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Kurzlaufende Bundesanleihen : Gefangen in der Rentenfalle

  • -Aktualisiert am

Für den Bund sind zinslose Anleihen eine gute Idee. Für Anleger derzeit weniger. Bild: dpa

Lange Zeit galten kurzlaufende deutsche Staatsanleihen als risikoarme Geldanlage. Doch dann begann die Falle zuzuschnappen.

          Kurzlaufende deutsche Staatsanleihen kombinierten einst einen sicheren Zinsertrag mit geringen Kursschwankungen und einer praktisch sicheren Rückzahlung am Ende der Laufzeit. Damit waren sie eine ideale risikoarme Geldanlage.

          Doch immer mehr sitzen Anleger in der Falle. Es begann zunächst langsam und kaum wahrnehmbar: 2012 senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Zinssatz für ihre sogenannte Einlagefazilizät, also den Zins zu dem Banken ihre liquiden Mittel bei der Notenbank parken können, auf 0,00 Prozent. Gleichzeitig fiel die Rendite deutscher Schuldverschreibungen mit 2-jähriger Laufzeit erstmals kurzzeitig unter die Nulllinie.

          Als die EZB ihren Einlagesatz zwei Jahre später weiter senkte und damit begann, von den Banken einen Strafzins zu verlangen, folgten die Renditen zweijähriger Bundesspapiere in den negativen Bereich. Mit dem weiteren Absinken des Einlagesatzes bis auf minus 0,40 Prozent sanken auch die Renditen 2-jähriger Anleihen immer weiter in den negativen Bereich.

          Zusätzlich wurde diese Entwicklung durch den Start des Anleihekaufprogrammes der EZB ab 2013 beschleunigt. Ende 2016 entschloss sich die EZB sogar, Anleihen mit Renditen unterhalb ihres Einlagesatzes zu erwerben. Die Folge war ein Rekordtief der Renditen zweijähriger deutscher Staatsanleihen von -0,95 Prozent im Februar dieses Jahres.

          Investoren profitierten trotz negativer Zinsen

          Was bedeutete diese rasante Talfahrt der Anleiherenditen für Renteninvestoren? Für Anleger, die kurzlaufende Schuldverschreibungen mit negativen Renditen erwerben, diese aber nicht bis zur Fälligkeit halten, hat sich das Umfeld bis vor kurzem nicht nachteilig ausgewirkt. Der Grund liegt auf der Hand: Bei den immer weiter ins Negative sinkenden Anleihezinsen fiel zwar die Rendite, die Kurse stiegen jedoch entsprechend an. Die negativen Renditen wurden dabei durch die Kursgewinne sogar übertroffen, das Anleiheinvestment warf also unter dem Strich einen positiven Ertrag ab.

          Beispiel: Wer Anfang 2015 bei einer Rendite von minus 0,09 Prozent eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von 2,5 Jahren erwarb, um diese ein Jahr später als 1,5-jähriges Papier zu verkaufen, verkaufte diese zwar mit einer um 0,27 Prozentpunkte gesunkenen Rendite. Aber dies hieß für ihn einen Kursgewinn von mehr als 0,50 Prozent.

          Auch 2016 ging die Strategie auf: Hätten Investoren eine 2,5-jährige Anleihe bis zum Ende gehalten, hätten sie 0,32 Prozent verloren. Verkauften sie allerdings zum Jahresende, konnten sie auf Grund der Kursgewinne mit einem Ertrag von etwa 0,90 Prozent mit ihrem Investment zufrieden sein.

          Der eb.rexx Government 1.5-2.5 Performance Index, der die Entwicklung der liquidesten deutschen Staatsanleihen in diesem Laufzeitenband abbildet, zeigt genau dies. Trotz seit 2014 negativer Renditen erreichte der Index sein Rekordhoch im Juli 2016 und stellte dieses im Februar 2017 beinahe ein.

          EB.REXX GOVERNMENT GERMANY

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          Aber ist diese Entwicklung der vergangenen drei Jahre wiederholbar? Wer Anfang dieses Jahres eine Bundesanleihe mit 2,5 Jahren Restlaufzeit erworben hat, hat dies mit einer Rendite von minus 0,77 Prozent getan. Um diesen negativen Ertrag zu vermeiden, müssten die Renditen kurzlaufender Anleihen bis zum Jahresende um fast 0,40 Prozent fallen.

          Da die Renditen kürzerlaufender Bundesanleihen derzeit nahezu identisch sind, müsste die Rendite ein- bis dreijähriger Papiere rechnerisch einheitlich auf minus 1,16 Prozent fallen. Da dies 2018 die neue Ausgangsrendite wäre, müssten die Renditen für ein- bis dreijährige Bundespapiere zwischen Jahresanfang 2018 und Jahresende 2018 dann schon um knapp 0,60 Prozentpunkte auf minus 1,74 Prozent fallen, um ein neutrales Ergebnis zu ermöglichen.

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