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Kreditabsicherungen Deutschland ist unverändert ein guter Schuldner

 ·  Der Anstieg der Preise für deutsche Kreditabsicherungen im Juni hat einige Beobachter alarmiert. Ein genauer Blick auf den Markt zeigt: Diese Art Sorgen sind überzogen.

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Beim Blick auf die Entwicklung der Risiken von Staatsanleihen diente einst vor allem deren Renditeentwicklung als Datengrundlage. Seit den achtziger Jahren kamen die Ratings hinzu. Verhältnismäßig jung ist die Betrachtung der Entwicklung der Preise der Kreditabsicherungen, der Credit-Default-Swaps, kurz CDS genannt (siehe Erläuterung im Kasten).

CDS-Daten reichen zurück bis etwa 2005. Allerdings sind die Daten kaum aussagekräftig. Das liegt zum einen an der bis zur Finanzkrise vorherrschenden Einschätzung, dass die meisten Staatsanleihen ohnehin kaum ausfallgefährdet seien. Zum anderen war der Markt anfangs sehr klein und hat letztlich erst mit der Finanz- und Euro-Krise überhaupt Bedeutung erhalten.

Aussagekräftig erst seit der Finanzkrise

Mit diesem Bedeutungsgewinn begannen sich auch die Preise (Spreads) auseinander zu entwickeln. So wurden CDS auf griechische Staatsanleihen 2007 noch etwa zum gleichen Preis gehandelt wie auf deutsche. Ein Jahr später war der Preis schon mehr als siebenmal so hoch, heute ist es Faktor etwa 110.

Auch das Niveau ist deutlich angestiegen. So haben sich die Preise für französische CDS seit September 2006 verneunzigfacht, die deutscher verdreißigfacht und die Preise für Schweizer CDS sind auf das 31fache gestiegen. Doch das ist letztlich wenig aussagekräftig.

Aufschlussreicher ist es da, einen Blick auf den März 2010 zu werfen, als die Euro-Krise richtig begann. Hier zeigen sich auch Unterschiede in der Entwicklung, die die intuitive oder mediale Einschätzung der Krise bestätigen. Die Preise für portugiesische CDS sind auf mehr als das Sechsfache gestiegen, für spanische auf das Fünffache. Auch Deutschland zeigt sich mit dem Faktor 2,5 von der Krise betroffen. Denn die Preise für Schweizer CDS sind nur um rund die Hälfte gestiegen, die britischer sogar gefallen.

Kurzfristige Entwicklungen mit Vorsicht zu genießen

Sorgen macht manchen Beobachtern in diesem Zusammenhang, dass die Preise für deutsche CDS seit Anfang März um 26 Prozent gestiegen sind. Sie schlussfolgern daraus,. dass die Zinsen für deutsche Staatsanleihen bald deutlich steigen werden. Das erscheint jedoch zu kurz gesprungen. Denn zum einen ist die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen im selben Zeitraum um rund 30 Basispunkte gefallen. Zum anderen sind auch die Preise für CDS der meisten Nicht-Euro-Staaten gestiegen: Für die Schweiz in etwa demselben Umfang, für die Vereinigten Staaten mit 37 Prozent sogar noch stärker.

Betrachtet man die Renditeentwicklung der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe im Juni, so zeigt sich ein deutlicher Anstieg um rund 40 Basispunkte. Interessanterweise sind aber die Preise für deutsche CDS seit dem 31. Mai um 7 Prozent gefallen, ähnlich stark wie die für italienische, und etwas schwächer als französische. Die schwächste Entwicklung nahmen dagegen norwegische und amerikanische CDS, deren Preise stagnierten. Die beste Entwicklung zeigte neben Schweden ausgerechnet Portugal. Hier fielen die Preise der Kreditabsicherungen um mehr als ein Sechstel.

Deutschland kommt unverändert gut weg

Eines zeigt sich damit deutlich. Die langfristige Entwicklung von Staatsanleihen Renditen oder –zinsen mithilfe der kurzfristigen Entwicklung am CDS-Markt vorhersagen zu wollen, stößt an Grenzen. Was der CDS-Markt zeigen kann, sind zum einen die gerade aktuellen Risikoeinschätzungen professioneller Investoren.

Zum anderen zeigt sich in der etwas längerfristige Betrachtung im Anstieg bestimmter Preise korrespondierend eine längerfristig veränderte Einschätzung des Risikos für Anleihen eines bestimmten Staates im Vergleich zu anderen. Und da kommt Deutschland bei einem aktuellen Preis von 98,5 Basispunkten gut weg. Es befindet sich zwischen Japan und Chile auf Platz 9 der Liste der 52 Staaten der Welt, auf deren Schulden CDS gehandelt werden und ist nach Finnland immer noch dasjenige Euroland, dessen Kreditrisiko am niedrigsten gesehen wird.

Erst im Bereich von mehr als 300 Basispunkten finden sich Staaten, für deren Anleihen nach qualitativen Kriterien ernsthafte Kreditrisiken bestehen, angefangen mit Vietnam (344), Dubai (354) Ungarn (528), Portugal (956) oder Argentinien (1213).

(======================= Linkliste =======================)

Was sind CDS?

Diese Kreditderivate verbriefen eine Ausgleichszahlung, sofern der im Vertrag bezeichnete Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann. Dafür zahlt der Sicherungsnehmer eine einmalige sowie eine laufende Prämie. Letztere wird als Spread bezeichnet und in Basispunkten (Hundertstel Prozentpunkte) angegeben. Eine laufende Prämie von 100 Basispunkten bedeutet, dass beispielsweise für die Absicherung von 1 Million Euro in Staatsanleihen eine jährliche Prämienzahlung von 10.000 Euro zu leisten ist.

CDS unterscheiden sich von Versicherungen vor allem dadurch, dass sie unabhängig davon gewährt werden, ob der Sicherungsnehmer die zu versichernde Anleihe überhaupt besitzt. Es ist daher letztlich nicht korrekt von Kreditversicherungen zu sprechen. Tatsächlich sind CDS Wetten auf Kreditrisiken. Ihre Kurse (Spreads) bringen daher nur bedingt das tatsächliche Sicherheitsbedürfnis der Anleger aus, sondern vor allem die kurzfristige Einschätzung der Kreditrisiken.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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