem derzeitigen Aufschwung in der Branche profitieren wird und billigt dem Unternehmen eine solide Marktstellung in Deutschland und etablierte Kundenbeziehungen zu. Sie rechnet mit einem Umsatzanstieg von 25 Prozent und einer Rentabilität wie vor der Finanzkrise.

SIAG selbst ist noch optimistischer. Der Auftragseingang des laufenden Jahres liege mittlerweile bei rund 225 Millionen Euro und soll bis Jahresende 500 Millionen Euro erreichen, rund zweieinhalb mal soviel wie 2008. Darauf basierend soll die Gesamtleistung 180 bis 190 Millionen Euro erreichen, 2012 will man die Marke von 300, 2013 von 400 Millionen Euro übersteigen. Zurückhaltender sind die Gewinnprognosen: 2010 will SIAG einen operativen Gewinn erzielen. Etwas mehr Gewicht auf diese Zukunftsaussichten zu legen, hätte sich SIAG von S&P gewünscht.

Verschuldungsgrenzen als Kaufargument

Dennoch steht die schwache Bonitätsnote, und diese bewirkt die hohe Verzinsung von 9 Prozent, was einem Aufschlag auf den Referenzzins der Banken von 6,3 Prozentpunkten entspricht. Dies liegt noch deutlich unter dem Renditeaufschlag von 6,8 Prozentpunkten, den die ebenfalls von S&P mit „B-“ bewertete 3W Power im vergangenen Dezember bezahlte und knapp über dem Renditeaufschlag von 6,1 Prozentpunkten, den der Solarpark-Start-Up Solar 8 im April zahlte. Dessen Creditreform-Rating lag übrigens bei „BB-“, so dass sich abermals zeigt, dass die Rating-Noten von S&P und Creditreform allenfalls eingeschränkt vergleichbar sind.

SIAG will Investoren daher mit anderen Vorteilen locken. So wird die Bruttofinanzverschuldung des Unternehmens auf 100 Millionen Euro begrenzt, sofern die Eigenmittelquote unter 30 Prozent liegt. Im Falle einer Verletzung entstehen Sonderkündigungsrechte, ebenso wie etwa im Falle des Zahlungsverzugs auf irgendeine Einzelforderung von mehr als 1,5 Millionen Euro.

Bei Bankschulden von 39,5 Millionen Euro zum Jahresanfang und einer Eigenmittelquote von rund 20 Prozent wäre diese Grenze nach vollständiger Plazierung des Anleihenvolumens von 50 Millionen Euro nahezu erreicht. Daher will SIAG mit dem Erlös auch einige Bankverbindlichkeiten ablösen. Das ist auch im Interesse der Gläubiger der Anleihen, da diese laut S&P den besicherten Bankkrediten im Rang nachstehen. Gemäß ihrem Zahlungsausfall-Szenario für 2014 rechnet Steigert auch deswegen nur mit einer Einbringlichkeit von 10 bis 30 Prozent der Nominale.

Erfolg der Erneuerbaren Energien weist den Weg

Für Anleger gilt insgesamt, dass sie mit der Anleihe auf den Erfolg der Expansion der SIAG setzen. Dafür gibt es gute Gründe, nicht zuletzt, dass angesichts der Energiewende die Förderung von Off-Shore- und On-Shore-Windparks gesichert erscheint. So wurde auch die jüngste EEG-Novelle, die der Bundesverband Windenergie so scharf kritisiert hatte (vgl. Mittelstandsanleihen: Eno Energy hält mögliche Förderkürzungen für bewältigbar), deutlich entschärft. Allerdings bleibt die Energiepolitik stets ein wunder Punkt.

SIAG sieht sich im Wettbewerb, vor allem innerhalb Europas gut aufgestellt. Asiatische Konkurrenz sei aufgrund der Transportprobleme vor allem bei Gründungsstrukturen nicht zu fürchten. In naher Zukunft soll das Unternehmen erst noch konsolidiert werden, auch wenn passende Zukäufe nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Trotz der von S&P deutlich hervorgehobenen Risiken macht der Zinskupon von 9 Prozent die Anleihe sehr interessant. Denn die Bonität des Unternehmens erscheint keinesfalls so deutlich schwächer, wie es der formale Abstand von drei bis vier Rating-Stufen suggeriert. Die Sicherheiten sind vergleichsweise hoch. Das Niveau der Auftragseingänge lässt zumindest für die Jahre 2011 und 2012 nicht bange werden. Nicht von ungefähr dürfte S&P als Basisjahr für sein Ausfallszenario 2014 gewählt haben. Das zeigt aber auch, dass sich in fünf Jahren auch vieles zum Schlechteren, aber selbstverständlich ebenso zum Besseren wenden kann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Wertpapiersuche
Renten und Zinsen
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Bund Future --  --
  Bobl Future --  --
  Euribor Future --  --
  REX (Kurs) --  --
  REX --  --
  Schatz Future --  --
  Libor EUR 1W --  --
  Libor USD 1W --  --
Zinsen