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Veröffentlicht: 11.01.2017, 17:33 Uhr

Finanzmarkt istanbul Krise in der Türkei verschärft sich

Die Krise an den türkischen Finanzmärkten verschärft sich weiter. Am Mittwoch fiel der Kurs der Landeswährung Lira abermals auf ein Rekordtief, während die Renditen der Staatsanleihen schier unaufhörlich steigen.

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© Picture-Alliance Wechselstube in Istanbul

An den Finanzmärkten nimmt die Nervosität mit Blick auf die Türkei immer weiter zu. Am Mittwoch stieg die Rendite zehnjähriger, auf Lira lautender Staatsanleihen bis auf einen langjährigen Höchststand von 11,82 Prozent. Dieser Renditeanstieg bedeutet, dass die Anleihen verkauft und dadurch billiger werden. Dadurch bringen sie rechnerisch einen höheren Ertrag.

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Seit Oktober hat sich die Rendite um mehr als zwei Prozentpunkte erhöht. Der Renditeabstand zu deutschen Staatsanleihen ist damit in nicht ganz vier Jahren auf fast das Zweieinhalbfache gestiegen.

Nicht ganz so dramatisch ist die Entwicklung bei Dollar-Anleihen des Landes. Mit einer Rendite von 5,997 Prozent liegt diese noch deutlich unter dem Niveau der Jahre 2003 bis 2009, als sie nie unter 6 Prozent fiel. Andererseits wieder ist die Rendite der Dollar-Anleihen auf den höchsten Stand seit Herbst 2009 geklettert; der Renditeabstand zu amerikanischen Staatsanleihen hat sich seit Frühsommer 2013 rund verdreifacht.

Dasselbe Bild zeigt sich am Markt für Kreditabsicherungen (CDS). Seit Jahresanfang haben  die Preise für die Absicherung fünfjähriger türkischer Staatsanleihen um rund fünf Prozent auf 304 Basispunkte angezogen.

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Am Devisenmarkt setzte die Lira ihre Abwertung fort. Gegenüber dem Dollar stieg ihr Kurs um mehr als 3 Prozent bis auf 3,9422 Dollar ab; das ist der niedrigste Kurs ihrer Geschichte. Keine Währung ist seit dem Jahresbeginn gegenüber dem Dollar so schwach wie die Lira.

Analysten vertreten die Ansicht, dass der Zeitpunkt überschritten ist, an dem die Türkei mit milden Maßnahmen die Vertrauenskrise in ihre Währung beenden kann. Um „mehrere hundert Basispunkte“ müsse die türkische Notenbank den kurzfristigen Leitzins erhöhen, ist aus der niederländischen Großbank Rabobank zu hören. Das japanische Bankhaus Nomura hält eine Leitzinserhöhung um 350 bis 400 Basispunkte für notwendig, um die Abwertung der Lira zu stoppen.

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Allerdings hat sich Staatspräsident Recep Erdogan in der Vergangenheit nicht für Zinserhöhungen, sondern für Zinssenkungen ausgesprochen, um mehr wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen. In der starken Abwertung der Lira und den steigenden Anleiherenditen drückt sich das Misstrauen in die politische Entwicklung der Türkei aus.

Die Analysten der LBBW können zwar keine konkreten Hiobsbotschaften für diese Entwicklungen ausmachen. Doch wirkten die latenten Schwächen des vergangenen Jahres weiter. Das hohe Leistungsbilanzdefizit schmerze angesichts der Anzeichen für steigende Zinsen und Renditen in den Vereinigten Staaten besonders. Vor allem aber treibe die Notenbank trotz eines großzügigen Inflationszieles dadurch Kapital aus dem Land, dass sie über weite Strecken negative Realzinsen zugelassen habe.

Auch derzeit liegt der Leitzins mit 8 Prozent deutlich unter der Inflationsrate von 9,8 Prozent. Eine weitere Leitzinssenkung, wie sie Präsident Erdogan fordert, könnte die Situation daher verschärfen.

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