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Konvergenz-Fantasie EU-Erweiterung birgt selektiv Kurschancen

 ·  Die EU will im Jahr 2004 zehn neue Länder aufnehmen. Für Geldanlagen in der Region ist dies zwar kein Freibrief, aber eine gute Grundlage.

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Brüssel hat an diesem Mittwoch die Tür für zehn Beitrittskandidaten weit aufgestoßen.Mit einer Empfehlungsliste, die Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Zypern beinhaltet, wird diesen Ländern bescheinigt, bis 2004 die Beitrittsreife erreichen zu können.

Diese zeitnahe Perspektive ist auch für die dortigen Finanzmärkte von Belang. Schließlich knüpft sich an einen EU-Beitritt und eine spätere Aufnahme in die Währungsunion traditionell die Hoffnung auf Konvergenzgewinne. Dieser Prozess führt bekanntlich im Normalfall durch eine Annäherung der Zinsen an das Durchschnittsniveau in der EU zu Kursgewinnen an den Rentenmärkten und beflügelt über diese Schiene auch die Aktienmärkte der jeweiligen Aufnahmekandidaten.

Konvergenzfantasie beflügelt die Nachfrage

Auch bei den jetzigen Nachrückern ist ein derartiger Prozess bereits in Gang gekommen. Mit den passenden Anleihen konnten Anleger bereits richtig gutes Geld verdienen. Die Aktienmärkte haben dagegen das Pech, das weltweit ein Bärenmarkt tobt. Dies verhinderte bisher eine echte Konvergenzrally. Aber immerhin fällt die Negativbilanz der Börsen der Beitrittskandidaten weitaus moderater aus als bei vielen anderen westlichen Aktienmärkten.

Mit dem näher rückenden Beitrittstermin dürfte diese vergleichsweise gute Entwicklung andauern - und zwar sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt. Auch daraus jeweils auch Gewinne werden, hängt letztlich davon ab, welche Richtung die etablierten Renten- und Aktienmärkte einschlagen werden.

Probleme nicht verdrängen

Ein Blankoscheck auf Kursgewinne ist die EU-Aufnahme für die Finanzmärkte der Beitrittsländer auch deshalb nicht, weil es noch zahlreiche andere Probleme gibt. So müssen die Iren bei einer Volksabstimmung am 19. Oktober mit ihrer Zustimmung zum Vertrag von Nizza erst noch den Weg frei machen für die geplante zügige Aufnahme. Zuletzt zeichnete sich Umfragen zufolge zwar ein positives Votum ab, ganz in trockenen Tüchern ist die Angelegenheit aber noch nicht.

Vernachlässigt werden dürfen auch nicht die in vielen Fällen wachsenden Haushaltsdefizite. Nur in Slowenien gibt es in dieser Hinsicht einer positive Entwicklung zu vermelden. In Ungarn droht das Defizit in diesem Jahr im schlimmsten Fall sogar bis auf 8,5 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt zu steigen. Das Knock-Out-Kriterium für einen Beitritt liegt aber bekanntlich bei 3,0 Prozent.

Problemfelder wie diese machen die Finanzmärkte der Beitrittskandidaten zu keinen Selbstläufern. Doch wer seine fundamentalen Hausaufgaben macht, kann das eine oder andere Schnäppchen machen. So gibt es Einzelaktien, die trotz günstiger Ergebnisaussichten Kurs-Gewinn-Verhältnisse von unter zehn aufweisen und gleichzeitig eine ordentliche Dividende zahlen. Dieser Tatbestand dürfte wie schon in der Vergangenheit auch in nächster Zeit noch einige westliche Übernahmeinteressenten anlocken.

Bulgarien und Rumänien locken

Ein ähnlich selektives Vorgehen wie am Aktienmarkt empfiehlt sich im übrigen auch am Rentenmarkt. Dort kann es sogar am lohnensten sein, den Blick noch weiter in die Zukunft zu richten. Dem neuesten Empfehlungsschreiben aus Brüssel zufolge könnte es Bulgarien und Rumänien schon bis zum Jahr 2007 gelingen, die Beitrittsreife zu erlangen. Ist dieser zutreffend, gibt es hier über die Jahre gesehen noch das größte Konvergenzpotenzial.

Natürlich darf dabei nicht verschwiegen werden, dass eine höhere Renditechance wie stets an den Märkten mit einem höheren Risiko einhergeht. Dies hat die Anleger aber nicht davon abgehalten, die Kurse der Staatsanleihen dieser Länder schon in den vergangenen Wochen nach oben zu treiben. Wer beabsichtigt, diese Anleihen bis zur Endfälligkeit zu halten, dem winkt beispielsweise bei der bis 2008 laufenden Rumänien-Anleihe eine Rendite von 7,81 Prozent und bei der bis 2013 laufenden Bulgarien-Anleihe eine Rendite von 7,86 Prozent. Gemessen an den derzeit niedrig verzinsten Anlagealternativen scheinen dies durchaus attraktive Aufschläge zu sein.

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