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Kreditausfallversicherungen So spekuliert man gegen Griechenland

08.03.2010 ·  Spekulanten treiben Griechenland mit komplexen Finanzinstrumenten in den Ruin, heißt es. Ganz haltbar ist die These nicht. Ein kleiner Einblick in das Handwerkszeug der Spekulanten

Von Winand von Petersdorff
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Griechenland hatte sogar seinen Geheimdienst eingeschaltet, um herauszufinden, wer gegen das Land wettet. Blogs verbreiten Gerüchte über konspirative Treffen von Hedge-Fonds-Managern in Manhattan, die sich zusammenrotten, um mit vereinter Kapitalmacht das arme Land in den Bankrott zu treiben. Der amerikanische Chef der Fed, Ben Bernanke, will den Wall-Street-Adressen genau auf die Finger schauen. Und globale Verschwörungstheorien blühen wie nie.

Es kann keinen Zweifel mehr geben: Griechenland ist zum Gegenstand der Spekulation geworden. Besonders auffällig ist, dass die Kurse der Griechenland-Anleihen in den vergangenen Wochen stark schwanken, obwohl sich die Volkswirtschaft Griechenlands nicht fundamental verändert hat. Das ist ein ziemlich sicheres Indiz, dass nervöses Geld von Spekulanten die Märkte in Bewegung hält, sagt Christophe Frisch, Derivateexperte im Thalanx-Konzern.

Keine Gegen- ohne Für-Spekulation

Die wichtigste Masche der Investoren geht so: Sie wetten mit sogenannten Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps oder CDS) darauf, dass Griechenland seine Staatsschulden in Form von Anleihen nicht mehr bedienen kann. Oder kurz und knapp: Sie zocken auf den Staatsbankrott. Wer dahinter steckt, liegt im Nebel. Hedge-Fonds, große Investmentbanken spekulieren mit, die Deutsche Bank allerdings ist nicht dabei, sagt das Unternehmen. Das alles riecht nach Skandal.

Doch es passiert gleichzeitig ein kleines Wunder: Die Spekulanten gegen Griechenland finden ebenso viele Spekulanten für Griechenland. Das weiß man, weil es sonst keinen Handel gäbe.

Das lenkt zu einer grundsätzlichen Frage: Wo kommen die ganzen Credit Default Swaps auf Griechenland eigentlich her, die jetzt so schwunghaft gehandelt werden? Im Prinzip gilt für Kreditversicherungen, was für Autos, Joghurts oder Handys gilt. Es gibt sie, weil man sie verkaufen kann. In der Praxis werden die Kreditversicherungen von großen Banken nach Standards des internationalen Derivateverbands konstruiert und verkauft: an Banken, große Unternehmen, Hedge-Fonds und andere große Anleger. Allerdings müssen die Verkäufer dieses standardisierten Versicherungsschutzes die Finanzkraft haben, im Versicherungsfall zahlen zu können. Deswegen kommen als Emittenten nur die großen Investmentbanken in Frage.

Versicherung ohne Gegenstand

Verkäufer von Griechenland-CDS haben im Prinzip folgendes Kalkül: Sie halten das Risiko, dass Griechenland zahlungsunfähig wird, wertmäßig für geringer als die Prämien, die sie beim CDS-Verkauf bekommen. Der CDS-Käufer sieht es gerade umgekehrt: Ihm ist der Versicherungsschutz des Kreditausfalls wertvoller als die Prämie. Es ist also wie immer auf Kapitalmärkten - unterschiedliche Einschätzungen über den Wert eines Produktes machen den Handel erst möglich.

Viele CDS haben sich von Griechenland-Anleihen komplett losgelöst. Sie werden längst nicht nur gekauft von Investoren, die viele Griechenland-Anleihen im Portfolio haben, sondern auch von Käufern, die allgemeine Griechenland-Risiken abdecken wollen, weil sie viele Geschäfte mit dem Land machen.

Und dann gibt es die puren Spekulanten. Das Volumen des CDS-Marktes hängt nicht von der Größe des Anleihemarktes ab, sondern nur davon, ob ein Investor, der Geld darauf wettet, dass Griechenland zahlungstreu bleibt, einen Partner findet, der dagegenhält.

Geld für Angefaultes

Anleihen und die Kreditversicherungen finden erst im Versicherungsfall wieder zusammen. Der ist ein genau in den Vereinbarungen definiertes und beurkundetes Ereignis. Das könnte zum Beispiel die offizielle Mitteilung des griechischen Finanzministeriums sein, seinen Zahlungsverpflichtungen aus einer bestimmten Anleihe nicht mehr nachkommen zu können.

Die Schadensregulierung kann zwei Wege gehen: Der CDS-Eigentümer bekommt Bargeld, dessen Summe sich an der Höhe des Ausgabewerts der Anleihe orientiert. Dabei wird berücksichtigt, dass faul gewordene Anleihen nicht ganz wertlos sind, weil Griechenland seine Zahlungsverpflichtung verspätet wieder aufnehmen könnte.

Die zweite Möglichkeit: Der CDS-Besitzer gibt die angefaulte Griechenland-Anleihe an den CDS-Sicherungsgeber und bekommt im Gegenzug eine Summe in Höhe des Ausgabekurses der Anleihe überwiesen.

Ursache oder Symptom?

Was dem CDS-Markt eine gewisse Prominenz verleiht, ist seine Signalkraft. Wenn sich die Credit Default Swaps auf griechische Anleihen verteuern, fürchtet der Markt offenbar wachsende Zahlungsprobleme des Landes. Der CDS-Mark spiegelt, was die Märkte über die Griechen denken.

Die wichtigste Frage lautet, ob die CDS-Besitzer die Zahlungsprobleme herbeireden können, um den Wert ihrer CDS hochzujazzen. Oder schlimmer noch: Könnten Hedge-Fonds und Konsorten durch gezielte Käufe von CDS in großem Volumen den Ruf Griechenlands so stark beschädigen, dass das Land für neue Anleihen keine Käufer mehr findet? In der nächsten Runde steigt der Wert der CDS, die Bonität sinkt weiter. Können die Spekulanten diese Teufelsspirale auslösen, hätten sie eine Methode gefunden, reich zu werden, indem sie Griechenland in den Bankrott treiben.

Aber läuft das wirklich so? Die klassischen großen Anleiheinvestoren, die Griechenland-Anleihen kaufen, analysieren die Zahlungsfähigkeit des Landes in der Regel auf Grund fundamentaler Daten und überlegen dann, ob sie in der nächsten Finanzierungsrunde dabei sein wollen.

Die These, CDS-Spekulanten könnten eine Teufelsspirale auslösen und damit Griechenland in die Pleite jagen, fußt auf einer frechen Voraussetzung: dass die CDS-Käufer grundsätzlich schlauer sind als die Investoren auf der Gegenseite, die den Kreditausfall versichern. Diese müssen so dumm sein, dass sie von der Teufelsspiraletheorie nie gehört haben. Das ist unwahrscheinlich, weil die Theorie ihren Weg sogar in die Niederungen des Journalismus gefunden hat.

Wenn aber nicht die CDS-Spekulanten an der Griechenland-Misere schuld sind, wer dann? Die Märkte flüstern eine Antwort, die nicht unbedingt beruhigt: Griechenland selbst.

Die Methode, die Spekulation mit griechischen Papieren auszutrocknen, ist schon gefunden. Griechenland muss seine Finanzierungsprobleme lösen und die Öffentlichkeit überzeugen. Wie das geschieht - ob über Bail-out durch Brüssel, den Internationalen Währungsfonds oder mit Geld aus Berlin - ist den Kapitalmärkten schnuppe. Von einem Hedge-Fonds-Manager stammt ein frecher Vorschlag: Wenn Griechenland nicht an sich glaubt, sollte es vielleicht in CDS investieren.

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