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KTG Agrar Vom Bauern gibt es jetzt auch eine Anleihe

06.09.2010 ·  Schon Ende 2007 ging der erste Landwirt mit Aktien an die deutsche Börse. Und nun legt die Vorreiterin KTG Agrar nach mit einer Unternehmensanleihe. Investoren werden mit einer Rendite von 6,75 Prozent zu locken versucht.

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Insgesamt will das Landwirtschaftsunternehmen bis zu 25 Millionen Euro aufnehmen. Das endgültige Volumen ist abhängig vom Interesse der Anleger. Geboten wird über eine fünfjährige Laufzeit vom 15. September 2010 bis zum 14. September 2015 eine jährliche Verzinsung von 6,75 Prozent. Bei einer Mindeststückelung und einem Ausgabepreis von 100 Prozent ist das Papier auch auf Privatanleger zugeschnitten.

Seit dem 2. September kann die Anleihe mit der Isin DE000A1ELQU9 direkt über das Unternehmen gezeichnet werden. Darüber hinaus können Anleger erstmals mit Hilfe des eigenen Online-Brokers oder der Hausbank auch über das Mittelstandssegment Bondm der Börse Stuttgart zeichnen. Dort wird die Anleihe auch gelistet sein.

Ein Landwirt auf Expansionskurs

Verwendet werden sollen die eingenommenen Mittel zur Erweiterung der Anbaufläche. Diese umfasst derzeit 30.500 Hektar in Ostdeutschland und in Litauen. Mittelfristiges Ziel ist eine Anbaufläche von 40.000-Hektar. Zudem soll der Eigentumsanteil von derzeit rund 18,5 Prozent auf über 20 Prozent erhöht werden. Hintergrund für diesen Plan ist die Annahme von steigenden Preisen für Ackerland in den beackerten Gebieten. So verweist das Unternehmen darauf, dass sich in Ostdeutschland der Preis je Hektar seit 2005 auf 10.000 Euro mehr als verdoppelt hat. Dennoch liegt der Preis noch deutlich unter dem Niveau in Westdeutschland von 26.000 Euro.

Zudem soll ein Teil des Kapitals zum schneller als bisher geplanten Ausbau des Biogasbereichs verwendet werden. So soll bis Ende 2011 die Biogasproduktionskapazität von derzeit elf Megawatt auf mindestens 20 Megawatt erhöht werden. Dies war bisher erst für Ende 2012 geplant. Bis Mitte 2012 soll die Produktionskapazität dann bis auf 25 Megawatt steigen. Derzeit wird mit der Biogasproduktion eine Ebit-Marge von über 20 Prozent erzielt.

Bei allem Rentabilitätsdenken kann es aber auch nicht schaden, wenn es Teil des Geldes auch zum Abbau der Schulden verwendet wird. Hier ist insbesondere der Posten Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten mit 63,4 Millionen Euro nicht ganz ohne. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf 97,3 Millionen Euro. Dem stehen liquide Mittel von 6,6 Millionen Euro und ein Eigenkapital von 62,05 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich zum Halbjahr eine verglichen mit dem Ultimo 2009 von 33,8 Prozent auf 38,2 Prozent verbesserte Eigenkapitalquote. Die Analysten der DZ Bank trauen KTG Agrar im Geschäftsjahr 2010 eine Umsatzverbesserung von 40,3 auf 55,6 Millionen Euro zu einen Ebit-Anstieg von 9,0 auf 11,6 Millionen Euro zu. Der freie Cash-Flow würde sich dieser Prognose zufolge mit 2,1 Millionen aber nach wie vor im Minusbereich bewegen (nach minus 23,5 Millionen Euro im Jahr 2009).

Risiken nicht vergessen

Nach dem Abklopfen der Bilanz billigt die Ratingagentur Creditreform dem Unternehmen ein BBB-Rating zu. Das entspricht einer Kreditwürdigkeit im Investmentgradbereich, wobei laut Definition bei einer Verschlechterung der Gesamtwirtschaft aber mit Problemen gerechnet werden muss.

Interessierte Anleger sollten das bei ihrer Entscheidungsfindung ebenso im Hinterkopf haben wie einen Hinweis im Wertpapierprospekt des Unternehmens. Daran steht auf Seite 157 geschrieben, dass der Vorstandsvorsitzende Siegfried Hofreiter wegen einer früheren Geschäftsführertätigkeit vom Amtsgericht Dachau im September 2002 in jeweils zwei Fällen der Konkursverschleppung und des Bankrotts schuldig gesprochen worden ist. Das ebenfalls ausgesprochene Berufsverbot dauerte bis September 2007 und am 4. Oktober 2007 wurde Hofreiter, dessen Familie 45 Prozent der Aktien hält, zum Vorstand von KTG Agrar bestellt.

Mit der Landwirtschaft wähnt sich Hofreiter jetzt aber auf dem Erfolgspfad und potenziellen Investoren verspricht er folgendes: „Mit unserer Anleihe erzielen Anleger eine attraktive Rendite und profitieren von der Zukunftsbranche Landwirtschaft, denn die Nachfrage nach gesunder Nahrung und sauberer Energie steigt stetig.“ Das verfolgte Geschäftskonzept klingt in der Tat stimmig, wobei der verfolgte Expansionspfad natürlich auch immer gewisse Risiken birgt. Die Börsianer geben sich vielleicht auch deshalb bisher eher etwas reserviert. Der Aktienkurs notiert jedenfalls mit aktuell 15,30 Euro noch immer unter dem beim Börsengang Mitte November 2007 auf 17,50 Euro festgezurrten Ausgabepreis.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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