22.01.2010 · Die Renditen der Beiträge zu den Kapitallebensversicherungen gehen zurück. Nur mit dem Griff in die Reserven können die Versicherer den Rückgang verlangsamen.
Von Philipp KrohnDas Niedrigzinsniveau an den Finanzmärkten macht den deutschen Lebensversicherern zu schaffen. Seit einigen Jahren fällt die Überschussverzinsung, die die Versicherer ihren Kunden auf den Sparanteil der Versicherung gewähren, also den Anteil der Beiträge, der nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten sowie der Risikovorsorge übrig bleibt.
Da diese Verzinsung vor allem aus dem Kapitalanlageergebnis gespeist wird und Versicherer überwiegend in festverzinsliche Anlagen investieren, wirkt sich das niedrige Zinsniveau mittelbar auf die Versicherten aus.
Anhaltender Trend nach unten
Besonders deutlich wird dies beim Vergleich von Versicherungsverträgen unterschiedlicher Laufzeiten: Wenn die Kapitallebensversicherung eines Kunden Ende Oktober ablief, konnte er im Marktdurchschnitt noch eine Beitragsrendite von 5,35 Prozent erzielen, wenn der Vertrag vor 30 Jahren abgeschlossen wurde. Lief die Police 20 Jahre, lag die Rendite nur noch bei 4,82 Prozent; wurde der Vertrag vor zwölf Jahren abgeschlossen, betrug sie nur noch 3,74 Prozent.
Das geht aus einer Untersuchung der Rating-Agentur Assekurata hervor, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Entscheidender Grund für die erheblichen Renditeunterschiede sei die in den vergangenen Jahren deutlich rückläufige Überschussverzinsung, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Darüber hinaus falle die Abschlussprovisionen in einem Vertrag mit kürzerer Laufzeit relativ stärker ins Gewicht.
Trotzdem attraktiv
Insgesamt gibt es in Deutschland rund 96 Millionen Lebensversicherungen. Dazu zählen private Rentenversicherungen, Riester- und Basisrenten. Dabei weichen die Renditen am Markt erheblich voneinander ab. Für die kurze Laufzeit konnte die Debeka, die über alle drei Tarifgenerationen das höchste Ergebnis erzielte, ihren Kunden eine Verzinsung von 5,35 Prozent bieten. Die Nürnberger Leben kam hingegen nur auf 2,47 Prozent.
Für längere Laufzeiten glichen sich die Ergebnisse etwas an. „Sieht man sich das Renditeniveau an, ist es nach wie vor attraktiv für Kunden, in Lebensversicherungen zu investieren“, resümiert Will. Die Beitragsrendite unterscheidet sich von der Überschussverzinsung, da in ihr errechnet wird, wie sich jeder investierte Euro jährlich verzinst.
Langsamer weniger
War das Niveau der laufenden Verzinsung des Sparanteils im Marktdurchschnitt zwischen 2002 und 2004 in zwei drastischen Schritten von 6,13 auf 4,4 Prozent gefallen, senken die Gesellschaften seither deutlich zurückhaltender ab. Für das Jahr 2010 ermittelte Assekurata unter den 83 befragten Unternehmen eine nach Marktanteilen gewichtete Verzinsung von 4,17 Prozent. Das waren 0,06 Prozentpunkte weniger als noch im vergangenen Jahr.
Dieser Wert setzt sich aus dem Garantiezins von 2,25 Prozent und dem laufenden Zinsüberschuss zusammen. Darüber hinaus gewähren die Versicherer noch einen Schlussüberschuss sowie eine Beteiligung an ihren Kosten- und Risikogewinnen und an den Bewertungsreserven, wenn der Vertrag abläuft. All diese Komponenten zusammengerechnet, ergab sich für eine private Rentenversicherung, die im Herbst ablief, eine Verzinsung von 4,9 Prozent auf den Sparanteil - 0,09 Punkte weniger als im vergangenen Jahr. Dabei gewährte die CiV Leben mit 5,8 Prozent den höchsten, die Delta Lloyd Leben mit 3,25 Prozent den geringsten Zins.
Das Polster wird dünner
In einer ebenfalls am Donnerstag vorgelegten Untersuchung zeigt der Branchendienst Map-Report, wie viel einem einzelnen Versicherten durch die sinkenden Überschussbeteiligungen für die Altersvorsorge entgeht. Demnach erhielt ein Kunde 2001 noch 104.600 Euro aus einem 30 Jahre laufenden Vertrag ausgezahlt, wenn er 36.000 Euro eingezahlt hatte. Der Zinsgewinn betrug also 68.600 Euro. Läuft der Vertrag Ende dieses Jahres aus, falle der Zinsgewinn dagegen um 40.750 Euro geringer aus.
Für den Gesamtmarkt zeigt sich zudem, dass die Verzinsung des vergangenen Jahres teilweise aus den Reserven finanziert wurde. Anders als in den Vorjahren wurde 2008 deutlich mehr Kapital aus den Rückstellungen entnommen, die für Zinsglättungen vorgesehen sind, zeigt die Assekurata-Studie.
Damit schwächten sich die insgesamt verfügbaren Rückstellungen ab. Damit wird das Polster dünner, mit dem die Versicherer zukünftig die Verzinsung stabilisieren können. Zukünftig müsse zwar die Zuführung in den Stabilisierungstopf auch deshalb wieder steigen, weil sie zum aufsichtsrechtlich verlangten Eigenkapital gezählt werden, sagt Will. Aber mit dem Rückgriff auf die Rückstellungen hätten die Unternehmen genau das getan, was Lebensversicherungen gegenüber anderen, volatileren Anlageformen auszeichne. Zudem erwartet er für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009, dass der Topf wieder angewachsen ist.