08.08.2008 · Die amerikanische Justiz und die Börsenaufsicht zwingen die Großbanken zu bisher beispiellos hohen Zahlungen zugunsten der Anleger. Die Citigroup kauft sich mit bis zu 20 Milliarden Dollar von einem Prozess frei. Jetzt bewegen sich offenbar auch die UBS, Merrill Lynch, Morgan Stanley und andere Banken.
Von Roland Lindner und Gerald BraunbergerDie Finanzbranche in Amerika wird ihren Kunden Milliardenbeträge zurückzahlen. Damit beginnt sie, Verantwortung im sich ausweitenden Skandal um sogenannte Auktionspapiere zu übernehmen. Zuvor war vielen Banken vorgeworfen worden, Anleger mit dem Verkauf dieser hochkomplexen Wertpapieren in die Irre geführt zu haben.
Am Freitag hieß es seitens eines Sprechers des Massachusetts Secretary of State, die in Amerika aktive Schweizer UBS AG sei bereit, sogenannte Auction Rate Securities (ARS) im Wert von 19,4 Milliarden Dollar von Kleininvestoren zurückzukaufen. Offiziell soll die Einigung mit den Behörden am Montag bekannt gegeben werden.
Signalwirkung für andere Banken
Zuvor hatte bereits die Citigroup einem Vergleich mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo geschlossen. Der Vorstand der Bank erklärte sich bereit, unverkäuflich gewordene Wertpapiere für 7,3 Milliarden Dollar von Anlegern zurückzukaufen und in seine eigenen Bücher zu nehmen. Auch die Investmentbank Merrill Lynch kündigte an, Papiere im Wert von 10 Milliarden Dollar von Kunden zu übernehmen. Die Schritte von UBS, Citigroup und Merrill Lynch könnten Signalwirkung haben und andere Banken, die ebenfalls einen regen Handel mit diesen Auktionspapieren betrieben haben, zu ähnlichen Zugeständnissen veranlassen.
Die Affäre um die sogenannten Auction-Rate-Securities stellt ein weiteres Kapitel in der Kreditkrise dar, von der die internationale Bankenwelt seit dem vergangenen Jahr heimgesucht wird. Sie ist insofern besonders brisant, weil einigen Banken hier vorgeworfen wird, Anleger über Risiken getäuscht zu haben. Bei den Auction-Rate-Wertpapieren handelt es sich um Spezialanleihen, die von Kommunen, Universitäten, Krankenhäusern oder auch Museen ausgegeben werden, um Geld aufzunehmen.
Der Vergleich der Citigroup betrifft vor allem kleinere Anleger
Diese Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere mit langer Laufzeit, die aber wie Kurzläufer funktionieren. Der Zinssatz wird in kurzen Abständen von manchmal nur einer Woche bei Auktionen neu festgesetzt. Für die Emittenten waren diese Vehikel attraktiv, weil sie niedrigere Zinsen zahlten als für reguläre Anleihen mit langer Laufzeit. Banken wiederum empfahlen die Auction-Rate-Papiere ihren Kunden als Anlage, weil sie höhere Renditen abwarfen als vergleichbare Geldmarktpapiere, dabei aber genauso schnell flüssig gemacht werden konnten. Der Markt für diese Papiere hatte einmal ein Volumen von 330 Milliarden Dollar.
Im Februar brach das Geschäft auf einen Schlag zusammen. Die Kreditkrise, die ursprünglich im vergangenen Jahr durch den Ausfall zweitklassiger Hypotheken ausgelöst wurde, hatte sich auch auf dieses Segment von Finanzprodukten ausgeweitet. Anleger konnten ihre Papiere plötzlich nicht mehr verkaufen.
Der Vergleich der Citigroup betrifft vor allem kleinere Anleger und nur in eingeschränktem Umfang professionelle Investoren. Die Zahlung von 7,3 Milliarden Dollar erstreckt sich auf insgesamt 40 000 Anleger. Den institutionellen Anlegern verspricht die Citigroup lediglich, ihnen beim Verkauf von Auktionspapieren im Volumen von 12 Milliarden Dollar zu helfen, sie wird die Papiere aber nicht selbst zurücknehmen. Auch die von Merrill Lynch angekündigte Zahlung betrifft nur Kleinanleger. Die Citigroup hat sich in dem Vergleich mit Cuomo außerdem zu einer Strafzahlung von 100 Millionen Dollar bereit erklärt, ohne dabei aber Fehlverhalten zuzugeben.
Mindestens ein Dutzend weiterer Banken steht im Visier der Behörden
Die Aktionen von UBS, Citigroup und Merrill Lynch sind womöglich nur der Anfang einer Serie von Milliardenzahlungen. Mindestens ein Dutzend weiterer Banken steht im Visier von Staatsanwaltschaften und Aufsichtsbehörden. Andrew Cuomo hatte vor zwei Wochen eine Klage gegen die UBS eingereicht und wirft ihr darin vor, Anleger über die Risiken der Auction-Rate-Papiere getäuscht zu haben. Der Fall UBS war besonders pikant, weil hier auch die Frage untersucht wird, ob Manager der Bank ihre eigenen Bestände an Auktionspapieren verkauft haben, während die Produkte noch aggressiv an Kunden vermarktet wurden.
Eine Klage ist auch gegen die Deutsche Bank anhängig, zu der die Bank offiziell keinen Kommentar abgibt. Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass die Deutsche Bank in diesem Geschäft kein bedeutender Akteur war. Selbst wenn auch sie zum Rückkauf von Wertpapieren verpflichtet würde, läge das Volumen deutlich unter jenem etwa der Citigroup.
Gibt es etwa einen Paradigmenwechsel?
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 08.08.2008, 15:46 Uhr
Beeindruckend
Christian Roigk (Dubai1)
- 08.08.2008, 15:59 Uhr
Dort funktioniert der Markt
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 08.08.2008, 16:29 Uhr
Ja, man sollte sein Geld in Amerika anlegen
Reinhard Bimashofer (bimashofer)
- 08.08.2008, 18:24 Uhr
Dort funktioniert der Markt??? -- ich würde es Marktversagen nennen!!!
Peter Fischer (pfischer)
- 08.08.2008, 18:29 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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