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Kreditmärkte Die Rally ist vorüber

26.06.2009 ·  Viele Anleger nehmen nach den Kursgewinnen der Vorwochen Gewinne mit. Das Interesse an neuen Anleihen ist aber ungebrochen. Die deutlich gewachsene Risikobereitschaft nimmt jedoch wieder ab.

Von Gerald Braunberger
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An den Kreditmärkten kehrt allmählich wieder Ruhe ein, nachdem seit März eine deutlich wachsende Risikobereitschaft zu beobachten gewesen war. Nach wie vor ist es zwar möglich, neue Unternehmensanleihen problemlos zu plazieren. In einer Frankfurter Großbank ist zu hören, für eine Anleihe eines Versorgers habe eine Stunde nach der Ankündigung die Nachfrage das Angebot um das Vierfache übertroffen.

Dennoch zeigen Indikatoren, die für die Risikomessung stehen, eine Korrektur der vorangegangenen Euphorie an. So ist der Itraxx-Index, der als Maßstab für die Bonitätseinschätzung europäischer Anleihen von Unternehmen dient, in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. Ein Anstieg steht für eine schlechtere Bonitätseinschätzung. In die gleiche Richtung weisen die wieder größer gewordenen Renditeunterschiede zwischen Unternehmensanleihen und Bundesanleihen.

Risikobereitschaft nimmt ab

Wie diese Entwicklung zu beurteilen ist, wird am Markt unterschiedlich gesehen. Patrick Kuhlmann von der Commerzbank erklärt die Entwicklung nicht mit fundamentalen Ursachen, sondern mit Gewinnmitnahmen von Anlegern. Der Markt schnappe nach Luft, unterscheide aber stärker zwischen sehr guten und nicht ganz so guten Adressen. Immer noch zu beobachten sei die sogenannte Basisarbitrage, bei der ein Kunde zum Beispiel eine der neuen Wandelanleihen zeichne und sie gleichzeitig am Derivatemarkt über einen Credit Default Swap (CDS) absichere.

Etwas skeptischer sieht die DZ Bank die Lage. „Die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer hat abgenommen“, heißt es in einem Marktkommentar. Die Rally seit dem März erklärt die Bank mit einem zunehmenden Konjunkturoptimismus und den Stützungsmaßnahmen von Regierungen für ihre Finanzsysteme. Diese Zuversicht sei jedoch am Schwanken: „Zu häufig hatten zuletzt einige Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognosen nach unten revidiert. Auch die jüngst von der Weltbank getroffene Aussage, dass die weltweite Rezession länger als zunächst vermutet andauern werde, habe dazu geführt, dass sich Anleger wieder sukzessive defensiv positionieren.“

Märkte in Korrekturbewegung

Als Reaktion hätten Anleger Anleihen von Unternehmen aus konjunkturempfindlichen Branchen verkauft und dafür Anleihen von Unternehmen aus weniger konjunktursensiblen Branchen erworben. Über den Itraxx heißt es bei der DZ Bank aus technischer Sicht: „Charttechnisch hat sich das Bild zuletzt etwas eingetrübt. Durch die jüngsten Ausweitungen der Spreads im Kreditmarkt ist der Index mittlerweile signifikant nach oben aus dem abwärts gerichteten Trendkanal ausgebrochen.“ Die Bank hält eine Fortsetzung dieser Tendenz für gut möglich.

Die Analysten der LBBW sehen die Kreditmärkte in einer von ihnen erwarteten Korrekturbewegung: „Diese wird begleitet durch eine Rückkehr der Volatilität und einen realistischeren Blick auf die Konjunkturperspektiven.“ Positiv vermerkt die LBBW indessen eine Normalisierung der Liquiditätslage. An den Kassamärkten für Anleihen befinde man sich wieder auf einem Niveau wie vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, heißt es in einem Ausblick auf das zweite Halbjahr. Noch liquider als der Kassamarkt sei aber der Markt für Kreditderivate (CDS).

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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