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Libor-Affäre Wie die Banken den Zins manipuliert haben

Die britische Bank Barclays hat falsche Zinsen veröffentlicht - und dies womöglich sogar auf Druck der Notenbank. Ein unerhörter Skandal.

© F.A.Z. Der Zinsverlauf vor und nach dem ominösen Telefonat

Wütender hätte die junge Dame über den Rausschmiss ihres Papas nicht twittern können: „Die sollen sich doch gehackt legen“, wetterte die 23 Jahre alte Tochter von Bob Diamond über den britischen Schatzkanzler George Osborne und den Oppositionsführer Ed Miliband. „Es gibt niemanden auf der Welt, den ich mehr verehre als meinen Papa. 16 Jahre lang hat er Barclays aufgebaut“, tobte Nellie auf ihrem Twitter-Account.

Die Beschimpfung der Regierung musste sie allerdings schnell wieder löschen. Mittlerweile dürfte Nellie ihren Herrn Papa trösten, der nur wenige Stunden nach seinem dreistündigen Verhör vor dem britischen Finanzausschuss fluchtartig die Stadt verließ und zurück in seine amerikanische Heimat jettete.

“Das ist Lynchjustiz“

Was hatte zu dem Aufruhr von Regierung, Bank von England und Aufsicht gegen den nun ehemaligen Chef von Barclays geführt? Erst im Januar 2011 war Diamond mit dem Segen der Londoner Finanzaufsicht FSA und der Bank von England vom Investmentbank-Chef zum Konzernchef aufgestiegen. Selbst als sich die amerikanischen und britischen Aufsichtsbehörden kürzlich mit Barclays auf die höchste Bankenstrafe von umgerechnet jeweils fast 350 Millionen Euro einigten, war keine Rede davon, dass Diamond und sein Chief Operation Officer, Jerry del Missier, würden abtreten müssten. Erst vor wenigen Wochen war del Missier mit dem Segen der FSA befördert worden.

“Das ist Lynchjustiz“, flucht das Management von Barclays. „Früher wären wir auf dem Marktplatz an den Pfahl gebunden und mit Tomaten beworfen worden.“ Senior Banker des Old-Boys-Network sind indessen froh, dass Diamond der City den Rücken kehren muss. In ihren Augen haben die amerikanischen Wallstreet- Banker den einst ehrwürdigen Ruf der City ruiniert. „Der landet noch im Knast“, schimpfte ein Banker Diamond hinterher.

Reichtum, Einfluss, Größenwahn

Dabei hatte der Amerikaner Barclays während seiner steilen Karriere zu einer mächtigen Investmentbank gemacht. Der als eines von neun Kindern aufgewachsene Sohn eines Lehrer-Ehepaares und Nachkomme irischer und schottischer Vorfahren stieg 1996 bei Barclays ein, einer britischen Universalbank mit eher zweitrangigem Investmentbanking.

Es folgten zehn Jahre unaufhaltsamer Aufstieg Diamonds und des Investmentbanking. Es war das Jahrzehnt des rasanten Wachstums der Wall Street und Londons, der atemberaubenden Entwicklung von immer komplexeren Finanzprodukten und einer stärkerer Vernetzung der Finanzplätze.

Hüben und drüben des Atlantiks pochten die angelsächsischen Regierungen auf eine betont laxe Aufsicht, um ihren Finanzbranchen Geschäftsmöglichkeiten zu bieten. Dies brachte den Bankern Reichtum und Einfluss, führte mitunter aber auch zu Größenwahn und Verantwortungslosigkeit - auch bei Barclays.

Mittendrin statt bloß dabei

Unter der Wache von Diamond nutzten einige Barclays-Händler Kunden wie die deutschen Landesbanken aus, denen sie komplexe Finanzprodukte verkauften, die den deutschen Banken später üble Verluste bescherten. In der City wurden Privatkunden verlustreiche Kreditausfallversicherungen angedreht und dem Mittelstand Finanzprodukte, die die Kleinunternehmer kaum gebrauchen konnten. Bei fast jedem großen Finanzskandal spielte Barclays eine Rolle.

Solange Diamond „nur“ das Investmentbanking unter dem Konzernchef John Varley führte, hielt sich der Argwohn gegenüber Diamond in Grenzen. Beide waren ein merkwürdiges Gespann: Varley, der konservative britische Seniorbanker, fest verankert im britischen Establishment, und neben ihm der flotte Amerikaner Diamond, Chef des Investmentbanking, wagemutig, fanatisch Tennis spielend und mit seinen hohen Bonuszahlungen vielen ein Dorn im Auge.

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