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EZB : Der Markt preist Zinserhöhungen für 2018 ein

Eine Erhöhung des Leitzinses für 2018 wird erwartet. Bild: dpa

Die Finanzmärkte stellen sich auf eine langsame Straffung der EZB- Politik ein. Teilnehmer an den Geld- und Anleihemärkten rechnen im kommenden Jahr mit einer Erhöhung des Leitzinses.

          Wenn die jüngste Kommunikation führender Geldpolitiker aus der Eurozone das Ziel haben sollte, die Finanzmärkte auf eine langsame Straffung der EZB-Politik einzustellen, ohne schwere Spannungen an den Märkten zu erzeugen, dann funktioniert die Strategie. Denn nun beginnen die Teilnehmer an den Geld- und Anleihemärkten, für das kommende Jahr Erhöhungen eines Leitzinses der Europäischen Zentralbank (EZB) einzukalkulieren. Erkennbar ist das an den Zinssätzen, die am Terminmarkt für künftige kurzfristige Ausleihungen unter Banken („Eonia“) gezahlt werden. Aus ihnen lässt sich eine wachsende Erwartung des Marktes auf zwei Erhöhungen des Zinses der EZB für Guthaben von Geschäftsbanken von jeweils 0,10 Prozentpunkten im kommenden Jahr erkennen. Derzeit beträgt dieser Einlagenzins minus 0,40 Prozent.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          In den vergangenen Wochen hatte sich an den Finanzmärkten die Ansicht verfestigt, dass die EZB im Herbst für das kommende Jahr eine Reduzierung ihrer monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro ankündigen wird. Neue Nahrung fand diese Ansicht durch Äußerungen des Gouverneurs der Banque de France, François Villeroy de Galhau. Er sagte, die EZB werde im Herbst über eine Änderung ihrer Geldpolitik beraten. Klaas Knot, der Präsident der Nederlandsche Bank, bemerkte, die EZB befinde sich in der Gefahr, zu lange an einer expansiven Geldpolitik festzuhalten.

          Benoît Cœuré, Mitglied des Direktoriums der EZB in Frankfurt, hatte Ende vergangener Woche daran erinnert, dass die EZB in den ersten Monaten dieses Jahres das Volumen der monatlichen Anleihekäufe um 20 Milliarden Euro reduziert habe, ohne damit Turbulenzen an den Finanzmärkten zu erzeugen. Dies hat manche Marktteilnehmer, darunter auch die Deutsche Bank, zu der Vermutung veranlasst, die EZB werde mit Wirkung von Januar 2018 eine Reduzierung ihrer monatlichen Wertpapierkäufe von 60 auf 40 Milliarden Euro bekanntgeben. Eine Reduzierung der Wertpapierkäufe gilt aus Sicht vieler Teilnehmer an den Finanzmärkten als unumgänglich, weil die EZB bei Anleihen mancher Länder, darunter auch Deutschlands, im kommenden Jahr an die selbstgesetzten Grenzen für Käufe stoßen würde. Eine aktuelle Umfrage der EZB bei Marktteilnehmern hat zudem zur Erkenntnis geführt, dass sich die Liquidität in den Anleihemärkten der Eurozone verringert.

          Bild: F.A.Z.

          Ein Ergebnis der Spekulation auf eine Reduzierung der Anleihekäufe ist in den vergangenen Wochen nicht nur ein genereller Anstieg der Anleiherenditen in Europa gewesen, sondern auch eine Vergrößerung der Renditeabstände zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen. Aus der Sicht der Commerzbank leitet diese Vergrößerung der Renditeabstände das nächste Kapitel der Neubewertung europäischer Anleihen ein. Die Bank erwartet daher weitere Renditeanstiege auch für Bundesanleihen.

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