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Leitzins der EZB Anleger müssen mit negativem Zins rechnen

 ·  Schon in der kommenden Woche könnte die EZB abermals ihren Leitzins senken. Das würde den Trend zu negativen Realzinsen in Deutschland verstärken und die Zinsanlage weiter erschweren.

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© dapd Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Auf dem Geldmarkt hat sich in den vergangenen Tagen die Erwartung verstärkt, dass die Europäische Zentralbank auf die schwachen Konjunkturdaten und die rückläufigen Teuerungsraten reagiert und schon in der kommenden Woche ihren Leitzins erstmals auf weniger als 1 Prozent senken wird. In Preisen für Terminkontrakte, mit denen sich Banken Zinskonditionen sichern, ist die Senkung schon zur Hälfte vorweggenommen. Schon philosophieren einige Ökonomen der Banken darüber, dass die Zentralbank den Zins, zu dem die Banken überschüssiges Geld über Nacht bei der Notenbank belassen können, auf Null senken oder den Zins sogar negativ setzen könnte.

Der Trend zu - abzüglich der Inflationsrate - negativen Zinsen würde sich dadurch zumindest in Deutschland weiter verstärken. Zwar gehen die Teuerungsraten allmählich zurück. Am Mittwoch wurden aus den Bundesländern Inflationsraten von weniger als 2 Prozent gemeldet. Aber zugleich sind auch die Anlagezinsen für sichere Zinstitel extrem niedrig. Zweijährige Bundesanleihen versprechen eine jährliche Rendite von nur 0,1 Prozent. Erst bei einer Laufzeit von mehr als sieben Jahren können Anleger mit einer Rendite von mehr als einem Prozent rechnen.

Der - nach menschlichem Ermessen - sicheren Rückzahlung steht also ebenso sicher gegenüber, dass das Vermögen an Kaufkraft verliert. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit bei der Neuanlage wenig ändern. So rechnet die Commerzbank damit, dass die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen von derzeit 1,5 Prozent bald steigen wird. Danach werde es jedoch bei einer Verschärfung der Schuldenkrise wieder zurück auf 1,4 Prozent gehen, ehe die Langläufer am Jahresende mit 1,8 Prozent rentieren werden. Selbst das würde allenfalls reichen, um die derzeitige Teuerungsrate auszugleichen. Die Bundesbank rechnet jedoch für die kommenden Jahre mit Inflation, die über dem Durchschnitt des Euroraums liegt. Seit Sommer vergangenen Jahres liegt die Umflaufrendite, also der Durchschnitt aller deutschen Staatsanleihen, unter der Inflationsrate.

Für Anleger gibt es natürlich die Möglichkeit des Ausweichens. Dafür kämen unter anderem Aktien in Frage, wenn da nicht die Skepsis der Investoren wäre. Eine regelmäßige Umfrage der DZ-Bank hat gerade ergeben, dass die Privatanleger die Chancen auf den Aktienmärkten immer negativer bewerten. Nur 20 von 100 Befragten erkennen steigende Chancen für die kommenden sechs Monate, 36 dagegen sinkende Chancen. Das Verhältnis von Pessimisten zu Optimisten ist damit ungünstiger als unmittelbar nach der Lehman-Pleite vor gut drei Jahren.

Angesichts der niedrigen Zinsen, die es fürs Geldverleihen gibt, liegt der Gedanke nahe, das Spiel umzudrehen, Geld aufzunehmen und damit Sachwerte wie Immobilien zu kaufen. Doch auch das ist riskant. Niemand weiß, wie sich die Schuldenkrise weiterentwickeln wird. Sachanlagen schützen vor Inflation. Ebenso gut ist jedoch möglich, dass es zu einer langen Rezession und folgender Wachstumsschwäche kommt. Dann könnten die Preise von Sachwerten unter Druck geraten, und die Last der Kredite würde zunehmen. Obendrein sind viele Zinsanleger auf stabile Einnahmen angewiesen. Für sie spielt auch der - nicht inflationsbereinigte - Nennwert der Zahlungen eine Rolle.

Für solche Investoren, die zudem nur begrenzte Risiken eingehen wollen, bietet der Kapitalmarkt derzeit nur wenig Spielraum. Wer sein Geld dem französischen Staat anvertrauen will, muss es schon für zehn Jahre hergeben, um an eine Rendite von 2,7 Prozent zu kommen. Beim solider finanzierten niederländischen Staat sind es nur 2,1 Prozent bei gleicher Laufzeit. Auch mit Pfandbriefen solider deutscher Banken sind nicht mehr als 3 Prozent zu erzielen. Unternehmensanleihen versprechen höhere Renditen nur bei Schuldnern geringerer Qualität. So ist zum Beispiel eine dreißigjährige Anleihe der Deutschen Telekom mit gut 4 Prozent verzinst.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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