Eine Insolvenz der New Century Financial Corporation, einem führenden Akteur auf dem amerikanischen Markt für Hypothekendarlehen, könnte Folgen auf den Finanzmärkten haben und womöglich die amerikanische Konjunktur insgesamt dämpfen. Das befürchten Marktbeobachter, nachdem die auf Baufinanzierungen für Kunden mit minderer Bonität spezialisierte kalifornische Bank mitgeteilt hatte, die Forderungen ihrer Gläubiger nicht bedienen zu können.
Die Aktienmärkte weltweit reagierten auf die Nachrichten mit deutlichen Abgaben. Für den Deutschen Aktienindex Dax geht es am Mittwoch um 1,6 Prozent oder 107 Punkte auf 6.517 Zähler abwärts. Händler sprechen von der zweiten Abwärtswelle nach der scharfen Korrektur Ende Februar/Anfang März.
Handelsbeschränkungen wegen Kursverlusten an Wall Street
In Amerika hatten die Kurse im späten Handel deutlich nachgegeben, nachdem neue Daten des Branchenverbandes Mortgage Bankers Association (MBA) die Schwierigkeiten vieler auf Risikodarlehen spezialisierten Hypothekenbanken bestätigten. Zuvor hatte mit Accredited Home Lenders Holding ein weiterer „Subprime-Lender“ Liquiditätsprobleme eingeräumt. Als sich im Nachmittagshandel das Tempo der Aktienverkäufe rasant erhöhte, führte die Börse Handelsbeschränkungen ein.
Auch die asiatischen Börsen rutschten deutlich zwischen zwei und drei Prozent im Minus. „Dieser Monat könnte sehr böse werden“, sagte Kim Yung Min, Fondsmanager bei SH Asset Management in Seoul. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index sackte um 2,92 Prozent auf 16.676 Zähler ab und verzeichnete damit den zweitgrößten prozentualen Tagesverlust in diesem Jahr.
„Wenn die Probleme am amerikanischen Hypothekenmarkt schlimmer werden, könnte es anfangen, die amerikanischen Konsumenten zu schmerzen und das könnte den Exporteuren sehr wehtun“, sagte Kim.
Es drohe eine deutliche Verschlechterung der Hypothekenkonditionen auch für Kunden mit hoher Kreditwürdigkeit, was die Stimmung auf dem ohnehin angeschlagenen Immobilienmarkt zusätzlich eintrübe, sagen Marktteilnehmer.
CDOs sind weniger attraktiv geworden
Die drohende Insolvenz wirft ein Schlaglicht auf eine besondere Klasse von Wertpapieren: sogenannte besicherte Schuldverschreibungen, auf Englisch Collateralized Debt Obligations (CDO) genannt. Sie sind während des starken Aufschwungs auf dem Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren populär geworden. Es handelt sich um Schuldtitel, die mit Forderungen aus Hypothekendarlehen besichert sind.
Zunächst erwerben Investmentbanken Hypothekendarlehen von anderen Banken - beispielsweise von New Century Financial -, bündeln diese und nutzen sie als Sicherheit zur Emission eines Wertpapiers. Diese Hypothekenanleihen werden anschließend zusammengefasst und dienen als Sicherheit für eine CDO. Die Anleger können dann verschiedene Tranchen mit unterschiedlichen Risiken erwerben.
Vergangenes Jahr, berichtet die Deutsche Bank, wurden in solchen CDO hypothekenbesicherte Anleihen im Volumen von 150 Milliarden Dollar (114 Milliarden Euro) gebündelt. Hinter dem größten Teil davon stecken offenbar Kreditnehmer mit verhältnismäßig schlechter Bonität (Subprime Mortgages). Insgesamt wurden 2006 in den Vereinigten Staaten rund 605 Milliarden Dollar solcher Subprime-Darlehen vergeben. Dies entspricht 20 Prozent des Marktes für Hypothekendarlehen. Fünf Jahre zuvor betrug der Anteil nur rund 5 Prozent.
Seit sich das Klima auf dem Immobilienmarkt abgekühlt hat und damit die Zahl der säumigen Schuldner gestiegen ist, sind CDO weniger attraktiv geworden. Das lässt sich auch am Zinsaufschlag ablesen, den Investoren beispielsweise für CDO der Bonitätsstufe BBB verlangen. Der beträgt inzwischen rund 6,25 Prozentpunkte zum Londoner Interbankenzinssatz (Libor). Noch Ende vergangenen Jahres lag der Zinsaufschlag bei nur 3,5 Prozentpunkten. Medienberichten zufolge hat die Investmentbank Goldman Sachs jüngst einige Hypothekenanleihen verkauft, die ursprünglich als Sicherheit für eine neue CDO dienen sollten.
Zwangsversteigerungen drücken Preis
Von New Century Financial verlangt Goldman Sachs Kredite in Höhe von rund 100 Millionen Dollar zurück. An der Spitze der Gläubiger der angeschlagenen Bank steht offenbar Morgan Stanley. Allein dieser Investmentbank schuldet New Century rund 2,5 Milliarden Dollar. Aber auch bei Credit Suisse, Citigroup, Ixis Real Estate Capital und der Bank of America steht der Hypothekenfinanzierer in der Kreide.
Zwar sind die Schulden mit dem Wert der Immobilien besichert, doch es ist fraglich, welche Beträge sich beispielsweise auf dem Weg der Zwangsversteigerung erzielen lassen. Eine steigende Zahl von Zwangsversteigerungen würde das schon große Angebot und damit wohl auch den Druck auf die Preise erhöhen. Vergangenes Jahr wurden über Zwangsversteigerungen rund 1,2 Millionen Häuser und Wohnungen veräußert, 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dieses Jahr könnte die Zahl auf mehr als 1,5 Millionen steigen, befürchten Fachleute.
Das wäre nach Einschätzung von Bankvolkswirten schlecht für die Konjunktur, weil nicht nur das Baugewerbe darunter litte, sondern vermutlich auch der private Konsum der Amerikaner, die einen Großteil ihrer Ersparnis in Form ihrer Immobilie schwinden sähen. „Die Korrektur wird noch rund ein Jahr andauern. Es werden weniger Menschen einen Hypothekenkredit aufnehmen können und das wird sich auf die Nachfrage auswirken“, sagt Mark Zandi, Chefvolkswirt der Beratungsgesellschaft Economy.com.