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Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kredite Kreditnehmern drohen höhere Zinsen

03.04.2008 ·  Die kräftig gestiegene Inflationsrate spricht dafür, dass auch bald die langfristigen Zinsen steigen. Für Bauherren und andere Schuldner, die Gelder neu aufnehmen wollen, könnte es teurer werden.

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Man muss in den Statistiken der Bundesbank weit zurückblättern, um so hohe Teuerungsraten zu finden wie heute. Im März ist die Inflationsrate im Euro-Raum auf 3,5 Prozent gestiegen, in Deutschland auf 3,1 Prozent. „Das gab es zuletzt im Dezember 1993", sagt Thorsten Polleit, Ökonom bei Barclays Capital. „Und ich fürchte, die Inflation wird immer noch systematisch unterschätzt."

Auch Jörg Krämer ist hellhörig geworden und hat gerade seine Inflationsprognose für das Jahr 2007 von 2,8 auf 3,2 Prozent erhöht. Davon entfalle etwa ein Drittel auf die gestiegenen Lebensmittel. „Ich kann nicht mehr so tun, als seien das alles Sondereffekte." Die durchschnittlichen Inflationsschätzungen der Marktteilnehmer liegen derzeit bei 2,7 Prozent.

Wer einen Festzins-Kredit mit längerer Laufzeit hat, kann von der Geldentwertung profitieren

Selbst wenn diese vorsichtigeren Schätzungen sich als richtig erweisen sollten, spricht vieles dafür, dass die Marktzinsen weiter steigen werden. Bisher wurden sie durch die Finanzkrise und die Flucht vieler Anleger in sichere Anlagen niedrig gehalten. Doch parallel zur Entspannung auf den Aktienmärkten haben sich die Anlagerenditen für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit in den vergangenen Tagen schon von 3,7 auf 4 Prozent erhöht. Gemessen an den Inflationserwartungen ist das aber immer noch relativ wenig.

Für die Schuldner würden sich steigende Zinsen und Inflation unterschiedlich auswirken. Wer schon einen Kredit mit längerer Laufzeit hat, könnte von der Geldentwertung sogar profitieren. Der preisbereinigte Wert der Verbindlichkeiten würde sinken, ohne dass die Kreditkosten sofort steigen würden.

Teurer würde es dagegen für die Schuldner, die variable Zinsen zahlen, die ihren Kredit in absehbarer Zeit verlängern müssen oder erst noch abschließen wollen. Für sie würden steigende Anlagerenditen der Anleihen über kurz oder lang zu steigenden Kosten führen. Denn die Zinsen für Verbraucherkredite hängen von den Entwicklungen auf den Kapitalmärkten ab. Ein Zinsanstieg kann insbesondere für Bauherren schmerzhaft werden. Klettert der langfristige Marktzins nur von 4 auf 4,6 Prozent, würde sich - bei einem entsprechenden Anstieg der Hypothekenzinsen - die monatliche Belastung aus einem Kredit über 200.000 Euro um fast 100 Euro erhöhen.

Im Gegensatz zu jenen, die sich variabel verschuldet haben

Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Anleihezins und Verbraucherkredit nicht immer unmittelbar. So hat der jüngste Renditeanstieg der Bundesanleihen die Zinsen für Hypotheken bisher nur geringfügig erhöht. Ein durchschnittlicher Baukredit mit zehn Jahren Laufzeit hat sich nur um etwa 0,1 Punkte auf 4,8 Prozent verteuert, meldet die Finanzberatung Max Herbst. Die zuvor kräftig gestiegene Marge der Banken hat sich also wieder etwas verringert.

Doch das muss nicht so bleiben. Bei anderen Kreditarten haben die Banken in den vergangenen Monaten schon zugelangt und ihre Margen stark ausgeweitet. So haben sich zum Beispiel Ratenkredite mit einer Laufzeit von drei Jahren seit dem Sommer vergangenen Jahres von durchschnittlich 7,35 auf 8 Prozent verteuert. Das mag auch mit der Finanzkrise zu tun haben. Denn in den vorangegangen Jahren hatten die Banken den Wettbewerb um Konsumschuldner verstärkt, was die Zinsen unter Druck gesetzt hat.

Eine ähnliche Entwicklung gab es auch bei den Zinsen, die die Banken für die Überziehung des Girokontos verlangen. Auf eine starke Absenkung folgte die Gegenbewegung. Seit dem Tiefpunkt im Jahr sind die durchschnittlichen Überziehungszinsen der Banken von 11 auf 12,2 Prozent gestiegen.

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