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Leitzins der EZB Viel Unsicherheit über den Kurs der Geldpolitik

03.06.2008 ·  Am Donnerstag tagt der EZB-Rat. Mit Spannung erwartet: Wird Jean-Claude Trichet Hinweise auf die Zinspolitik der kommenden Monate geben? Investoren erwarten bis Jahresende eine Anhebung des Leitzinses, Volkswirte hingegen eine Senkung.

Von Benedikt Fehr
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Wenn Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), am kommenden Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rats vor die Presse tritt, werden die Reporter an seinen Lippen hängen. Mit Spannung werden nämlich Hinweise auf die Zinspolitik in den kommenden Monaten erwartet. Allgemein gilt als sicher, dass der EZB-Rat den Leitzins am Donnerstag bei 4 Prozent belassen wird.

Angesichts des akuten Teuerungsschubs auf der einen Seite und der konjunkturellen Abkühlung auf der anderen ist die Unsicherheit über die künftige Geldpolitik der EZB so groß wie selten. So gehen die Investoren an den Zins-Terminmärkten davon aus, dass der EZB-Rat den Euro-Leitzins bis Jahresende auf 4,25 Prozent anheben wird. Demgegenüber erwartet die Mehrheit der Volkswirte, die die EZB beobachten, dass der Leitzins in den nächsten Monaten sinkt.

Angesichts der unterschiedlichen Einschätzungen vermutet ein drittes Lager, dass sich auch im EZB-Rat ein Patt ergeben wird. „Bis Jahresende wird der Leitzins weder gesenkt noch erhöht“, meint Hans Jäckel, der Chefvolkswirt der DZ Bank, des Spitzeninstituts der Genossenschaftsbanken.

Mögliche Zinserhöhung nicht vor der Sommerpause

Hinweise auf den Kurs der Geldpolitik erhoffen sich viele Beobachter von den neuen „Projektionen“ zu Wirtschaftswachstum und Inflation im Euro-Raum, die Trichet am Donnerstag bekanntgibt. Nach dem Wiederanstieg der Inflation auf 3,6 Prozent im Mai gilt als sicher, dass die Fachleute des Eurosystems ihre Vorhersage für die diesjährige Teuerung auf deutlich mehr als 3 Prozent anheben werden; noch im März hatten sie für 2008 eine Inflationsrate zwischen 2,6 und 3,2 Prozent vorhergesagt, der Mittelwert betrug somit 2,9 Prozent.

Von „Projektion“ ist die Rede, weil - anders als bei den Prognosen anderer Institutionen - für den gesamten Prognosezeitraum unveränderte Leitzinsen angenommen werden; denn die Experten der EZB sowie der nationalen Zentralbanken wollen nicht mutmaßen, wie ihr politisches Führungsgremium - der EZB-Rat - wohl entscheiden wird.

Auch die Projektion für die durchschnittliche Inflationsrate im kommenden Jahr dürfte angehoben werden. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Deutschland bei Barclays Capital, erwartet einen Mittelwert von 2,3 Prozent, nach 2,1 Prozent im März. Laut Polleit wäre dies ein Hinweis darauf, dass der Teuerungsschub Eigendynamik gewinnt. Dafür spreche auch, dass Geldmenge und Kreditvergabe im Euro-Raum trotz der Kreditkrise weiterhin hohe Zuwachsraten verzeichneten. Deshalb sei eine Zinserhöhung im dritten Quartal möglich, meint Polleit, allerdings nicht schon vor der Sommerpause.

Wirtschaftswachstum wird sich abschwächen

Anders als Polleit sieht Jäckel keine Hinweise auf eine sich selbst verstärkende Lohn-Preis-Spirale. Zwar seien einige Lohnabschlüsse in Deutschland hoch ausgefallen, doch seien ihnen Jahre mit zurückhaltenden Abschlüssen vorangegangen. Abgesehen davon sei die Lohnentwicklung im übrigen Euro-Raum moderat. Für Jäckel ist absehbar, dass sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland sowie im gesamten Euro-Raum in den kommenden Quartalen abschwächen wird. Damit aber werde auch der Inflationsdruck abflauen. Denn wenn die Auslastung der Produktionskapazitäten sinke, schmälere dies den Spielraum der Unternehmen, ihre Preise zu erhöhen. Abgesehen davon habe die starke Aufwertung des Euro in den vergangenen Monaten auf viele Unternehmen bereits ähnlich wie eine Zinserhöhung gewirkt, sagt Jäckel.

Viele EZB-Beobachter machen an solch einer Argumentation ihre Erwartung fest, dass der EZB-Rat den Leitzins im Laufe des Jahres senken werde. Jäckel sieht neben den Konjunktur- aber auch die Inflationsrisiken - und geht deshalb davon aus, dass die EZB ihren Leitzins bis Jahresende nicht verändern wird.

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