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Kommentar Anlageurteil zu Südeuropa-Anleihen auch eine Frage des Prinzips

05.02.2010 ·  Durch die grassierenden Sorgen vor zu hohen Staatsschulden sind die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Südeuropa deutlich gestiegen. Die hohen Renditen mögen zwar locken, aber es stellt sich auch die Frage, ob Schuldenmacher belohnt werden sollten.

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Die Finanzmarktakteure haben mit den Staaten Südeuropas neue Prügelknaben gefunden. Und die hohen Staatsdefizite dieser Länder (siehe Grafiken) zusammen mit gravierenden strukturellen Problemen bieten dafür auch eine ideale Angriffsfläche.

Ablesen lassen sich die Sorgen nicht nur an den weltweit fallenden Aktienkursen sowie dem täglich schwächer werdenden Euro, sondern auch an den Kursverlusten der Staatsanleihen von Emittenten wie Griechenland, Spanien, Italien und Portugal.

Teilweise sind hier die Risikoaufschläge auf neue Rekorde gestiegen. So weisen griechische Staatsanleihen inzwischen einen Renditeabstand von 370 Basispunkten verglichen mit zehnjährigen deutschen Bundesanleihen auf.

Das ist eine Menge Holz, zumindest wenn man unterstellt, dass entweder die EU oder der IWF dem Schuldner Griechenland schon beispringen wird, wenn es ihm tatsächlich nicht gelingen sollte, die im April fällig werdenden Schulden von 12 Milliarden Euro zu refinanzieren. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wirklich jemand in die Presche springen wird.

Griechenland wird nicht fallen gelassen werden

Denn eine Pleite Griechenlands wäre für sich alleine betrachtet zwar vermutlich zu stemmen. Finanziell werde es wegen der geringen wirtschaftlichen Bedeutung des Landes im Euro-Verbund jedenfalls verkraftbar. Aber ob sich auch die damit verbundene negative Signalwirkung kontrollieren ließe, erscheint zumindest fraglich.

In diesem Zusammenhang ist zwar zu beachten, dass Griechenland Wertpapiere in Höhe von 290 Milliarden Euro ausstehen hat. Wie Jörg Krämer von der Commerzbank erläutert, sind das deutlich mehr als die 140 Milliarden Dollar, mit denen Lehman Brothers im Herbst 2008 in der Kreide stand. Zwei Drittel der seit 2005 emittierten Anleihen hat das griechische Finanzministerium im Ausland abgesetzt, vor allem in den anderen Staaten der EU. Die Hälfte der seitdem begebenen Papiere wurden an Banken verkauft. Würde Griechenland zahlungsunfähig und kollabierte der Wert seiner Anleihen, dann müssten europäische Banken massive Abschreibungen vornehmen, so Krämer.

Aber selbst das ist noch nicht einmal der springende Punkt. Entscheidend ist vielmehr, dass es neben Griechenland noch viele andere unsichere Kantonisten gibt. Neben den bereits erwähnten südeuropäischen Staaten sehen unter anderem auch die Schuldenstatistiken von Irland, Großbritannien und Amerika erschreckend aus. So befürchtet Rentenstrategen Jim Reid von der Deutschen Bank: „Die Probleme mit Rentenpapieren aus den europäischen Randstaaten sind nur die Generalprobe für das, was auch den Bonds aus Amerika und Großbritannien passieren kann.“ Allerdings verfügten diese beiden Länder mit einer flexiblen Währung noch über eine bessere erste Verteidigung, falls der Markt sie stärker ins Visier nehmen sollte. Deshalb suche sich der Markt derzeit noch „leichtere Ziele“ aus als diese Länder, so Reid.

Die Kreditwürdigkeit muss erst wieder verdient werden

Angesichts der zu erwartenden Stützungsmaßnahmen stellt sich aus Anlegersicht die Frage, ob man jetzt die Chance nutzen und sich die höheren Renditen sichern soll, die Emittenten aus Südeuropa bieten. Geht es nach den Experten bei der DZ Bank, dann sind die Renditespreads attraktiv, die beispielsweise griechische Anleihen bieten. „In den Risikoprämien sind schon sehr viele negative Nachrichten antizipiert“, heißt es in einer Studie. Die Spreads würden im Vergleich zu Bundesanleihen in überschaubarer Zeit zwar sicherlich nicht wieder diejenigen Niveaus erreichen, zu denen sich das Land vor der Finanzkrise verschuldet hat. Doch ein Vergleich mit anderen Ländern oder mit BBB-gerateten Unternehmensanleihen zeige, dass die extremen Spreadausweitungen fundamental nicht gerechtfertigt sind. Man rechne auf mittlere bis längere Frist mit einer erneuten Einengung. Für Kaufen-und-Halten-Anleger seien die Spreads sicherlich auch schon jetzt attraktiv, so der Tenor der Analysten der DZ Bank.

Rein theoretisch mag dieses Szenario letztlich aufgehen. Trotzdem stellt sich für Privatanleger die Frage, wem man sein Geld anvertraut. Und da es die genannten südeuropäischen Staaten schon seit Jahren nicht schaffen, ihre Finanzen nachhaltig in Ordnung zu bringen, stellt sich schon die Frage, ob sie als Kapitalverwalter überhaupt geeignet sind. Berechtigte Zweifel sind in dieser Hinsicht jedenfalls angebracht. Schließlich würde man selbst einem Freund, der beharrlich über den eigenen Verhältnissen lebt, nicht immer wieder neues Geld zustecken, selbst wenn man ihm noch so mag. Erziehungstechnisch gesehen wäre ein Hart bleiben jedenfalls vermutlich die langfristig wirkungsvollere und lehrreichere Strategie

Auch deshalb ist derzeit eher der Rat der Commerzbank-Analysten zu befürworten. Sie raten nicht-spekulativen Anlegern bis auf weiteres von Anleihen aus Euro-Peripherieländern ab, obwohl anzunehmen ist, dass die Rest-Europäer im Notfall helfen würden. Denn wenn der Euro und Europa überleben wollen, dann darf es nicht soweit kommen, dass der Solidaritätsgedanke einseitig überstrapaziert werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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