12.04.2006 · „Die Kunst, von der Kunst zu profitieren“, so wirbt die EECH Group aus Hamburg für ihre neue Anleihe „Art Invest 2006“. Doch das Unternehmen steht gar nicht gut da. Wer in Kunst investieren will, sollte bessere Investments finden können.
„Die Kunst, von der Kunst zu profitieren“, so wirbt die EECH Group aus Hamburg für ihre neue Anleihe „Art Invest 2006“. Privatanleger sollen mit dieser Anleihe vom boomenden Kunstmarkt profitieren - mit sieben Prozent Zinsen im Jahr.
„Die Kunst bereichert den Menschen“, heißt es in der ansprechend gestalteten Werbebroschüre. „Dieser ursprünglich rein geistige Anspruch wird immer mehr zur geldwerten Realität. Hohe Wertzuwachsraten und eine stetig steigende Nachfrage machen den gehobenen Kunstmarkt zunehmend auch für Investoren interessant.“
Auf den ersten Blick mag sich bei manchen Anlegern ein gutes Gefühl einstellen. Mit Kunst Geld verdienen? Das klingt irgendwie elegant. Sieben Prozent Zinsen? Auch nicht schlecht. Doch interessierte Kunstliebhaber sollten sich den vollständigen Wertpapierprospekt anschauen, nicht nur die Werbung.
Anleihe nicht handelbar
Der erste Stolperstein: Eine Börsenzulassung oder eine Einbeziehung in den Freiverkehr ist nicht geplant. Der Anleger kann die Anleihe zwar privat verkaufen, muß dann aber damit rechnen, nicht den gewünschten Preis zu erzielen. Die Anleihe hat ein Volumen von 25 Millionen Euro und eine Laufzeit bis Januar 2011 (Isin DE000A0JB4A5). Anleger müssen mindestens fünf Anteile zu je 1.000 Euro zeichnen.
Das Geld fließt nicht direkt in Kunst, sondern soll in erster Linie die Art Estate GmbH, eine inzwischen in eine AG umgewandelte Tochter des Unternehmens, mit Kapital ausstatten. Die Gesellschaft will „im Bereich des Kunsthandels mit den Schwerpunkten klassische Moderne und zeitgenössische Kunst“ expandieren. Es soll ein „Bestand an erlesenen Kunstwerken“ und Galerien aufgebaut sowie Kapitalanlageprodukte wie Kunstfonds entwickelt und am freien Kapitalmarkt plaziert werden.
Das klingt schon weniger nach Kunstliebhaberei. Auch die Risikohinweise machen nicht Lust auf mehr: „Die Anleihe unterliegt keiner gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung. Im Falle einer unerwartet negativen Geschäftsentwicklung bzw. Insolvenz der Emittentin besteht somit die Gefahr, daß die vertraglich vereinbarten Zins- und Tilgungsansprüche der Anleger aus der Schuldverschreibung bedient werden.“ Bei einer Insolvenz werden die Anleihegläubiger nicht vorrangig bedient. Im Fall der Fälle ist also nicht auszuschließen, daß diese Geldanlage schnell sehr wenig wert wird.
„Stark angespannte Liquiditätslage“
Wer ist überhaupt die EECH Group? Kennen die sich aus in Sachen Kunst? Nun ja, die Gesellschaft wurde 1998 gegründet, zunächst als Entwickler von Windkraftprojekten. Im November 2000 kam das Hamburger Unternehmen dann unter dem Namen P&T Technology AG an die Börse.
Im Oktober 2002 mußte - nach der „stark angespannten Liquiditätslage“, wie es im Prospekt heißt - der Vorstand ausgewechselt werden. Aus vielen Projekten stieg das neue Management aus. Fortan sah sich das Unternehmen als „Finanzdienstleistungsunternehmen mit Technologieansatz“, man übernahm „eine Brückenfunktion zwischen der Entwicklung und der Finanzierung von Projekten“.
2005 stieg die Gesellschaft dann - parallel zum Geschäft mit erneuerbaren Energien - in die Bereiche Kunst und Immobilien ein. Immerhin, das Kunstgeschäft läuft gut an: Zwei Drittel des Umsatzes von gut 30 Millionen Euro erzielte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres mit dem Handel von Kunstgegenständen. Im August benannte sich das Unternehmen in EECH Group um. Jetzt verstehe man sich als „Emissionshaus für Kapitalanlageprodukte“, vor allem für geschlossene Fonds.
Schon Anleihen für fast 47 Millionen Euro auf dem Markt
Eine bewegte Geschichte also - die sich auch im Aktienkurs widerspiegelt. Seinen ersten Kurs - stolze 24 Euro - sah das Papier nie wieder. 2003 kostete die Aktie zwischenzeitlich 21 Cent. Derzeit ist die für etwa 80 Cent zu haben (Isin DE0006852809).
Ein Blick in die Bilanz verrät, daß es trotz aller Restrukturierung noch nicht besonders gut um das Unternehmen bestellt ist. Ende 2004 steht ein Bilanzverlust von 7,679 Millionen Euro in den Büchern. Der Verlust aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug 2004 knapp 2,5 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es noch fast 14 Millionen Euro gewesen. Im ersten Halbjahr 2005 liefen weitere 2,7 Millionen Euro Verlust auf.
Mit einem jedenfalls hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren Erfahrungen gesammelt: mit der Kapitalbeschaffung über Anleihen. Diese nämlich machen den größten Posten auf der Passivseite der Bilanz aus. 2003 waren es noch 0,9 Millionen Euro, 2004 dann 17,9 Millionen, nach dem ersten Halbjahr 2005 sogar 46,8 Millionen - das ist deutlich mehr, als das Unternehmen 2004 an Umsatz verbuchen konnte. Diese Kapitalbeschaffung hat natürlich Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung: Für Zinsen hatte EECH im ersten halben Jahr 2005 1,37 Millionen Euro zu zahlen, im Vorjahreszeitraum waren es noch 0,27 Millionen gewesen.
Kurz und gut: Die Anleihe muß man nicht haben. Der Zins für sich allein mag attraktiv erscheinen, angesichts der erheblichen Risiken kann er aber nicht überzeugen. Wer sein Geld in Kunst investieren möchte, sollte dazu bessere Möglichkeiten finden können.