06.10.2008 · Die ohnehin schon außergewöhnlich hohen Geldmarktsätze steigen immer weiter. Ursache dafür ist das Misstrauen der Banken untereinander und der damit verbundene Wunsch, Geld zu bunkern. Doch dieses Verhalten verschärft die Finanzkrise nur weiter.
Die Geldmarktsätze sind am Montag weltweit weiter gestiegen. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Banken Barmittel horten. Sie tun das, weil sie offenbar eine weitere Zuspitzung der Kreditkrise und weitere Bankpleiten befürchten.
Die London Interbank Offered Rate, kurz Libor genannt, also jener Zinssatz, den Banken untereinander verlangen, wenn sie sich über Nacht Geld in Dollar leihen, stieg um 37 Basispunkte auf 2,37 Prozent. Auch der Libor-OIS-Spread, der die Differenz zwischen dem Interbankenzins und den Overnight Index Swaps anzeigt sowie der TED-Spread (Differenz zwischen dem Drei-Monats-Libor und dem Zinssatz für Drei-Monats-US-Anleihen) bewegten sich in der Nähe oder auf Rekordhochs.
So kletterte der Libor-OIS-Spread zum Wochenauftakt in der Spitze auf 298 Basispunkte. Vor zwei Wochen notierte er noch bei 129 Basispunkten und vor einem Mont sogar nur bei 81 Basispunkten. Beim Ted-Spread stand seit Beginn der Aufzeichnungen durch Bloomberg im Jahr 1984 mit 389 Basispunkten der höchste Wert zu Buche.
Risikoaversion bleibt ausgesprochen hoch
Die Situation ist weiterhin sehr angespannt und wir brauchen vermutlich noch mehr Eingriffe von den Notenbanken“, sagt Cyril Beuzit, Zinsstratege bei BNP Paribas SA. „Der Wille bei den Regierungen ist groß, der Lage Herr zu werden, aber bis jetzt ist das noch nicht gelungen. Wir bewegen uns unverändert in einer sehr risikoaversen Umgebung.“
Die Interbankensätze sind sehr stark gestiegen, weil die Banken Barmittel bunkern um damit den erwarteten Reserveverpflichtungen nachzukommen, nachdem die Regierungen in Europa und Amerika interveniert haben um den Kollaps von sechs Finanzinstituten zu verhindern. Insgesamt belaufen sich die Abschreibungen in den Bankbilanzen seit dem Beginn der Kreditkrise im Vorjahr auf 586 Milliarden Dollar.
Finanzstress-Indikatoren genau verfolgen
Um sich zu finanzieren leihen sich die Banken so viel Geld von der Europäischen Zentralbank wie seit 2001 nicht mehr. Am 03. Oktober beliefen sich die Ausleihungen auf Basis des Mindestausleihsatzes von 5,25 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig werden 38,9 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 3,25 Prozent bei der Zentralbank geparkt.
„Die Lage am Geldmarkt wird schwierig bleiben und kurzfristig ist keine Besserung in Sicht“, befürchtet Dwyfor Evans, Währungsstratege bei State Street Global Markets. „Es fehlt einfach an Vertrauen.“ Solange sich aber am Geldmarkt keine Entspannung abzeichnet, dürfte es auch schwierig werden, dass der Bankensektor wieder ins Gleichgewicht zurückfindet. Anleger sollten deshalb die Entwicklung bei Indikatoren wie dem Libor-OIS-Spread und dem TED-Spread genau beobachten.